16. März
Rating:3

Joa, kann man mal lesen, muss man aber nicht

Ist ganz unterhaltsam und berichtet vor allem über Else und die wohl beste Zeit (Mitte ihres Lebens), sowie das Ende ihres Lebens. Stilistisch okay, aber keine Offenbarung. Und auch inhaltlich naja, ohne großen handlungsstrang und ein Buch wie viele. Leider deshalb nur 3 Sterne von mir, man hat es schnell durch und es ist nicht langweilig oder streckt sich irgendwo zu lange, aber leider ists auch nicht wirklich besonderes. Kann es empfehlen für alle, die gerne mal Bücher über starke Frauen, unabhängige Taxifahrerinnen und Generationenunterschiede (tolle Enkelin-oma Beziehungen) lesen wollen, und nach leichter Literatur suchen.

Else
Elseby Jasna Fritzi BauerKiepenheuer & Witsch
7. Feb.
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Rating:3

Else lebt mit ihrem Mann Willy und den Töchtern Antje und Susanne ein ganz normales Familienleben in Frankfurt. Willy arbeitet, Else kümmert sich um die Tochter, den Hauhalt und hält nebenbei noch die ganze Familie zusammen. Als Else eine Anzeige in der Zeitung entdeckt, fasst sie kurzerhand den Entschluss, den Taxischein zu machen. Sie tut das heimlich und außer ihrer besten Freundin Marta weiß niemand, das Else jahrelang heimlich Taxi fährt. Der Roman teilt sich in zwei Handlungsstränge auf. Der eine zeigt die Vergangenheit: Die Dynamiken des Familienlebens, Elses unaufgeregte Emanzipation und wie sie sich durch ihr Geheimnis einen eigenen Raum schafft und sich ein Stück Freiheit erkämpft. Else wird die erste Taxifahrerin in Hessen, fährt mutig durch Frankfurts Nachtleben und will dafür nicht die geringste Form von Anerkennung. Auch Elses Kindheit und die Deportation aus dem Sudetenland wird hier thematisiert- und wie man sich nach all den Jahren immer noch ein wenig fremd fühlen kann. Der zweite Handlungsstrang zeigt die Gegenwart und beschreibt wie Else mit ihrer 18-jährigen Enkelin Emma an die Côte d‘Azur fährt und eine unvergessliche Reise erlebt. Wenn ich ehrlich bin habe ich ein paar Seiten gebraucht um in die Geschichte rein zu kommen. Vor allem das ersten Drittel des Buches war mir ein bisschen zu oberflächlich. Irgendwann kam ich aber an den Punkt, an dem mich die Geschichte mitgenommen und sehr berührt hat. Am Ende konnte ich nicht anders als ein paar Tränen zu verdrücken.

Else
Elseby Jasna Fritzi BauerKiepenheuer & Witsch
9. Nov.
Rating:3

Emanzipation light ? "Nette" :) Geschichte für zwischendurch

Aufgrund der Tatsache, dass das Buch von zwei jungen Frauen aus dem Künstler- Schauspielmileu geschrieben wurde, habe ich ein "frischeres und frecheres" Buch erwartet. Damit möchte ich in keinster Weise den emanzipatorischen Sieg der Protagonistin Else klein reden, die als 1. Frau in Hessen ihren Taxischein in den 60er Jahren machte - einer Zeit, in der es quasi unmöglich für eine Frau war, berufstätig zu sein... Das Buch swicht zwischen Alltagsgeschichten aus den 60ern ( enorm gestört hat mich, dass Else permanent als "Elschen" betitelt wurde, auch wenn diese "Verniedlichungen" zu jener möglicherweise üblich waren) und einer Reisebeschreibung an die Côte d'Azur im Jahr 2010, als Else, über achtzigjährig mit ihrer Enkelin verreist. Spätestens während der Reise beginnt der autofiktionale Roman etwas oberflächlich/seicht zu werden. Die Konversation zwischen Enkelin und Großmutter wirkt oft steif und aufgesetzt. Es geschehen zu viele glückliche Zufälle...so trifft Else auf einer Damentoilette in Cannes ganz unvermittelt auf Isabelle Huppert , wird von einen Eisdielenesitzer in Monaco zum einem exklusiven Formel 1 Event eingeladen ....verkuppelt ihre 18jährige Enkelin mit einer französischen Kellnerin... Auch in der Vergangenheit geschehen unglaubwürdige Dinge, z.B. die Befreiung von Elses Freundin Marta aus der Psychiatrie - sie spazieren ungehindert aus der geschlossenen Abteilung in die Freiheit. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass Elses Mann Willi über Jahre nicht gemerkt haben soll, dass Else (heimlich) Taxi fährt. "Else" ist für mich der erste Roman, der multimediale Inhalte über QR Codes anbietet. Kleine Einspieler wie kurze Filmsequenzen, mit Musik untermalt sowie zeitgenöschisches Hintergrundwissen ( das Kurzvideo von YSL in dem er seinen "Smoking" für Frauen präsentiert hat mir gefallen !) sind ein nettes '"Schmankerl", das es nicht unbedingt gebraucht hätte - die eigene Phantasie reicht i.d.R. aus :) Aber das ist, wie so vieles, Geschmackssache. Das Ende ist traurig und ein wenig vorhersehbar. Mich hat das Buch ein wenig an "Eine Frage der Chemie" erinnert, das ich ebenfalls ganz gut ,aber doch auch etwas oberflächlich fand.

