
Zwischen Weltkrieg und Idylle
Kerstin Holzers „Thomas Mann macht Ferien: Ein Sommer am See“ lässt Sommergefühle aufkommen. Luftig und leicht nimmt die Autorin die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise zurück in den Sommer 1918. Der Tegernsee und die Berge – das ist eine wundervoll entrückte Kulisse, der die Autorin viel Raum gibt. Es wäre die perfekte Idylle, wäre da nicht der noch andauernde Weltkrieg, den Deutschland bereits so gut wie verloren hat, und die dadurch unsichere Zukunft. Und nicht nur dem Deutschen Kaiserreich steht ein harter Umbruch bevor, auch Thomas Mann, der sich mit seiner Familie für drei Monate nach Bayern in den Urlaub begeben hat, spürt, dass sein Leben auf einen Schlüsselmoment zusteuert. Gerade hat er die „Betrachtungen eines Unpolitischen“ abgeschlossen – ein wütendes, polemisches Werk voller rückwärtsgewandter politischer Verzerrung. Er befindet sich an einem Tiefpunkt und rätselt nun, wie er sich als kaisertreuer Konservativer zur entstehenden Demokratie positionieren soll. Von dieser Verunsicherung getrieben, verbringt er am Tegernsee viel Zeit mit seinen Kindern, seiner Ehefrau Katia und dem Familienhund Bauschan. Diese Perspektive auf den Urlauber und das Familienoberhaupt Thomas Mann, der mit seiner Ehefrau abends im Ruderboot über den See fährt oder in Sorge um die Gesundheit des erkrankten Hundes kilometerweit zum Tierarzt fährt, macht die Stärke des Romans aus. Kerstin Holzer richtet den Fokus auf eine eher unbekannte Seite Thomas Manns und umschifft so geschickt das ein oder andere altbekannte Thomas-Mann-Klischee. So ist ihr „Sommer am See“ trotz der durch Weltkrieg und schriftstellerische Sinnkrise eher bedrückenden Thematik eine amüsante und leichtfüßige Lektüre geworden, die womöglich auch eingefleischten Kennern die ein oder andere unbekannte Perspektive auf die Familie Mann aufzeigt.





























