
Science Fiction, wie ich sie liebe!🪐
Wer von uns Menschen erzählt, erzählt unweigerlich auch von unserem Heimatplaneten. Von dieser wunderschönen blauen Erde, die unser Leben überhaupt erst möglich gemacht hat. Einem Ort, der uns geprägt hat, den wir geformt haben und dessen Wert wir oft erst erkennen, wenn wir ihn verlieren. Doch wie würde eine Menschheit aussehen, die keinen Heimatplaneten mehr besitzt? Für die die Erde nur noch eine ferne Erinnerung ist, eine Legende aus längst vergangenen Generationen? Genau dieses Schicksal erwartet die Menschheit in Robert Corvus' »Feuer der Leere«. Die Erde wurde von den Giftatmern, den Giats, vernichtet. Die letzten Überlebenden ziehen in gewaltigen Raumschiffen durch die Galaxis und sind ständig auf der Flucht, immer auf der Suche nach den Ressourcen, die ihr Überleben sichern. Dabei gleicht keines dieser Schiffe dem anderen. Durch die enormen Entfernungen und die schwierige Logistik gibt es kaum noch direkten »echten« Kontakt zwischen den einzelnen Menschengruppen. Über Generationen hinweg entwickeln sich die Besatzungen auf faszinierend unterschiedliche Weise kulturell, gesellschaftlich und sogar in ihrem Verständnis davon, was Menschsein überhaupt bedeutet. Als die Raumpilotin Rila während eines Gefechts mit den Giats in Lebensgefahr gerät, wird sie an Bord der SQUID aufgenommen. Ein Schiff, das sie nie zuvor betreten hat. Schon bald wird ihr klar, dass die Bezeichnung »Raumschiff« eigentlich nicht zutrifft. Denn die SQUID lebt… Robert Corvus gelingt hier etwas, das nur wenigen Science-Fiction-Autoren gelingt: Er stößt Türen zu tiefgründigen philosophischen Fragen auf, ohne dabei jemals die Spannung aus den Augen zu verlieren oder kitschig zu werden. »Feuer der Leere« regt dazu an, über Heimat, Identität, Bewusstsein und unseren Platz im Universum nachzudenken, über die Grenzen menschlicher Erkenntnis, und darüber, dass manche Gedankenpfade vielleicht zu groß sind, als dass unser Verstand ihnen bis zum Ende folgen könnte. Eine kleine Warnung möchte ich dennoch aussprechen: Der Roman startet mit einer Vielzahl technischer Begriffe und Erklärungen. Alles ist schlüssig, logisch und sorgfältig durchdacht, kann aber zu Beginn etwas fordernd wirken. Mein Rat: Bleibt unbedingt dran! Der Techno-Talk tritt im weiteren Verlauf deutlich in den Hintergrund, und diese Geschichte verdient es unbedingt, bis zur letzten Seite gelesen zu werden. Für mich steht jedenfalls als Nächstes »Das IMAGO-Projekt« an, ebenfalls von Robert Corvus. Der Roman spielt im selben Universum, und nach »Feuer der Leere« kann ich es kaum erwarten, dorthin zurückzukehren. Adnan Turan


