Ein heftiges Buch, über das ich noch weiterhin nachdenken werde
Haus zur Sonne ist ein heftiges Buch. Vor dem Lesen sollte sich man sich kurz mit den Themen befassen, um die es hier geht und es eher nicht zur Hand nehmen, wenn man gerade psychisch nicht stabil ist.
Was ich gut fand:
* Wie psychische Erkrankungen dargestellt sind: Thomas Melle als Autor und selbst Betroffener romantisiert die bipolare Störung nicht, sondern zeigt schonungslos auf, welche Auswirkungen diese Krankheit auf die Betroffenen und ihr soziales Leben haben
* Die Meta-Ebene im Buch: Durch bestimmte Charaktere und Situationen setzt sich das Buch mit der Frage auseinander, wo die Grenzen zwischen Sterbehilfe und der gezielten Ermordung von kranken Menschen liegt. Auch wird immer wieder das Menschenbild des Kapitalismus kritisiert, in dem das Leben nur einen Wert hat, wenn Menschen funktionieren. Über diese Meta-Ebene werde ich noch länger nachdenken
* Anfang und Ende waren sehr spannend
Was ich nicht so gerne mochte:
* Die wahnsinnig kurzen Kapitel, oft waren sie nur wenige Sätze lang. Da jedes Kapitel dennoch in sich abgeschlossen ist, fühlte sich das Buch sehr viel länger an, als es ist. Da so viele Gedanken auf kurzem Raum verdichtet sind, habe ich zwischendurch Namen und Fakten zu Nebencharaktern vergessen, die schon länger nicht mehr erwähnt wurden
* In der Mitte des Buches gibt es einige Längen und Abwandlungen des gleichen Gedanken. Das passt zwar durchaus zur Geschichte, hat mich aber teilweise aus dem Lesefluss gebracht
Ein sehr tiefgründiges und ernstes Buch über die Konfrontation und Akzeptanz vom Tod. Ein sehr schweres Thema das aber sehr nice umgesetzt werden konnte. Ein sehr poetischer schreibstil und eine einfach mega angenehme Lese-Erfahrung.
Tief, hart und erschreckend ehrlich. Kein leichtes Buch, aber eines, das bleibt.
Ich habe dieses Buch vor ein paar Monaten angefangen, ungefähr bis zur Hälfte gelesen und dann erstmal weggelegt. Nicht, weil es schlecht war, sondern weil es mich einfach überfordert hat. Es war mir zu nah, zu intensiv, zu viel auf einmal.
Jetzt habe ich es beendet und war sofort wieder komplett drin. Und genau das beschreibt es eigentlich am besten. Dieses Buch lässt einen nicht los, selbst wenn man es zwischendurch aus der Hand legt.
In Haus zur Sonne geht es um einen Mann mit bipolarer Störung, der auf eine staatliche Einrichtung stößt, in der Menschen ihre letzten Wünsche erfüllt bekommen, bevor sie sich dazu entscheiden, ihr Leben zu beenden. Allein diese Idee ist schon krass, aber das, was dieses Buch daraus macht, ist nochmal eine ganz andere Ebene.
Was für mich einen riesigen Unterschied gemacht hat, ist der Hintergrund des Autors. Thomas Melle ist selbst manisch depressiv. Man liest dieses Buch ganz anders, wenn man das weiß. Es fühlt sich nicht an wie eine Geschichte von außen, sondern wie etwas, das von innen kommt.
Und genau das spiegelt sich auch im Schreibstil wider. Ich fand den so besonders und gleichzeitig so schwer zu beschreiben. Er ist direkt, klar, teilweise richtig hart und im nächsten Moment wieder unglaublich emotional. Und trotzdem wirkt nichts überzogen. Es ist eher so, als würde man direkt in den Kopf schauen. Als würde man Gedanken lesen. Ich hatte wirklich das Gefühl, ich lese aus dem Kopf eines manisch depressiven Menschen. Und genau das hat mich so gepackt.
Es gibt so viele Stellen, die leise sind und genau deshalb so weh tun. Keine große Dramatik, kein künstliches Aufbauschen, sondern einfach Ehrlichkeit. Gerade diese Gespräche über das Sterben haben mich richtig getroffen. Diese ruhige, fast sachliche Art, wie darüber gesprochen wird, hat etwas unglaublich Beklemmendes.
Und gleichzeitig wirft das Buch ständig Fragen auf. Was macht ein Leben lebenswert? Und wer entscheidet das eigentlich?
