15. Apr.
Rating:5

Essays, die Mut machen, die Zukunft mitzugestalten

In 20 Essays reflektiert Rebecca Solnit über verschiedene gesellschaftliche Themen: Klimawandel und Gerechtigkeit, autoritäre Tendenzen, Feminismus und die Erkenntnis, dass Kooperation in der (menschlichen) Natur liegt. Im Mittelpunkt steht die hoffnungsvolle Erzählung, dass die Zukunft nicht feststeht, sondern von uns allen in der Gegenwart gestaltet wird. Rebecca Solnit findet im Gedächtnis bleibende, fast poetische Bilder, die uns einen längerfristigen und größeren Blickwinkel ermöglichen, um zu erkennen, dass gesellschaftliche Entwicklung keine zwangsläufige, lineare ist. Der Originaltitel „No Straight Road Takes You There“ ist hier noch treffender. Ein motivierendes, Mut machendes Buch, ein Aufruf, uns zu organisieren und gemeinsam an einer neuen Erzählung zu arbeiten.

Umwege
Umwegeby Rebecca SolnitRowohlt
2. Juli
Rating:4

Solnit ist immer gut

Ich lese Rebecca Solnit einfach gern. Allein wenn man ihren Gedanken nur folgt, kommt man sich schon etwas klüger vor. Und immer gibt es so Aha-Momente, Zusammenhänge, die man so noch nicht gesehen hat. Solnit ist Spezialistin für den amerikanischen Herzschlag, die Stimmung, politische Trends … doch hierzulande ist vieles ähnlich oder kommt vielleicht bald auf uns zu.

Umwege
Umwegeby Rebecca SolnitRowohlt
20. Juni
Mit Solnit durchs Gedankenlabyrinth – und zurück
Rating:4

Mit Solnit durchs Gedankenlabyrinth – und zurück

Ich habe das Buch nicht gelesen, ich habe es durchwandert. Mal Schritt für Schritt, mal querfeldein, mal mit Stirnrunzeln, mal mit Grinsen bis hinter die Ohren. Rebecca Solnit schreibt nicht linear – sie mäandert, sie kurvt, sie tanzt mit den Gedanken wie eine Katze auf heißen Dächern, bloß philosophischer. Und ganz ehrlich: Das macht verdammt viel Spaß. Meistens. In einem Kapitel geht’s um eine Geige, und ehe man sich versieht, landet man im Wald und denkt über das Klima nach. Dann plötzlich: Tanten. Ja, Tanten! Als stille Heldinnen des Alltags. Ich war kurz davor, meiner eigenen Tante eine Dankeskarte zu schreiben. Und dann zack, wird einem ein Vortrag über Milliardäre reingeworfen, so elegant wie eine Ohrfeige mit Samthandschuh. Applaus! Solnit kann einem echt das Gefühl geben, man sei klüger geworden, einfach nur, weil man ihren Gedankenspagat mitvollzogen hat. Aber manchmal, ganz ehrlich, wäre weniger auch mehr gewesen. Ich bin ein Freund der großen Themen, aber manchmal wollte ich sie schütteln und rufen: „Rebecca, bitte, ein klitzekleines bisschen mehr Struktur!“ Trotzdem: Ihr Blick auf die Welt ist erfrischend schräg, hellwach und oft genau das Gegengift, das man braucht, wenn man zu viel Tagesschau geschaut hat. Ich hab gelacht, gestaunt, genickt, gelegentlich den Faden verloren, ihn aber meist wiedergefunden. Irgendwo zwischen Hoffnung, Wut und einem leisen "Vielleicht geht da noch was". Fazit: Kein Buch für den schnellen Happen zwischendurch, eher ein Spaziergang mit Umwegen – aber einer, der sich lohnt. Vier Sterne und ein imaginärer High-Five für diesen wilden Ritt durch die Welt der klugen Gedanken.

Umwege
Umwegeby Rebecca SolnitRowohlt