Ich habe ja schon oft gehört wie gut dieses Buch sein soll. Aber ich hätte nie gedacht, dass es so gut wird.
Wow, was für ein Buch. Wieder einmal hat mich McCarthy völlig in seine Welt und seine Sprache hineingezogen, mich festgebunden und nicht mehr losgelassen. Und nein, man muss kein Pferdenarr sein, um dieses Buch zu lesen. Auch wird ein Pferdefreund nicht automatisch Freude an diesem Werk haben. Die gesamte Ausstrahlung des Buches passt in die Welt, in der es spielt. In die trockene Welt von Texas und Mexiko, in die Wüste und das Ödland. Hier spielt einem das Leben manchmal übel mit und nicht umsonst erinnert unser Held ein wenig an einen modernen Michael Kohlhaas.

„Sie erreichten die Hochprärie, wo sie im Schrittempo weiterzogen; aus der Schwärze ringsum schwärmten die Sterne. Irgendwo in der leeren Nacht hörten sie kurz eine Glocke läuten, irgendwo, wo es gar keine Glocke gab; sie zogen über die runde Estrade der Erde, ein einziges lichtloses Dunkel, es trug sie und hob sie zum Himmel empor, sie ritten nicht unter, sondern mitten im Sternenschwarm, sie ritten unbeschwert und wachsam zugleich, wie eben erst freigelassene Diebe in der irisierenden Dunkelheit, wie junge Diebe in einem leuchtenden Obstgarten, mit leichten Jacken bekleidet gegen die Kälte und zehntausend Welten zur Auswahl.“ Es mag vielleicht nicht so sehr offensichtlich sein, aber ich habe eine Schwäche für Western. Egal ob Film oder Buch, Geschichten über Farmer, Cowboys oder Bandidos kriegen mich eigentlich immer und triggern mein absolut romantisiertes Bild des Wilden Westens. So hat es auch McCarthy wieder einmal geschafft, mich vollends gefangen zu nehmen. Die Handlung entwickelt sich rund um Grady und Rawlins, zwei jugendliche Ausreißer, die sich auf den Weg nach Mexiko machen, um sich dort ein Leben aufzubauen. Unterwegs treffen sie einen weiteren Jungen, der ihnen nicht so ganz geheuer ist und im weiteren Verlauf der Geschichte wird klar, dass aus dieser zufälligen Begegnung noch die ein oder andere Schwierigkeit erwachsen wird. McCarthy beschreibt in seiner üblich nüchternen Art die Reise der beiden Jungen und was ihnen unterwegs widerfährt. Einen großen Teil der Handlung nehmen hier auch, wie der Titel bereits vermuten lässt, die Pferde ein. Trotz eines nicht ausufernd emotionalen Stils wird absolut deutlich, dass das Leben der beiden kein leichtes ist und mehrfach habe ich mit Grady und Rawlins gefühlt und gelitten. Besonders mochte ich das atmosphärische Setting und wie McCarthy es schafft, durch seine Beschreibungen ein stimmiges und mitreißendes Bild zu zeichnen. Darüberhinaus versteht er es, die inneren Abgründe der Menschen aufzuzeigen und ursprüngliches, brutales Verhalten als Konsequenz der eigenen Erfahrungen entstehen zu lassen. Nichtsdestotrotz empfand ich dieses Buch, im Gegensatz zu manch anderen seiner Werke, als eher zahm. Ich habe die Geschichte wirklich gerne gelesen und überlege seitdem wieder, wie ich es schaffen kann, meine romantischen Vorstellungen der eigenen Ranch in der Prärie Wirklichkeit werden zu lassen.
Wow! Anfangs war ich nicht sicher, ob ich das Buch durchhalten würde. Fand es etwas langweilig, bis nie klarwurde, dass sehr viel passiert und nur die Sprache einem durch ihre Unaufgeregtheit den Eindruck vermittelt, es passiere nicht viel. Hab es nur in der deutschen Übersetzung gelesen, werde aber definitiv die Lektüre im Original beizeiten nachholen. Tolles Buch, auch wenn man vielleicht anfangs glaubt, mit den Themen nicht soviel anfangen zu können. Bin gespannt auf die weiteren Teile.