Da war diese eine Stelle mit der blinden Frau, die mich nicht losgelassen hat. Weil ich da gemerkt habe, wie unterschiedlich Wahrnehmung sein kann. Für den einen ist das Leben noch lebenswert, für den anderen vielleicht nicht mehr. Und genau solche Gedanken bleiben hängen.
Und über allem steht für mich diese eine Frage
Will man wirklich sterben oder will man einfach nur, dass es aufhört?
Was ich aber auch ganz wichtig finde, obwohl dieses Buch so schwer und teilweise echt hart ist, gibt es trotzdem Momente, die sich fast leicht anfühlen. Kleine Hoffnungsschimmer, ruhige, schöne Gedanken oder Erinnerungen. Und genau diese Mischung macht es für mich so besonders. Es ist nicht nur dunkel. Es ist beides.
Das Ende hat mich dann nochmal komplett abgeholt. Ich hatte ein Gefühl, in welche Richtung es gehen könnte, aber es hat mich trotzdem erwischt. Es war ruhig, konsequent und genau deshalb so stark.
Für mich ist das kein Buch, das man einfach liest und wieder vergisst. Es fordert einen. Es bleibt im Kopf. Und es macht etwas mit einem.
Ich mochte es wirklich sehr, auch wenn es anstrengend war. Vielleicht gerade deswegen.
Haus zur Sonne von Thomas Melle 3 🌟🌟🌟
„Chaos im Kopf“ in Form einer anspruchsvollen und hochwertigen Literatur, die mich aber nur in Ansätzen erreicht hat.
Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025.
Das Buch ist und bleibt mir ein absolutes Rätsel, dass mir manchmal vorkam, als wäre es im Fieberwahn geschrieben, dann erschien es mir wieder wie eine Gebrauchsanweisung für ein technisches Gerät. Beeindruckend, teilweise faszinierend, aber auch irritierend. Thomas Melle schreibt sehr nüchtern, mit fast chirurgischer Präzision aber gleichzeitig verwirrend und chaotisch. Ich konnte beim Lesen kaum emotionale Nähe zum Text oder Bindung zu den ProtagonistInnen aufbauen. Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, dass der Text mich bewusst auf Distanz gehalten hat.
Ich musste die Lektüre immer wieder unterbrechen, weil es mir zu anstrengend wurde. Lesespaß sieht für mich anders aus, ich kam mir teilweise zurückversetzt in meine Schulzeit vor, in der man sich die Lektüre erarbeiten musste. Aber Lesespaß ist wohl auch nicht das Anliegen von Thomas Melle.
Ich denke er wollte uns teilhaben lassen, an der bizarren Welt, in der sich die Betroffenen befinden und aus der es kein Entrinnen für sie gibt bzw. sie das Gefühl haben, dass es so ist.
Besonders deutlich wird das durch den immer wieder durchscheinende Todeswunsch des Protagonisten. Dieser entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich in den sich abwechselnden Phasen, die der Erzähler nicht nur während seines Aufenthaltes im „Haus zur Sonne“ durchlebt, sondern die er bereits in der Vergangenheit zu bewältigen hatte.
Was mich dabei irritiert hat, ist die Art, wie distanziert der Wunsch das Leben zu beenden, oft formuliert wird. Es gibt keine emotionalen Exzesse oder dramatische Zuspitzungen, eher eine reflektierte Annäherung an die eigene Auslöschung, die dann doch wieder in Frage gestellt wird. Denn es stellt sich für ihn die Frage, ob jemand der nicht leben will, wirklich sterben will. Ist es vielleicht nur ein Hilferuf, eine Bitte an Gott oder wen auch immer, ihm doch ein anderes Leben zu Teil werden zu lassen?
Wie wirkt dann ein Angebot, dass man sich auf sanfte Weise „auslöschen lassen kann“, dabei aber in der Einrichtung „Haus zur Sonne“ in den letzten Wochen des Lebens angeblich alle Wünsche erfüllt bekommt? Wahrscheinlich würden viele „lebensmüde“ Menschen hier zugreifen wollen, aber sind diese Menschen sich der Konsequenzen bewusst?
Beim Lesen des Buches stellte sich mir aber auch wieder die Frage, welche Behandlungsmöglichkeiten Menschen mit bipolarer Störung wirklich geboten werden, und wie geht die Gesellschaft mit dieser Erkrankung um.
