Intelligente Ansichten über älter werden und Körperkult
Es ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt zu dem Remington Alabaster das Marathonlaufen für sich entdecken konnte. Denn seine Frau Serenata muss ihr sportlich aktives Leben wegen kaputter Knie aufgeben. Für die langjährige Ehe der beiden wird das zur Belastungsprobe … Auch dieser Shriver enttäuscht wieder mal nicht und bietet alles, was man von der Autorin gewohnt ist: geschliffene Dialoge, die vor allem den intellektuellen Schlagabtausch des Paares zum Vergnügen machen; ein schonungsloser und entlarvender Blick auf die (amerikanische) Gesellschaft; eine intelligente Auseinandersetzung von Rollenklischees und Beziehungen zwischen Mann und Frau. Die Ehe (und ihre Dynamik) von Serenata und Remington wird wahrscheinlich für jüngere Leserinnen noch nicht so viel bedeutungsvolles transportieren, wessen Paarbeziehung allerdings ebenfalls schon zwei Jahrzehnte oder mehr hinter sich hat, wird wieder einmal sehr viel Nachdenkenswertes in diesem Roman vorfinden, verpackt in den teils sarkastisch-humorvollen Stil der Autorin. Allerdings muss ich sagen, dass mir in diesem Buch, im Vergleich zum Beispiel zu dem großartigen ‚Liebespaarungen‘, ein wenig die Handlung fehlt. Wir bewegen uns nur in dem Spannungsfeld von Remingtons Vorbereitung auf den Marathon bzw. danach den Triathlon und das hat mich als Thematik nicht wirklich gecatcht. Ich habe damit so absolut gar nichts am Hut und auch das ganze Feld der Körperoptimierung lässt mich sowas von kalt (ich bin da ganz bei Deacon 😅), dass mir da wirklich die Verbindung fehlte. Zwar war die Gegenüberstellung des Fitnesswahns Remingtons zum religiösen Wahn seiner Tochter richtig gut gemacht, aber es hat mich nicht durch das ganze Buch getragen. Wer da mehr in der Materie drin ist (vielleicht sogar kritisch), wird da aber bestimmt viel herausziehen, ebenso wie Fans der Autorin. Ansonsten gibt es deutlich empfehlenswertere Bücher von ihr.