Else
Elseby Jasna Fritzi BauerKiepenheuer & Witsch
3. Okt.
Rating:4

Else, verheiratet mit Willi, 2 reizende Töchter, leben das normale Familienleben in den 60iger Jahre. Else versucht alles richtig zu machen, die Töchter gut zu erziehen, immer pünktlich das Essen auf den Tisch bringen, sauberer Haushalt. Eines Tages, in Willis Firma, es gibt noch eine große Feierlichkeit, fühlt sich Else verloren. Doch Marta, ihre bester Freundin, ist auch vor Ort. Gemeinsam stehen sie inmitten der ganzen Männer und warten auf ihre Gatten. Willi kommt kreidebleich herunter, Else befürchtet das Schlimmste - er wurde gefeuert. Doch das genaue Gegenteil tritt ein. Willi ist sehr, sehr erfolgreich und der Hauptgewinn ist es nach Indien zu gehen - für ein 1/2 Jahr. Für Else bricht erst mal eine Welt zusammen. Wie soll sie nur solange ohne ihren Willi sein.... Else beginnt ihr eigenes Abenteuer. Sie wird Taxifahrerin, als erste Frau Hessens! Das muss aber unbedingt ein Geheimnis bleiben. Des Nachts, während sie diverse Leute von A nach B fährt, hat sie Zeit um ihr eigenes Leben zu ergründen und nachzudenken. Eines Tages erfährt sie, dass Willi sie betrügt. Ohne ihre Freundin Marta wäre es vielleicht das Ende der Geschichte. Denn Martas Mann betrügt sie ebenfalls. Doch die zwei Freundinnen finden einen Weg um mit diesem Verrat umzugehen, in den 60igern, wo Männer quasi Alleinherrscher sind. Jahrzehnte später, Willi findet heraus, dass seine Frau ihn überhaupt nicht ernst genommen hat, denn sie hat gearbeitet!!! Da packt es Else nicht mehr, diese Ignoranz die von Willi ausgeht. Sie räumt ihr Konto, schnappt sich ihre Enkelin und fährt mit ihr nach Frankreich. Jetzt, auf dieser Reise, fühlt sich Else endlich am Ziel. Sie wird gesehen, als Frau, als Freundin, als Beraterin des Lebens. Eine Hommage an alle Frauen! Dieses kleine Büchlein hat soviel Kraft in sich, einfach unglaublich 🤩🤩🤩🤩