Im Buch wird deutlich, dass die medikamentöse Behandlung doch zwiespältig erscheint. Einerseits ist sie wohl notwendig, um das zerstörerische Auf und Ab zu dämpfen. Andererseits besteht die Möglichkeit, dass die Betroffenen sich dadurch von sich selbst entfernen und einen Teil ihrer Identität verlieren. Ist hier wirklich Heilung angestrebt oder eher eine Form von Anpassung, ein „Funktionieren“ innerhalb bestimmter gesellschaftlicher Erwartungen? Auch die weiteren im „Haus zur Sonne“ angebotenen Behandlungen, die ich hier nicht näher ausführen möchte, um nicht zu spoilern, sind in meinen Augen nur Scheinlösungen bzw. Fluchtmechanismen, denn sie verändern nicht die Realität der „Gäste“.
Ich glaube, Thomas Melle will in seinem Werk weniger Lösungen anbieten als vielmehr eine radikale Zuspitzung: Der Mensch wird mit seinen inneren Extremen konfrontiert und erhält zugleich technische und medizinische Mittel, diese zu regulieren oder zu umgehen. Für mich bleibt die Frage offen, ob darin eine Chance liegt – oder ob genau diese Mittel die Entfremdung noch vertiefen.
Am Ende bleiben für mich viele Fragen offen und ich glaube, dass genau das auch beabsichtigt ist. Mich hat dieses Buch in Teilen inhaltlich wie sprachlich extrem herausgefordert. Ich bin froh, es gelesen zu haben, aber ich war auch mehr als froh, als ich es beendet hatte. An der Länge dieses Beitrages seht Ihr aber, dass es mich immer noch beschäftigt. Macht Euch gerne selbst ein Bild.
Ein Buch das zum Nachdenken anregt und bei dem die Grenzen zwischen Realität und Simulation mehr und mehr verwischt
Die Story ist eher von der gedrückten Stimmung als durch Handlung geprägt.
Viel passiert im Grunde nicht, da sich die Gedanken oft im Kreis drehen.
Das Buch gibt dem Leser einen Einblick, wie das Leben mit dieser Erkrankung aussehen könnte. Vielleicht schafft das Buch mehr Verständnis in der Gesellschaft für psychische Erkrankungen.
Sich das Leben zu nehmen zu wollen kann für andere ganz schön anstrengend sein
Thomas Melle legt mit Haus zur Sonne einen Auftakt hin, der fast schon unverschämt gut ist: klar, nah, präzise, mit einer Authentizität, die sofort an reale therapeutische Prozesse erinnert. Man denkt: Okay, das könnte richtig stark werden.
Dann aber beginnt der Text, sich selbst im Weg zu stehen. Die Struktur zerfasert, die Episoden mäandern, und die berüchtigten Simulationen ziehen sich in einer Länge dahin, die man wohlwollend als „experimentell“ bezeichnen könnte — oder ehrlicher: elend lang. Irgendwann liest man nicht mehr, man arbeitet sich durch.
Das große Finale, das „Schloss“, wirkt schließlich wie ein ironischer Kommentar auf das eigene Versprechen: viel Symbolik, wenig Wirkung. Ein Ende, das eher verpufft als irgendetwas zu bündeln.
Fazit: Ein Buch, das brillant startet, sich dann aber in Wiederholungen, überdehnten Simulationen und erzählerischer Selbstauflösung verliert. Am Ende bleibt weniger Erkenntnis als Erschöpfung.
Habe das Buch in der Buchhandlung zwecks des Covers in der Hand gehalten. Der Verkäufer meinte „krass gutes Buch, sehr zu empfehlen“.
Das „krass“ traf es wohl ziemlich gut. Mein Mann hat das Buch vor mir gelesen, er selbst leidet auch an einer bipolaren Störung. Er meinte „das Buch beschreibt mein Leben“.
Als ich das Buch dann gelesen hab, erkannte ich tatsächlich einige Verhaltensmuster wieder, weswegen mir das Buch persönlich dann doch auch sehr nah ging.
Ich persönlich empfand das Ende als sehr offen, als ich meinem Mann das gesagt habe, meinte er, dass er das Ende nicht als offen empfunden hat.
Das Buch mag zwar oft wirr wirken, aber so ist es auch in der Realität mit dieser Krankheit. Der Schreibstil war für mich angenehm zu lesen.
Wirklich gutes Buch, auch für Angehörige zu empfehlen.
