Kennt ihr das, wenn man sich durch die ersten Seiten eines Buches „quält“ und dann plötzlich eine Szene kommt, ab der man nicht mehr aufhören kann zu lesen? So ging es mir beim Kriminalroman „Waldmann - Flucht in den Tod“ von Thomas Ziebula. Die Erzählung um den Bonner Ermittler Johannes Waldmann, dessen Frau im Urlaub in Lagos/Nigeria spurlos verschwindet, ist mehr als eine bloße Kriminalgeschichte. Der Autor schafft es, eine komplexe Geschichte über Menschenhandel, Zwangsprostitution, Mafia-Strukturen und eben auch persönliche Tragödien in einer Weise zu erzählen, die sowohl intellektuell als auch emotional fordert. Darauf war ich nicht vorbereitet und genau das hat mich das Buch am Anfang immer wieder weglegen lassen. Bis zum 16. Kapitel war es schwer alle Geschichten zu durchschauen … viele Namen, Orte, parallele Handlungen. Auch fiel es mir schwer mich in Johannes Waldmann einzufühlen. Er ist so komplex und innerlich zerrissen. Er kämpft mit Schuldgefühlen und Erinnerungen. Mit der Journalistin Pia Luninger konnte ich mich hingegen schon eher verbinden. Sie ist entschlossen, mutig, emphatisch. Aber ich denke, genau hier lag auch die Intention von Thomas Ziebula. Die wechselnde Fokussierung zwischen den beiden Hauptcharakteren hat mir sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist klar, atmosphärisch und fesselnd. Die Dialoge sind lebendig und realistisch. Das führt dazu, dass die doch düstere und schwere Thematik, spannend und emotional aufwühlend erzählt wird. Ich bin gespannt, wie Waldmanns Reise weiter geht … aber bitte mit Pia. Wer tiefgründige Kriminalromane mit komplexen Charakteren und aktuellem weltpolitischen Kontext liebt, muss den „Waldmann“ einfach lesen.
1. MaiMay 1, 2026
Waldmannby Thomas ZiebulaUllstein Taschenbuch Verlag


