Wenn verlorene Seelen aufeinandertreffen
Jon Fosse schreibt, so erfährt man in der diesem Buch hintangestellten Sammlung von Selbstzeugnissen, "aus der Perspektive der Verlorenen". Er ergänzt: "Aber wer ist nicht verloren?" Das hohe Identifikationspotential, das seine stets namenlosen Figuren bieten, scheint diese universalistische rhetorische Frage zu bestätigen. Fosse behandelt in seinen Stücken die großen Themen der Menschheit wie Liebe, Tod, Verlangen oder Familie und besticht dabei in erster Linie durch die Darstellung der Dynamiken zwischen den Sprechenden. Ihm gelingt es, oft nur mit einem "Ja" oder einer subtilen, in der Regieanweisung festgehaltenen Bewegung, zwischenmenschliche Atmosphären zu erschaffen, die einen schaudern lassen – auch und gerade, weil wir sie nur allzu gut kennen.