„Ich will mir keine Gewalt antun. Ich will nur weg sein. Keiner hat mich gefragt, ob ich überhaupt da sein wollte.“
S. 208
Haus zur Sonne war für mich ein Buch, das ich irgendwie schnell hinter mich bringen wollte. Nicht weil es schlecht war, sondern weil es einen Sog entwickelt. Je länger ich darin verweile, desto tiefer zieht es mich hinein.
Haus zur Sonne ist ein besonderes Buch, weil der Autor an einer ebenso schweren Erkrankung leidet wie der bipolar gestörte, namenlose Protagonist. Dieser findet sich in einer fiktiven Hospiz-Ähnlichen Einrichtung wieder, wo ihm vor seinem Ableben noch einmal alle Wünsche erfüllt werden können. Doch was wünscht sich ein Mensch, der als einzigen Ausweg aus seiner Krankheit das Verschwinden wählt?
Wer ein chronologisches, sinnstiftendes Erzählen sucht, ist hier falsch. Stattdessen verlieren wir uns in den Gedankenschleifen eines manisch-depressiven Bewusstseins: ein nicht enden wollender Strudel. Trotz dieses Chaos ist das Buch unfassbar präzise geschrieben und zeugt von einer intellektuellen Schärfe in der Wortwahl.
Es erinnert weniger inhaltlich als formal an Dostojewskis Aufzeichnungen aus dem Kellerloch: dieselbe kreisende Selbstbefragung, dieselbe aggressive Intimität des Bewusstseins.
...der sich dehnt und dehnt und dehnt und einfach nicht zerreißen will.
Der Roman besteht aus zu vielen Simulationen, die weder unterhaltsam noch aufschlussreich sind, dazwischen immer wieder "Ich bin schon längst tot, was will ich noch hier?" und "ich will gar nicht sterben!", was eher nervig als verständlich war.
Außergewöhnlich- Ich weiß nicht ob ich es außergewöhnlich gut oder schlecht fand. Von Beginn an wusste ich es ist keine leichte Lektüre doch besonders die letzten 50 Seiten haben mich so sehr bedrückt.
Es fiel mir bis Seite 230 wirklich schwer zu lesen und ich habe mich immer wieder gezwungen. Das Ende war mir zu offen und leider zu schwach für das Thema. Ich habe mich beim lesen des ganzen Buches immer belastet gefühlt. Daher hier die Warnung - bitte nur lesen wenn man selber keine psychischen Beschwerden hat.
Irgendwie lässt mich das Buch auch traurig und leer zurück.
Durch die Geschichte findet eine Auseinandersetzung mit dem Wert des Lebens, unheilbaren psychischen Erkrankungen, assistierten Suizid und dem Machtgefühle in psychiatrischen Einrichtungen statt. Für mich war die Erzählung einerseits langatmig (100 Seiten weniger hätten den Zweck auch erfüllt), andererseits auch total hektisch und oberflächlich, weil die Kapitel sehr kurz waren und jedes Kapitel eine kleine Geschichte erzählt hat. Generell fand ich die Thematik sehr greifbar und für mich einfach zu plump dargestellt. Es hätten gerne noch mehr „Innenperspektiven“ gezeigt werden dürfen.
Vielleicht hätte ich zuerst sein Buch „die Welt im Rücken“ lesen sollen, um gewisse Hintergründe zu ihm und seiner Erkrankung zu haben?! So hat es mir allenfalls an Tiefe und auch Persönlichkeit gefehlt, was es mir schwer gemacht hat, mich in den manisch-depressiven Ich-Erzähler einzufühlen und der sprunghaften Handlung zu folgen.
Das Buch für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025 nominiert. Der poetische Schreibstil und auch die Entwicklung des Ich-Erzählers (ich möchte nicht Spoilern) haben mir wiederum sehr gut gefallen.
⭐️ F A Z I T
Leider habe ich mir von der Geschichte mehr erhofft! Alles in allem ein guter Einblick in die Gedanken von Betroffenen und auch eine tolle Idee mit dem Gedankenexperiment. Macht euch gern euer eigenes Bild von der Geschichte, mich konnte es leider nicht überzeugen.
Von mir gibt’s 2,5 ⭐️ !
PS: das Buch gibt’s bei Kindle Unlimited 😬
Triggerwarnung Depression, bipolare Störung, suizidale Gedanken!