Else
Elseby Jasna Fritzi BauerKiepenheuer & Witsch
30. Aug.
Rating:3

„Wer wolltest du sein, als du noch warst?“

Jasna Fritzi Bauer und Katharina Zorn erzählen die Geschichte von Else auf zwei verschiedenen Zeitebenen. In der Gegenwart des Romans, 2010, reist Else mit ihrer 18-jährigen Enkelin Emma an die Cote d'Azur. So verbringen die zwei verschiedenen Generationen Zeit miteinander und nähern sich langsam an, lernen sich neu kennen. Man erkennt, wie sich die Rolle der Frau in der Gesellschaft über die Jahre entwickelt und verändert hat. Emma hat nun all die Möglichkeiten, die Else gerne gehabt hätte. In der Vergangenheit lebt Else mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern zusammen. Sie führt ein typisches Hausfrauendasein, ist damit aber unzufrieden. Else möchte mehr vom Leben, sie möchte sich emanzipieren und aus den gegebenen Strukturen ausbrechen. Während eines längeren Auslandaufenthalts ihres Mannes ergreift sie die Chance, macht den Taxischein und wird die erste weibliche Taxifahrerin Hessens. Dieses „geheime Leben“ erfüllt Else mit Stolz. Es ist etwas, das sie nur für sich macht. Diese Geschichte ist eine Liebeserklärung an alle mutigen und starken Frauen, an alle Frauen, die ihren Weg gehen und sich nicht von gesellschaftlichen Konventionen bremsen lassen. Es ist ein Stück Zeitgeschichte. Das Buch ist leicht zu lesen, ist in lockerem Stil geschrieben. Für mich bleibt es zu sehr an der Oberfläche, geht kaum in die Tiefe. Die einzelnen Begebenheiten werden oft nur angerissen, hier hätte ich mir mehr gewünscht. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, weil ich mir erhofft hatte, möglichst viel von Jasna Fritzi Bauer zu hören. Sie spricht aber leider nur am Anfang ein Stück, den Rest spricht eine andere Sprecherin. Diese ist leider keine Hessin, weshalb sich die Textelemente, die in hessischer Mundart geschrieben wurden, eher befremdlich anhören. Vielleicht hat dies auch den Gesamteindruck des Buches für mich ein wenig getrübt. Auch kam ich durch die Hörbuchfassung nicht in den Genuss der Videos per QR-Code, die wohl im Buch enthalten sind. Alles in allem fand ich die Geschichte aber gut und würde eine Leseempfehlung aussprechen.

Else
Elseby Jasna Fritzi BauerKiepenheuer & Witsch
10. Juli
Rating:3.5

Achtung, Spoiler

“Else” von Jasna Fritzi Bauer und Katharina Zorn handelt Elisabeth oder kurz Else, die als Ehefrau und Mutter in den 1960er Jahren mehr will als das und kurz entschlossen ihren Taxiführerschein macht und zu Frankfurts erster Taxifahrerin wird. In Rückblenden aus einem Urlaub im Jahr 2010 an der Cote d’Azur mit ihrer Enkelin wird von ihrer Ehe bzw. ihrem Leben allgemein erzählt. Hier bin ich wohl ein Opfer des Social Media Marketings geworden, denn ich hatte vor allem einen Fokus darauf erwartet, wie sie zur ersten Taxifahrerin wird und mehr aus diesem Lebensbereich, doch das wird überhaupt erst nach der Mitte des Buches überhaupt thematisiert und auch dann nur kurz hier und da angerissen. Der Fokus lag auf Beschreibungen des Familien- und Gesellschaftsgefüges in den 1960ern und der Handlung im Jahr 2010, in dem Else auf ihr Leben zurück blickt. Richtig stimmig war jedoch für mich beides nicht. Der Teil der relativen Gegenwart war mir zu episodenhaft, aber letztlich inhaltsleer, da für meinen Geschmack zu viele Schauplätze und Begebenheiten eingeführt wurden, ohne dass sie handlungsrelevant waren (z.B. die ausführliche Erzählung des Formel-1-Rennens in Monaco, die auf einer zufälligen Begegnung beruhte und deren Sinn sich mir nur so halb erschlossen hat, dafür mit detaillierter Beschreibung, wer auf welche Sieger setzt und dann damit auch gewinnt - zu viele unwichtige Details). Gleichzeitig habe ich hier auch keine große Entwicklung in der Beziehung von Großmutter und Enkelin bemerken können, die doch wahrscheinlich das Ziel hätte sein sollen. In dem Handlungsteil der 60er hatte ich ein enormes Problem mit der Taxigeschichte. Else macht heimlich den Taxischein, ohne dass ihr Mann das mitbekommt, in einer Zeit, in der verheiratete Frauen per Gesetz noch die Erlaubnis ihres Ehemannes benötigten, um einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Dann arbeitet sie über zwei Jahrzehnte heimlich Nachtschichten und verdient heimlich Geld. Wie kann ihr Mann das nicht mitbekommen haben, trotz vieler Dienstreisen, wer hat hat sich in der Zeit um die kleinen Töchter gekümmert? In den vielen Jahren hat Else nicht ein einziges Mal zufällig jemanden gefahren, den sie kannte, wenn sie gesellschaftlich doch mit Tennisclub und angesehener Position ihres Mannes sicherlich in größeren Kreisen verkehrte? Es war auch keiner Zeitung eine Schlagzeile mit Bild wert, dass sie als erste Frau Taxi fährt, was jemand hätte mitbekommen können? Das finde ich sehr an den Haaren herbei gezogen und nicht gut erklärt bzw. aufgelöst. Genau wie die Szene in der Psychiatrie, bei der ich mir nicht vorstellen kann, dass sie tatsächlich so funktionieren könnte. Und dann gibt sie ihren geliebten Beruf spontan wegen eines Vorfalls mit ihrem Mann auf, führt aber weiter eine zufriedene Ehe mit ihm über mehrere Jahrzehnte - das nehme ich der Geschichte ebenfalls nicht ab. Neben den inhaltlichen Schwachpunkten fand ich auch die Sprache oft nicht zu den Figuren passend oder zu belehrend/patronisierend. Im Spiegel der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse und dem Rollenverständnis ist natürlich vieles verständlich und auch der Konflikt wird deutlich. Das haben die Autor*innen gut herausgearbeitet. Auch war das Hörbuch kurzweilig und durch die beiden Erzähler*innen ansprechend eingesprochen. Für einen nachhaltigen positiven Eindruck reicht es jedoch bei mir leider nicht. *Das Hörbuch wurde mir kostenfrei von netgalley zur Verfügung gestellt.

