„Eigentlich absurd, wie oft sie in ihrem Job gestresst ist. Sie wartet keine Atomreaktoren, sie ist nicht für das Wohlergehen von ein paar Dutzend Kindern verantwortlich, sie muss noch nicht mal dafür sorgen, dass der Müll pünktlich abgeholt wird. Ihr einziger Job ist es, Unterhaltung für Menschen zu produzieren, die gerne ein Video im Hintergrund laufen lassen, während sie am Handy scrollen. Peinlich, wer sich davon stressen lässt. Peinlich, wer diesen Job ernst nimmt. Und auch irgendwie peinlich, wer ernsthaft Fan von irgendwem hier ist.“ Eine gelungene Parodie auf die Medien der aktuellen Zeit, bei der die „typischen“ Probleme unserer Gesellschaft angesprochen werden. Leider entwickeln sich die Figuren-Typen im Laufe der Geschichte nicht unbedingt weiter, was den schnellen und gut zu lesenden Schreibstil gelegentlich etwas in die Länge zieht.
Böse, böse, böse...
Man kann ja über Sebastian Hotz denken, was man will, aber sein neuer Roman hat mich absolut gefesselt und umgehauen. Er ist eine bitterböse, satirische überspitzte Persiflage über die deutsche Fernsehlandschaft mit einer abgrundtiefen Story voller skurriler Typen und Wendungen- alles für die Quote, für Klicks und Likes. Falk Anders ist eine Showmaster-Legende, eine Mischung aus Gottschalk, Raub und Schmidt, ein Ekelpaket de luxe. Sein leicht trotteliger Side-Kick Lukas "Boris" Schobert dagegen könnte Elton ebenso wie Manuel Andrack sein. Beide nerven den Leser kolossal: Falk Anders, weil er einfach nur eine fiese, überhebliche Type ist, Boris, weil man mal Mitleid, mal leise Verachtung für ihn fühlt. Das Ende des sich zum Roadmovie entwickelnden Romans hat mich kalt erwischt und doch ziemlich betroffen gemacht. Sebastian Hotz schreibt mit gnadenloser Ironie des Todes, haut den Medien und ihren Vertretern seine Pointen nur so um die Ohren, zielt und trifft mit seinen Monologen und Dialogen haargenau ins Schwarze. Mir hat sein Stil extrem gut gefallen.


