Ein 750-Seiten-Koloss, der sich wie eine faszinierende DDR-Doku liest – an dem ich mich am Ende aber leider ganz schön durchgequält habe.
Das Narrenschiff von Christoph Hein ist handwerklich absolut top und hat mich mit seiner klaren Sprache sofort gecatcht, mich dann aber emotional völlig auf der Strecke gelassen. Objektiv ein starkes, informatives Stück Zeitgeschichte, subjektiv war es mir jedoch zu trocken, weil mir die greifbare Bindung zu den Figuren fehlte. Dabei fing alles vielversprechend an: Die einfache Sprache und die historischen Einblicke – vom Parteiaufbau über Ulbrichts Absetzung bis zur deutschen Teilung – waren anfangs extrem spannend. Doch auf halber Strecke hat mich das Buch verloren, weil sich die Geschichte wie eine aufgeschriebene Dokumentation anfühlt. Die vielen Charaktere wirken nicht frei in ihren Entscheidungen, sondern werden spürbar in ein historisches Korsett gepresst und von den Ereignissen getrieben. Weniger Figuren, die sich beim Lesen einfach echter anfühlen und aus sich heraus handeln, anstatt nur passend für die Geschichtsstunde zurechtgebogen zu werden, hätten dem Buch und meiner emotionalen Bindung dazu extrem gutgetan. Fazit: Ein handwerklich starkes Buch, für das ich mir subjektiv weniger, aber dafür greifbarere Figuren gewünscht hätte – auch wenn es mich enorm neugierig gemacht hat, meine Wissenslücken zur DDR-Historie nun mit echten Sachbüchern zu füllen.



