Else
Elseby Jasna Fritzi BauerKiepenheuer & Witsch
25. Juni
Rating:5

Sternebewertung Fiktiv

Was, wenn das Leben erst beginnt, wenn du aufhörst, dich anzupassen? Oh, Else! Du hast mich zum Lachen gebracht. Und am Ende zum Weinen. Dieser Roman ist nicht laut. Aber er leuchtet. Gemeinsam mit Enkelin Emma reisen wir durch Frankreich, aber eigentlich reisen wir durch Elses Leben. In Rückblicken lernen wir eine Frau kennen, die in den 60ern in Frankfurt, in der BRD lebt. Hausfrau, Tennisverein, zwei Kinder, eine klassische Ehe in Frankfurt, bis das Leben sie anders fordert. Ihr Mann muss beruflich nach Indien, Else bleibt zurück. Und macht kurzerhand den Taxischein. Was für ein Schritt! Was für eine Frau! Damals in den 60igern. Vom gepflegten Hausmütterchen zur selbstständigen Fahrerin mit Haltung, Herz und Humor. Wir begleiten sie durch Ihre Ehe, Freundschaften, Alltagsetappen. Besonders die Beziehung zu ihrer Freundin Martha berührt , echt, tief. Ihre neue Arbeit macht ihr nicht nur Freude, sondern stärkt auch Ihr Selbstbewusstsein. Leider rutscht sie irgendwann in eine eher ungemütliche Situation beim Taxi fahren, die ihren Mann und den Mann von Martha betrifft und sie hängt den Job an dem Nagel. Und dann ist da dieses ganz besondere Erzählelement. QR-Codes im Buch. Kleine Filmszenen, kurze Begegnungen, direkt abrufbar. Fast wie ein literarisches Tagebuch, das lebendig wird. Else ist mehr als ein Roman. Es ist ein Erlebnis. Eine Hommage an all die Frauen, die sich nicht neu erfinden, sondern sich selbst endlich zeigen. Ich habe sie geliebt. Und ich glaube, jeder von uns braucht eine Else im Leben.

Else
Elseby Jasna Fritzi BauerKiepenheuer & Witsch
20. Juni
Rating:5

Eine wirklich tolle und tiefgründige Erzählung! Es geht um die Geschichte einer beeindruckenden Frau. Abwechselnd wird zwischen den 60er Jahren und heute erzählt und so ein bewegtes Leben gezeichnet. Die Protagonistin wird sehr tief und in all ihren Facetten beschrieben und wächst einem schnell ans Herz. Schon lange hat mich ein Buch nicht mehr so bewegt!

