Das Buch wurde im Schweizer Literaturclub diskutiert und für gut befunden. Besonders interessierte mich die Aussage, dass das Buch die gesellschaftliche Lage in Frankreich sehr gut herausstellen soll, warum die Rechtspopulisten so viel Aufwind dort bekommen. Es "seziert die ideologischen Unterströmungen einer Gesellschaft, die kein Wir mehr kennt." Das Buch selber liefert folgendes Zitat: " Zwischen den Mächtigen und dem realen Leben klaffte ein schier unüberbrückbarer Abgrund - die Elite hatte den Bezug zur Basis verloren" Klarer Fokus des Buches liegt auf dem Antisemitismus, gefolgt vom allgemeinen Rassismus. Es wird der "Wettbewerb des Leidens" behandelt - Shoah vs. Kolonialismus. Diesen Gedanken weiter spinnend, bietet uns Frau Tuil Issa, einen radikalen Vertreter des Antisemitismus, der sich für Rassentrennung ausspricht, gegen die Verwestlichung eintritt und mit dem IS sympathisiert. Weitere Themen sind sozialer Determinismus, gesellschaftliche Fassaden die gewahrt werden, Hetzjagd der Medien, Identität und mit großen Anteilen Kriegstraumata und die Konfliktherde Afghanistan und Irak. Diese Tüte voll Themen haben mich das Buch auch beenden lassen. Das Buch zu lesen wär nämlich eine Qual. Die für mich stärkste Szene des Buches ereignete sich schon recht früh, in der Osman einen Kongress besucht und eine kritische Wortmeldung abgibt. Habe dadurch Verlan, die Spielsprache der Franzosen kennengelernt, in der Silben umgekehrt werden. Man nutzte dort das Wort Beurgeoisie ( Beur- Araber rückwärts gelesen). Osman war der Ansicht, dass dieser Euphemismus sie zurück ins Ghetto schicken würde, wo diese Sprache gesprochen werde und zitiert dann Camus. Vom Rest des Buches muss ich sagen, dass mich das sprachlich überhaupt nicht überzeugt hat. Frau Tuil gestaltet das gesamte Buch nur in Dialogen und spröden Nacherzählungen was passiert ist und wer was gedacht hat. Da werden keine Bilder aufgerufen, keine Szenischen Sequenzen, die für sich sprechen und nichts liegt tiefer vergraben. Alles wird klar ausgesprochen, ehr wegberichtet und endet häufig in Kalendersprüchen. Dazu kommen in kurzen Abständen viele Zeitsprünge. Es war mir unmöglich irgendeine Nähe zu den Figuren aufzubauen und ihre Entwicklung plausibel nachzufühlen. Ich ertappte mich ständig dabei wegzudriften. Die Themen werden durch diesen Stil auch nur oberflächlich gestreift. Bis zum Schluss kam keine tiefgreifende Erkenntnis auf, die ich nicht auch in einem Zeitungsartikel nachlesen kann. Tiefpunkt des Buches, die furchtbar schmonzettige, mir schleierhafte Liebesbeziehung mit Gruseldialogen, zwischen Marion und Romain. Bin nach der medialen Lobhudelei des Buches massiv enttäuscht.
Sehr eindrucksvoll
Das Buch wurde im Schweizer Literaturclub diskutiert und für gut befunden. Besonders interessierte mich die Aussage, dass das Buch die gesellschaftliche Lage in Frankreich sehr gut herausstellen soll, warum die Rechtspopulisten so viel Aufwind dort bekommen. Es "seziert die ideologischen Unterströmungen einer Gesellschaft, die kein Wir mehr kennt." Das Buch selber liefert folgendes Zitat: " Zwischen den Mächtigen und dem realen Leben klaffte ein schier unüberbrückbarer Abgrund - die Elite hatte den Bezug zur Basis verloren" Klarer Fokus des Buches liegt auf dem Antisemitismus, gefolgt vom allgemeinen Rassismus. Es wird der "Wettbewerb des Leidens" behandelt - Shoah vs. Kolonialismus. Diesen Gedanken weiter spinnend, bietet uns Frau Tuil Issa, einen radikalen Vertreter des Antisemitismus, der sich für Rassentrennung ausspricht, gegen die Verwestlichung eintritt und mit dem IS sympathisiert. Weitere Themen sind sozialer Determinismus, gesellschaftliche Fassaden die gewahrt werden, Hetzjagd der Medien, Identität und mit großen Anteilen Kriegstraumata und die Konfliktherde Afghanistan und Irak. Diese Tüte voll Themen haben mich das Buch auch beenden lassen. Das Buch zu lesen wär nämlich eine Qual. Die für mich stärkste Szene des Buches ereignete sich schon recht früh, in der Osman einen Kongress besucht und eine kritische Wortmeldung abgibt. Habe dadurch Verlan, die Spielsprache der Franzosen kennengelernt, in der Silben umgekehrt werden. Man nutzte dort das Wort Beurgeoisie ( Beur- Araber rückwärts gelesen). Osman war der Ansicht, dass dieser Euphemismus sie zurück ins Ghetto schicken würde, wo diese Sprache gesprochen werde und zitiert dann Camus. Vom Rest des Buches muss ich sagen, dass mich das sprachlich überhaupt nicht überzeugt hat. Frau Tuil gestaltet das gesamte Buch nur in Dialogen und spröden Nacherzählungen was passiert ist und wer was gedacht hat. Da werden keine Bilder aufgerufen, keine Szenischen Sequenzen, die für sich sprechen und nichts liegt tiefer vergraben. Alles wird klar ausgesprochen, ehr wegberichtet und endet häufig in Kalendersprüchen. Dazu kommen in kurzen Abständen viele Zeitsprünge. Es war mir unmöglich irgendeine Nähe zu den Figuren aufzubauen und ihre Entwicklung plausibel nachzufühlen. Ich ertappte mich ständig dabei wegzudriften. Die Themen werden durch diesen Stil auch nur oberflächlich gestreift. Bis zum Schluss kam keine tiefgreifende Erkenntnis auf, die ich nicht auch in einem Zeitungsartikel nachlesen kann. Tiefpunkt des Buches, die furchtbar schmonzettige, mir schleierhafte Liebesbeziehung mit Gruseldialogen, zwischen Marion und Romain. Bin nach der medialen Lobhudelei des Buches massiv enttäuscht.

