„Ich bin besessen von meiner Rückkehr, schiebe sie auf, endlos, immer weiter. Aus Angst, verscharrte Wahrheiten wiederzu
Dieses Semester sollten wir zusätzlich zu unseren normalen Vorlesungen ein fachfremdes Wahlfach belegen, und ich habe mich dabei für ein literaturwissenschaftliches Fach entschieden. Das Thema ist dabei „Afrikanische Literatur“, bei dem wir uns Bücher anschauen, die in französischen Kolonien in Afrika spielen. Dieses Buch war das erste von zwei weiteren und hat meine Erwartungen direkt bei Weitem übertroffen. Gaël Faye schreibt hier teilweise autobiografisch über seine Kindheit in seinem Heimatland Burundi. Er beschreibt, wie er dort den Genozid traumatisch miterlebt hat und wie es ihn später, als er schon lange im Exil in Frankreich lebt, trotzdem wieder zurück in seine Heimat zieht. Dieses Buch ist sein Debütroman und hat direkt mehrere Preise gewonnen, unter anderem den „Prix Goncourt des lycéens“, einen Literaturpreis, den französische Oberstufenschüler verleihen. Man versteht auf jeden Fall sofort, warum das Buch diese Auszeichnung erhalten hat und warum es sich besonders für jugendliche Leser eignet. Ich kann mich der Meinung der Schüler nur anschließen, denn sie mochten es vor allem deshalb, weil es sprachlich leicht zugänglich ist, aber an vielen Stellen fast poetisch wirkt. Dadurch erscheint die Geschichte, die aus der Perspektive eines elfjährigen Jungen erzählt wird, umso realistischer, und es fällt leicht, sich in den Protagonisten hineinzuversetzen. Mir war es sehr wichtig, durch dieses Buch mehr über afrikanische Länder zu lernen, denn in diesem Bereich bin ich echt noch ziemlich uninformiert. In dieser Hinsicht wurde ich hier aber wirklich gut abgeholt. Man lernt viel über Geschichte, Politik und Kultur von Burundi, ohne dass es jemals trocken wirkt, da man das alles einfach nebenbei miterlebt. In meinem Kurs durfte ich das Buch am Ende unter der Fragestellung untersuchen: „Welche Rolle spielt Literatur im Leben des Protagonisten?“. Das hat mir unerwartet viel Spaß gemacht und ist vielleicht auch für andere Leser ein interessanter Ansatz. Besonders beeindruckt hat mich dabei dieses Zitat: „Dank der Bücher konnte ich die Grenzen der Sackgasse überwinden und wieder atmen, die Welt wurde weiter und reichte über die Zäune hinweg, hinter denen wir uns mit unseren Ängsten verkrochen.“ Ich finde, diese Passage passt auch perfekt auf uns als Leser, denn auch wir überwinden hier Grenzen und erleben eine Geschichte hautnah mit, die uns im echten Leben (glücklicherweise) verwehrt bleibt. Mir hat das Buch wirklich sehr gut gefallen. Ich habe lange über meine Bewertung nachgedacht, aber ich finde einfach nichts, was mir negativ aufgefallen ist oder was ich verbessern würde. Das Einzige, was man mitbringen sollte, ist ein grundlegendes Interesse an der Thematik und die Offenheit, mehr über das kleine afrikanische Land Burundi zu lernen. Mit etwas mehr als 200 Seiten ist das Buch zudem schnell gelesen und man erlebt eine eindrucksvolle und bewegende Geschichte, die noch lange nachwirkt.