Man trifft den verzweifelten Ich-Erzähler nach einer zweijährigen, intensiven manischen Phase mitten in der darauffolgenden tiefen Depression und blickt tief in seine Seele. Es wird sehr eindrucksvoll geschildert, wie schrecklich und schambehaftet eine manische Phase ist, wie wenig Einfluss der Mensch in diesem Stadium auf sein Handeln hat, wie kraftlos, destruktiv und hoffnungslos man sich fühlt. Der Ich-Erzähler stößt in dieser Zeit alle Menschen von sich weg, zerstört alles, was ihm wichtig ist, wird von der Manie weggepeitscht. Nach der Manie folgt die Dunkelheit, in der der Leidensdruck und die Isolation greifbar ist. Einzig seine tiefe Antriebslosigkeit verhindert den Suizid, wobei er sich innerlich bereits tot fühlt.
Er stößt auf ein Angebot, das ihn neugierig macht. Im Haus zur Sonne bietet man ihm einen Ausweg aus dem Leben an, gekoppelt an die Verpflichtung sich vorher diversen Simulationen auszusetzen. Er schließt den Vertrag ab und begibt sich auf seine letzte Reise.
Im Haus zur Sonne trifft er auf andere Gleichgesinnte, wenn auch aus unterschiedlichsten Gründen. Alle müssen sich täglich Simulationen aussetzen, die sie aber frei wählen dürfen. Alles ist möglich. Man kann sich letzte Wünsche erfüllen… eine Umarmung, ein Date, ein alternativer Lebensentwurf, ein Eis essen, Machtfantasien ausleben, verschiedene Todesszenarien durchspielen. Oft verschwimmen die Grenzen zwischen Simulation und Realität.
Es ist ein bedrückendes, nachdenklich machendes Buch, das viele Fragen aufwirft, bei dem man viel mitnimmt. Der Autor schafft es, die bipolare Störung des Protagonisten sehr präzise, nahbar, ungeschönt und erschütternd in Worte zu fassen. Der Schreibstil ist flüssig und eingängig. In die Simulationen musste ich erst reinfinden, sie werden zahlreich und ausführlich beschrieben, was anfangs faszinierend, aber irgendwann zu sehr wiederholend war. Was bleibt am Ende ist die Frage, ob und wie man den letzten Schritt erleben und gestalten möchte. Und wie tief die Verzweiflung sein muss, um diesen letzten Schritt zu gehen.
Ein aufwühlendes, bewegendes Buch für das man bereit sein muss. Bitte nur in einem stabilen psychischen Zustand lesen.
Das Buch war mir leider etwas zu langatmig. Die Thematik, im Kopf eines depressiven Mannes zu sein, fand ich sehr spannend und anregend, aber die einzelnen Passagen waren mir teilweise zu lang und zu verwirrend. Vielleicht sollte es aber auch so sein?!
Die Stärke dieses Buches ist für mich, dass ich als Leserin ohne Depressionen einen Eindruck – und damit auch mehr Verständnis – für das Leben mit Depressionen (und hier speziell mit einer bipolaren Störung) bekommen habe. Mich hat das tief berührt und mit viel Empathie zurückgelassen. Wie viele Höhen und Tiefen kann ein Mensch ertragen? Ja.
1,5 Sterne Abzug gibt’s für die Länge des Buches. Es hätten ruhig 100 Seiten weniger sein können. Auch in der Grundidee des Hauses zur Sonne wurde meiner Meinung nach zu viel Potenzial liegen gelassen. Das Ende war enttäuschend.
Ein solides Buch, das seinen Anspruch hat, mich persönlich jedoch auf dem falschen Fuß erwischt hat.
„Haus zur Sonne“ von Thomas Melle wurde für den Deutschen Buchpreis 2025 nominiert und hat es bis auf die Shortlist geschafft. Wieder einmal merke ich, dass Bücher, die dort landen, nicht unbedingt meine liebsten sind.
Normalerweise gehe ich Romane möglichst unvoreingenommen und ohne viel Vorwissen an. Bei diesem Buch ist mir genau das ein Stück weit auf die Füße gefallen.
Im Nachhinein weiß ich, dass dieses Buch etwas sehr Anspruchsvolles versucht: Innere Zustände und Manie literarisch erfahrbar zu machen. Gerade vor dem Hintergrund, dass Thomas Melle selbst eine bipolare Störung hat, ist dieser Ansatz nachvollziehbar und wichtig.
