Neun Geschichten voller Einsamkeit
In "Museum der Einsamkeit" erzählt Ralf Rothmann neun verschiedene Geschichten über Menschen und ihre Einsamkeit. Der Erzählstil ist nuanciert und angenehm scharfzüngig. Zwar stimmen die verschiedenen Erzählungen melancholisch mit einem Fünkchen Hoffnung, arbeiten aber auch Eigenheiten von Figuren hervor, die nur schwer zu ertragen sind. Immer wieder legt "Museum der Einsamkeit" den Finger in die Wunde, etwas wenn es plötzlich um den Holocaust geht. Klares Highlight ist allerdings die Kurzgeschichte "Herr Dingens", welche einem Priester folgt, der seine todkranke Tochter besucht. Die bildhafte Sprache weiss hier mehr denn je zu begeistern, macht das Innenleben der Hauptfigur nahbar und das Geschehen emotional greifbar. "Museum der Einsamkeit" ist ein faszinierender Kurzgeschichtenband voller unterschiedlicher Themen, die vielleicht manchmal etwas zu forciert sind, allerdings allesamt stark behandelt werden. Über allem steht dabei die Einsamkeit als ständiger Begleiter.