Else
Elseby Jasna Fritzi BauerKiepenheuer & Witsch
15. Juni
Ein mutmachendes, motivierendes Buch für alle Frauen ihren eigenen Weg zu gehen und für sich einzustehen

Ein mutmachendes, motivierendes Buch für alle Frauen ihren eigenen Weg zu gehen und für sich einzustehen

„Frauen wie Else motivieren nicht nur, sie treten uns regelrecht in den Hintern. Aufstehen und das Glück anpacken!“ Vogue Mein Leseeindruck: Das Autorinnenduo hat mit diesem fulminanten Debütroman eine feine Liebeserklärung an alle Frauen von damals und heute kreiert. Berührend und unterhaltend erzählen sie von stiller Emanzipation, Aufschrei und Ausbruch aus einer gesellschaftlich vorgegeben Rolle. Als sudetendeutsches deportiertes Kind, arbeitet die Protagonistin Else sich aus dem sozialen Brennpunkt hoch, oft heißt es jedoch dass sei nur ihrem Mann zu verdanken. Else hat viele Facetten, als sie es satt hat im Schatten ihres Mannes zu stehen, begibt sie sich auf eine emotionale Emanzipationsreise, absolviert heimlich den Taxischein, wird zur Vorreiterin ihrer Zeit. Sie fährt von den 60igern bis in die 80iger Jahre Taxi, liebt ihre Familie und Enkel. An einer berührenden Szene an der Côte d‘ Azur mit ihrer Enkelin kommen diese sich noch einmal näher, kreieren einen eigenen Duft, gehen auf eine letzte Reise Elses. Ihrem Mann Willy bleibt sie treu bis zum Tod, auch wenn die Ehe nicht immer einfach ist. Besonders besticht das Buch durch multimediale Inhalte und Zeitgeschichtlichem. Fazit: Ein mutmachendes, motivierendes Buch für alle Frauen ihren eigenen Weg zu gehen und für sich einzustehen

Else
Elseby Jasna Fritzi BauerKiepenheuer & Witsch
20. Mai
Rating:3.5

Bei diesem Debüt handelt es sich um ein sehr flüssig lesbares Buch, in dem viele feministische Themen angesprochen werden und das mich an mehreren Stellen auch wirklich berührt hat, aber bei dem mir immer wieder das letzte Quäntchen Erkenntnis, Tiefgang oder Wendung gefehlt hat.

