
Leben heißt leiden: einfühlsamer Familienroman über Trauma und Liebe.
David Safier schreibt mit viel Einfühlungsvermögen und Sensibilität über die eigene Familiengeschichte. Von seinem Vater Joshi, der im Gegensatz zu den meisten seiner Angehörigen, den Holocaust überlebte und seiner Mutter Waltraud, die als Kriegskind im Bombenhagel und in Armut aufwuchs. In den Schilderungen beider Lebensgeschichte und schlussendlich der gemeinsamen Liebesgeschichte kommen Themen wie tragische, schmerzliche Verluste, Alkoholismus und Existenzängste zum Tragen. Waltraud erkannte schon früh: "Leben heißt leiden." Doch auch die sympathischen, humorvollen und starken Seiten der beiden Romanfiguren Joshi und Waltraud, mitsamt ihren Wünschen und Hoffnungen, finden ihren Platz im Herzen des Lesers. Da Safiers Eltern, wie die meisten Versehrten der Nachkriegszeit, ihren Schmerzen und Traumata mit Schweigen begegneten, handelt es sich bei dem Buch nicht um eine klassische Biografie, sondern um einen autofiktionalen Roman mit biografischen Elementen. Dieses ist möglicherweise ein Grund dafür, warum die Protagonisten zum Teil zwar emotional jedoch etwas flach beschrieben werden und der Gedanken- und Gefühlswelt mehr Tiefe gut getan hätte. Wer Leichtigkeit und Geschichten mit Happy End sucht, wird von dem Buch wohl eher enttäuscht sein. Wer authentischen Lebensgeschichten des 20. Jahrhunderts etwas abgewinnen kann, wird es schätzen. Mich hat dieses Buch insgesamt sehr gerührt. Safier schreibt am Ende des Romans, dass Menschen lebendig bleiben, so lange man sich an sie erinnert. Umso versöhnlicher erscheint der wunderschöne letzte Satz des Buches: „Ich denke an meine Eltern jeden Tag.“









































