8. Apr.
Ein literarisches Abenteuer, das zum Nachdenken anregt
Rating:4

Ein literarisches Abenteuer, das zum Nachdenken anregt

„Die Bibliothek der verlorenen Geschichten“ – wer auf literarische Abenteuer, die die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen lassen, steht, wird hier fündig. Timpamara, ein kleines, italienisches Dorf, könnte direkt aus einem Roman gefallen sein – und es gibt wohl keinen besseren Ort für Astolfo Malinverno, Bibliothekar und neuerdings auch Friedhofswärter, um sich in seine eigentümliche Geschichte zu verstricken. Astolfo lebt für Bücher – und dann trifft er auf ein Foto einer schönen Frau auf einem Grabstein. Und was macht er? Natürlich: Er verliebt sich in sie. Wer braucht schon reale Menschen, wenn man eine literarische Traumfrau haben kann? Aber Moment, dann taucht tatsächlich Ofelia auf, die seine ideale Frau wie aus einem Buch zu sein scheint. Irgendwie ist das alles zu viel für einen einfachen Bibliothekar. Doch die Geschichte wird noch verrückter, als ein Tontechniker auftaucht, der angeblich die Stimmen von Verstorbenen aufnimmt. Und plötzlich stehe ich als Leser da und frage mich, ob die Bücher wirklich tot sind oder ob sie uns noch flüstern, wenn wir nur genau zuhören. Domenico Dara bringt uns mit einem Augenzwinkern in die Magie der Literatur – und das Ganze ist nicht nur spannend, sondern auch unheimlich charmant und ein bisschen verrückt. Der Stil des Buches ist eine Mischung aus sanfter Melancholie und schrägem Humor, und die Übersetzung von Anja Mehrmann bringt die Atmosphäre perfekt rüber. Es ist ein Buch für die, die gerne den Kopf in den Wolken haben und die Verbindung zwischen Literatur und Leben nicht nur als Traum, sondern als lebendige Realität verstehen. Eine klare Leseempfehlung für alle, die mehr als nur eine Geschichte suchen – hier findet man eine Reise in die tiefsten Ecken der Fantasie.

Malinverno oder Die Bibliothek der verlorenen Geschichten
Malinverno oder Die Bibliothek der verlorenen Geschichtenby Domenico DaraKiepenheuer & Witsch
13. Juli
Rating:4

Wortgewaltig und detailreich

Eine schöne Geschichte über Leben und Tod, über Bücher und Dorfgeschichten. Die vielen Hinweise auf andere Bücher und Begebenheiten lassen die eigentliche Geschichte zur Nebensache werden. In einem süditalienischen Dorf verarbeitet eine Papierfabrik nicht mehr benötigte Bücher. Die Bewohner retten manchmal ein Buch vor der Zerstörung. Der Hüter dieses Schatzes ist der Bibliothekar Astolfo Malinverno. Sein Leben erfährt eine grundlegende Wende als er zum Friedhofswärter ernannt wird, zum Hüter der Toten. Eine namenlose Frau fasziniert ihn wegen ihrer Schönheit. Er gibt ihr den Namen einer Romanfigur und seine zwei Welten verschmelzen zunehmend. Die Lektüre braucht Zeit, Verschnaufpausen. Domenico Dara beherrscht die detailreiche, umschweifende Erzählkunst der süditalienischen Literatur.

Malinverno oder Die Bibliothek der verlorenen Geschichten
Malinverno oder Die Bibliothek der verlorenen Geschichtenby Domenico DaraKiepenheuer & Witsch
20. Nov.
Poetisch, ruhig und melancholisch.
Rating:4

Poetisch, ruhig und melancholisch.

"Jeder von uns trägt die Geschichte der gesamten Menschheit in Miniaturform in sich." Welch wunderschönes, poetisches Buch! Domenico Dara versteht es mit Worten umzugehen und schafft so mit seinem Roman "Malinverno oder Die Bibliothek der verlorenen Geschichten" ein zauberhaftes Buch, das eine Ode an die alten Literaturklassiker ist. (Übersetzt aus dem Italienischen von Anja Mehrmann.) "Ne cherchez plus mon cœur; les bêtes l'ont mangé." "Malinverno" ist die Geschichte des literarischen Örtchens Timpamara, in der die erste Papierfabrik Kalabriens entstand. Es ist auch die Geschichte von Astolfo Malinverno, dem ruhigen Bibliothekar des Örtchens und wie er zudem noch zum Friedhofswärter von Timpamara wurde. Und es ist die Geschichte zweier einsamer Seelen, die sich auf dem Friedhof begegnen - eine Geschichte über das Leben und den Tod. Daras Roman ist eine in sich stimmige, ruhige, leicht melancholische Geschichte, die einige Anspielungen auf literarische Klassiker bereithält, die die Gedanken seiner Leser schweifen lässt und deutlich macht, dass das Leben zum Leben da ist und wir nur in uns hineinzuhören brauchen, um zu wissen, was unsere Seele will und braucht. Und Daras Protagonist Astolfo Malinverno ist dabei ein so liebenswerter und fürsorglicher Charakter, dem meine volle Sympathie gehört. Er hat ein Ohr für seine Mitmenschen und deren Bedürfnisse, ist dabei stets zurückhaltend und jedem ein guter Freund. Und auch der fiktive Ort Timpamara und seine Geschichte könnte genauso existieren. "Malinverno" ist schon ein besonderes und besonnenes Buch, das mir ein paar wundervolle Lesestunden beschert hat, wenn auch manchmal mit Ansätzen von Pipi in den Augen. Und Fans klassischer Literatur werden hier sicher schmunzelnd auf ihre Kosten kommen. "Für jeden Roman, den man liest, gibt es einen anderen, den man außer Acht lässt, der vielleicht in Vergessenheit gerät und nie mehr gelesen wird, weil die Wahl in jenem Augenblick nicht auf ihn fiel. Und vielleicht war genau dieser Roman das Buch unseres Lebens."

Malinverno oder Die Bibliothek der verlorenen Geschichten
Malinverno oder Die Bibliothek der verlorenen Geschichtenby Domenico DaraKiepenheuer & Witsch