Abgebrochen. Hat mich einfach nur gelangweilt
Ich frage mich, wie ich das Buch gelesen hätte, wenn der Buchtitel nicht so großkotzig und die Beschreibung des Verlags auf dem Rücken nicht so vollmundig gewesen wäre. Was es bedeute, heutzutage ein Mann zu sein. Welche vielfältigen Rollen ein Mann in der Gesellschaft einnehmen müsse. Na, da steigt doch die Erwartungshaltung jedes XY-Chromosomträgers, wenn er zum Roman greift. Wie läuft das also ab mit unserer Erziehung? Als Repräsentant des Geschlechts dient Georg, ein Musikwissenschaftler, Opernkomponist, Vater, Geschiedener, Sexfixierter, Patriarchensohn und Spielball der vielen, starken Frauen in seinem Lebens. Dies soll also Kumpfmüllers typischer Durchschnittsmann, der seine Lebensgeschichte im Rückblick erzählt. Sprachlich ist das ansprechend, dramaturgisch allerdings größtenteils langweilig und insgesamt wenig tiefgründig. Georg beschreibt zwar sein Handeln detailliert (z.B. ausufernd der Ablauf der Hochzeit), aber wenig reflektiert seine eigene Rolle, Ideale oder Werte. Er versteht eigentlich gar nicht so recht, warum sich die Frauen an seiner Seite so sexuell enthaltsam (Freundin Katrin), aufbrausend und aggressiv (Ehefrau Julika) oder zurückgesetzt (Sonja) fühlen und spricht diese Ahnungslosigkeit auch so aus. Was bleibt bei mir hängen? Der moderne Mann verzweifelt an den vielen Rollen, die man ihm überstülpen möchte. Im Patriarchat waren die Rollen wenigstens trennscharf. Der Mann will eigentlich alleine Leben und jegliche Formen der Erziehung engen ihn ein und lassen ihm seine Identität abhandenkommen. Im Grunde ist der moderne Mann ein Weichei und die Frauen sind diejenigen, die Tempo und Richtung vorgeben. Das fehlende Spüren der eigenen Bedürfnisse des blassen Ich-Erzählers fand ich extrem ermüdend. Wenn das ein Männerroman sein soll (so zumindest die Angabe des Verlags), dann verzichte ich in Zukunft gerne auf dieses Genre. Das Buch war auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2016. Ich empfinde es nicht als nominierungswürdig.

