es menschelt sehr in diesem Buch - war spannend und leicht zu lesen, auch wenn die eine oder andere Geschichte ziemlich brutal war

scharfsinnig, punktgenau, gesellschaftskritisch
In 11 Kurzgeschichten schaut Bužarovska hinter die Fassaden von Bilderbuchfamilien. Mutter, Vater, Kinder – der Vater mal besser, mal schlechter verdienend, stellt was dar oder glaubt was darzustellen und die Frauen: nicht. Leben vom Geld, manchmal der Gunst und fast immer durch die Augen des Mannes. Durch diesen Blick ihrer Ehemänner erleben sich die elf Protagonistinnen in ihrem eng geschnittenen Korsett der konventionellen Beziehungsmuster. Und dieses bringt sie an ihre Grenzen. Und dann begehren sie auf, brechen auf, sind missmutig, gehässig, verzweifelt. Und das Buch rechnet ab. Ganz unverblümt zeigt es den Auftrag des Patriarchats an eine Frau daheim. Ohne Beautyfilter erzählt es, was es bedeutet in einer Rolle gefangen zu sein. Einer Rolle, der aber auch die Männer aufsitzen. Die Autorin geht überdies mit dem eigenen Geschlecht hart ins Gericht und zeigt, wie auch wir sein können: unsolidarisch, paternalistisch, besserwisserisch und feig. Aber was passiert, wenn eine Frau es nicht mehr aushält? Wenn sie nicht gehen kann, ihr aber die Möglichkeiten ausgehen, zu agieren? Bužarovska zeigt hier auf die Spitze getriebene Extreme, die, wenn man genauer hinsieht, gar nicht so extrem sind. Sie macht sich lustig, sie ist rücksichtlos und meint es ernst. Elf großartige Geschichten, die durch Mark und Bein gehen. Leseempfehlung!

