Ein leises Echo der Vergangenheit, das zwischen Poesie und Stillstand schwankt.
Nina Blazon beweist in diesem Werk erneut ihre Meisterschaft für einen poetischen, atmosphärisch dichten Schreibstil, der den Leser in eine Welt voller Nuancen entführt. Das Setting ist geprägt von einer melancholischen Schönheit, wobei die Autorin es versteht, die Umgebung fast wie einen eigenen Charakter mitfühlen zu lassen. Beim Lesen entsteht ein tiefes Gefühl der Sehnsucht, da die Sprache sehr bildhaft und emotional aufgeladen ist. Der Einstieg gelingt durch die feinsinnige Wortwahl mühelos, auch wenn das sehr ruhige, fast schon statische Tempo der Geschichte viel Geduld abverlangt und den Lesefluss bereits zu Beginn merklich entschleunigt. Die Charakterkritik offenbart eine tiefgreifende psychologische Auseinandersetzung mit den Protagonisten, deren Handeln tief in der eigenen Vergangenheit verwurzelt ist. Die Dynamik zwischen den Figuren ist gezeichnet von ungesagten Worten, wirkt jedoch phasenweise so festgefahren, dass die Authentizität unter der mangelnden Kommunikation leidet. Manche Figuren wirken in ihrer passiven Sturheit regelrecht anstrengend, was zwar ihre menschliche Gebrechlichkeit unterstreicht, die Identifikation aber erschwert. Die emotionale Verletzlichkeit wird ohne Kitsch beschrieben, doch die Entwicklung der Beziehungen tritt über weite Strecken auf der Stelle, was die psychologische Spannung leider etwas verwässert. Der Lesespaß ergibt sich primär aus der wunderschönen Sprache, wird jedoch durch massive Längen im Mittelteil getrübt, in denen die ständigen Reflexionen der Charaktere die eigentliche Handlung fast vollständig zum Erliegen bringen. Das emotionale Resümee bleibt dadurch zwiespältig, da die Geschichte zwar universelle Fragen nach Liebe und Verlust stellt, aber nicht immer die nötige erzählerische Kraft findet, um den Leser bis zum Ende emotional zu binden. Ich empfehle diesen Roman Lesern, die literarische Sprachkunst über einen rasanten Plot stellen und sich gerne von einer melancholischen Stimmung tragen lassen, ohne eine schnelle Auflösung zu erwarten. Wissenswertes Nina Blazon, die vor allem für ihre preisgekrönten Fantasy-Jugendbücher bekannt ist, zeigt mit „Liebten wir“ ihre Stärke im Bereich der zeitgenössischen Belletristik für Erwachsene. Der Roman thematisiert die Komplexität von Lebensentscheidungen und familiären Bindungen, wobei die Autorin geschickt verschiedene Zeitebenen miteinander verknüpft. Das Werk lässt sich dem Genre des psychologischen Beziehungsromans zuordnen und besticht durch die für Blazon typische Recherchegenauigkeit und sprachliche Eleganz.









