Rating:5★
Noch bei der Geburt von der Nabelschnur erwürgt, gleich zweimal für tot erklärt und wundersamerweise ins Leben zurückgekehrt, hat Isenhart alles andere als einen guten Start ins Leben. Der Burgherr beschließt Gnade walten zu lassen und gibt ihn in die Obhut des Schmiedes, verspricht aber dem Retter des Kindes ihm die selbe Bildung zu teil werden zu lassen, wie seinem Sohn. Schon bald stellt Isenharts unstillbarer Wissensdurst seine Umwelt auf eine harte Geduldsprobe und auch seine Lehrer versetzt er in Erstaunen. Durch seine Güte und Loyalität erntet er nicht nur die Aufmerksamkeit und Freundschaft Konrad von Laurins, dem Sohn des Burgherrn, sondern auch die Liebe von dessen Schwester Anna. Als diese dann gewaltsam ermordet im Wald aufgefunden wird, beginnt die Suche nach einem Mörder, denn was bis dahin niemand ahnt, die war lediglich das Gesellenstück eines Seelensammlers, der weitere Morde begehen wird, im Namen der Wissenschaft. Isenhart und Konrad machen sich auf den Tot von Anna zu sühnen und verlassen auf ihrer Jagd schon bald die Grenzen des Abendlandes und der bis dahin geltenden Weltanschauung. Nichts ahnend wie eng all die Geschehnisse mit Isenharts Herkunft verknüpft sind.
Ein wahnsinnig toller historischer Roman, in den ein Kriminalfall eingewoben wurde. Detailreich schildert der Autor wie Isenhart durch seinen Wissensdurst mehr als einmal in Gefahr gerät, aber auch wie er sich mit Hilfe seines Verstands immer wieder aus brenzligen Situationen befreit. Erzählt wird die Geschichte von Freundschaft, Rache, Tot aber auch der Suche nach dem göttlichen Wirken. Ich habe jede Seite verschlungen. Kaum hatte ich das Buch geöffnet, nahm mich Isenhart mit in seine Zeit und ich war für Stunden im 13. Jahrhundert verschollen. Holger Karsten Schmidt versteht es die Ursprünge von Sprichworten durch lustige Anekdoten einzuflechten, so das der Leser beim Streifzug durch die Welt Isenharts noch eine Menge dazu lernt, sozusagen im Vorbeigehen. Die Fülle an Details die den Leser erwarten, werden nicht ein einziges mal monoton oder langweilig, vielmehr befindet man sich plötzlich ohne zu ahnen in einem philosophischen Gedankenaustausch, bei dem man beginnt seine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen und sie auf Gültigkeit zu überprüfen. Mich hat Isenhart mit seinem Hunger nach Wissen beeindruckt und ich möchte dem Autor für die tollen Lesestunden und die Unterweisungen danken, sowie für den liebevoll gezeichneten Charakter Gwegs, er war mir von allen der Liebste. Ich hoffe bald wieder eins von Herrn Schmidts Büchern in der Hand zu halten und vielleicht auch darin zu erfahren, wie es Hennrick mit seinen Hühnern erging oder dem befreiten Moslem.
Isenhartby Holger Karsten SchmidtKiepenheuer & Witsch