Else
Elseby Jasna Fritzi BauerKiepenheuer & Witsch
20. Mai
Rating:3

Ein kleines Denkmal, leider etwas oberflächlich

Gibt es auch in eurer Familie Frauen älteren Semesters, die in einer Ehe leben, bei der man sich fragt, warum dieses Paar es geschafft hat, so lange zusammen zu sein? In der die Frauen es Männern ermöglichen, ein bequemes, freies Leben zu führen, während sie selber sich mit wenig zufrieden geben? In meiner Familie gab ist das zu Hauf. Während die Männer der jungen Bundesrepublik durch die Weltgeschichte reisten, um „Geld zu verdienen,“ dabei aber jede Menge zweifelhaften Spaß hatten, blieben die Frauen mit den Kindern zurück, und befriedigten ihre Bedürfnisse vielleicht mit schönen Kleidern, Parfums und Schmuck, kümmerten sich um Haushalt und Erziehung der Kinder, langweilten sich bei Tratsch und Klatsch und Kuchen mit ihren Freundinnen. Und hielten ansonsten oft als Vorzeigeehefrau her, wenn es um gesellschaftliche Anlässe ging. Die Männer kamen dann nicht selten spät nachts betrunken nach Hause, während die Frau schon die Kinder ins Bett gebracht hatte. So manches Klischee, an dem wir heute noch zu knabbern haben, ist in dieser Zeit entstanden. Eigentlich ist der Roman ein Buch für alle Großmütter. Für mich ist es tatsächlich der Roman der Mütter meiner Generation, die Generation, die im Krieg geboren beziehungsweise aufgewachsen ist und im Nachkriegsdeutschland versucht hat sich Wohlstand und Ansehen zu erwirtschaften. Else ist so eine Frau. Ihren Willy hat sie zu einer Zeit lieben gelernt, als er noch versuchte, wer zu werden. Immer muss sie parat stehen, wenn er den nächsten Karriereschritt im Auge hat und seinen Rücken stärken. Dabei versichert er ihr einerseits, wie wichtig sie für ihn ist, tritt ihr Selbstbewusstsein andererseits aber mit Füßen. Als er einen längeren Auslandsaufenthalt antritt, macht Else den Taxischein und wird somit zur ersten weiblichen Taxifahrerin Frankfurt. Wissen tut das in ihrem Dunstkreis niemand. Sie schafft es das bis an ihr Lebensende geheim zu halten. Wir sind zu Beginn in den 60er Jahren unterwegs, einer Zeit des Überkonsums von Alkohol und anderen Genussmittel, einer Zeit der Zurschaustellung von Wohlstand und einer Zeit der biederen Verlogenheit. Es zählt, was man sieht und nicht, was wirklich hinter den Kulissen abgeht. Damit das nicht in Erscheinung tritt, dafür sind die Frauen zuständig. Sie sind Meisterinnen im vertuschen, gerne auch mal zu ihrem eigenen Nachteil. Doch Else sucht sich ihre Nische und in ihrer Freundin Marta, die ebenfalls Schlimmes erlebt, hat sie eine etwas laute, aber loyale Unterstützung Ein Zeitstrang aus den 2010er Jahren erzählt die Geschichte einer 80-jährigen Else, die mit ihrer Enkelin Emma eine Reise nach Südfrankreich unternimmt. Dass das Geld um diese Reise zu finanzieren aus ihren Taxi-Einkünften stammt, weiß niemand und Willy, der zu Hause bleibt, scheint das nicht wirklich zu interessieren (was ich ein bisschen merkwürdig fand) Die ganze Handlung wirkt sehr gut beobachtet. Es wird genau die Generation meiner Eltern wiedergegeben, der man als Kind vielleicht nacheiferte, als Jugendliche aber doch merkte, wie viel Fassade es hier gibt und wie wenig Selbstbestimmung Frauen leben konnten. Auch wenn wir uns beim Lesen vielleicht fragen, warum Else sich nicht hat scheiden lassen, müssen wir uns doch eingestehen dass es vielleicht anmaßend scheint, über andere zu urteilen. Nicht wenige Frauen haben einfach den Weg gewählt, hinter dem Rücken ihres Mannes eigene Wege zu gehen. Genauso wie ihre Ehegatten nur eben anders. Und ich bin dankbar für die vielen Feministinnen die aus diesen Rollen ausgebrochen sind und unter schwierigen Bedingungen dafür gekämpft haben, dass wir das heute nicht mehr müssen. Stilistisch hat das Buch einige ganz besonderen Finessen. Erst mal ist es von zwei Künstlerinnen geschrieben, die auch auf anderen Bühnen zu Hause sind. Das merkt man auch am Konzept des Buches. Viele Kapitel sind mit QR-Codes versehen, über die man dann auf der Seite des Verlags zu YouTube Clips kommt, die mit filmischen Szenen, Musik und Texten die Atmosphäre des Buches unterstreichen sollen. Dieses Feature wirkt für mich anspruchsvoller als die Lektüre. Literarisch ist das Buch mitreißend aber doch sehr fragmentarisch geschrieben. Es ist leicht zu lesen und wirkt an manchen Stellen sogar etwas oberflächlich. Immer wenn ich dachte, es geht nun in die Tiefe kam es mir vor, als wenn Else mit der Hand abwinken und einfach zur nächsten Handlung übergeht. Ein bisschen mehr „Show Don’t Tell“ hätte ich mir auch gewünscht. Ich hab das Buch aber deshalb nicht weniger gern gelesen. Es ist ein Snack, eine kleine Geschichte einer eigenwilligen Frau, der mit diesem Buch ein Denkmal gesetzt wurde. Etwas was vielleicht nicht lange in meinem Kopf bleibt, mich aber unterhalten und beschäftigt hat. Deshalb empfehle ich es gerne weiter. Zum Schluss möchte ich doch noch mal äußern, wie erleichtert ich darüber bin, in einer anderen Zeit großgeworden zu sein. Ich glaube, dass das Leben von Else und anderen Frauen dieser Zeit mir auch dabei geholfen haben, mich aus einer ähnlichen Routine zu befreien – nach dem Motto: So nicht! Für mich ein Treiber, von dem ich gegenwärtig sehr profitiere

Else
Elseby Jasna Fritzi BauerKiepenheuer & Witsch