Der Storyline konnte ich grundsätzlich folgen, sie wirkte aber oft zäh, was vor allem die inneren Zustände des Protagonisten widerspiegelt. Erwartet hatte ich hingegen, wie üblich, ein Buch, das stärker plot- oder charaktergetrieben ist. Bis zuletzt bleiben viele Fragen offen. Besonders das Konzept des Hauses zur Sonne wirft die Frage auf, wozu es nötig ist und was es im Vergleich zum Alltag besser zeigen soll. Gleichzeitig könnte das Haus als Stilmittel dienen, um den Roman stärker wie Fiktion wirken zu lassen, ähnlich wie die Simulationen, die der Protagonist dort erlebt – ein bewusstes Verschwimmen von Wahrheit und Fiktion.
Wer diesen Roman lesen möchte, sollte wissen, dass er eher innerlich, reflektierend und fragend ist, als dass er klassische Spannung oder emotionale Bindung liefert.
Insgesamt ist „Haus zur Sonne“ ein solides Buch, das seinen Anspruch hat, mich persönlich jedoch auf dem falschen Fuß erwischt hat.
Der Anfang war vielversprechend, aber es hat mich dann doch verloren. Gerade mit der 2. Hälfte habe ich mich echt schwer getan.
Da hätte ich lieber nochmal die Mitternachtsbibliothek lesen sollen...
Der Einstieg in das Buch war wirklich stark - atmosphärisch dicht und mit einem spannenden Konzept. Doch je weiter die Geschichte fortschritt, desto mehr verlor sie für mich an Schwung. Der namenlose Protagonist, der mit seiner bipolaren Störung, zwischen Manie und Depression, hin- und hergerissen ist, wirkt unglaublich authentisch - aber genau das macht das Lesen teilweise auch anstrengend. Man ist so sehr in seinen Gedankenschleifen gefangen, dass es schwerfällt, noch Spannung oder Entwicklung zu spüren.
Die vielen Simulationen, die er durchlebt, waren zu Beginn faszinierend, nutzen sich aber mit der Zeit ab. Die Nebenfiguren hätten für mich mehr Tiefe vertragen - vieles wurde angerissen, aber nicht wirklich ausgeführt. Besonders das Haus zur Sonne hatte so viel erzählerisches Potenzial, das leider kaum genutzt wurde.
Positiv fand ich die kurzen Kapitel und einige wirklich zitierwürdige Passagen, die zeigen, wie sprachlich stark das Buch an vielen Stellen ist. Gesellschaftlich ist es ohne Frage relevant und verdient, dass es für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. Thematisch ist es kein leichtes Werk, aber ein wichtiges.
Das Ende hat mich dann allerdings enttäuscht. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit - und es hat für mich leider nicht ganz rund abgeschlossen.
Fazit:
Empfehlen würde ich das Buch vor allem wegen seiner tiefgehenden und ehrlichen Einblicke in die Themen bipolarer Störung, Manie und Depression. Als Geschichte selbst konnte es mich nicht vollständig überzeugen, aber die psychologische Perspektive und die gesellschaftliche Relevanz machen es trotzdem lesenswert.
- - -
Danke an NetGalley und Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar!
Ich hatte Höhen und Tiefen mit diesem Buch, aber leider mehr Tiefen. Die ersten 10-15% fand ich, als Person die die beschriebenen Abgründe leider gut kennt, wirklich schwer zu lesen, obwohl oder weil ich so mitfühlen konnte. Nachdem ich das Buch dann ein paar Tage weglegen musste, wolle ich doch wissen, wie es weitergeht. Die Thematik und den Ansatz finde ich sehr spannend, jedoch kann ich mich vielen anderen nur anschließen, dass der mittlere Teil sich zT sehr zieht und das Ende dann ganz schnell abgefertigt wird, leider.
4,25 ✨️
Das Buch schafft es wirklich, beim Leser ein Gefühl der depressiven Lethargie und Unentschlossenheit zu erwecken, dadurch fühlt man mit dem Protagisten regelrecht mit.
Das Ende hat mich überrascht, da ich selbst bereits mit der Figur abgeschlossen hatte. Offene Enden sind eigentlich nicht meins, aber hier fand ich es passend - der Leser kann entscheiden, was für ihn die "richtige" Fortsetzung ist.
Für meinen Teil weiß ich, dass der Weg noch weiterging.
Nicht nur raumsemantisch behandelt das Buch ein wichtiges Motiv: Das Durchbrechen von Grenzen jeglicher Art (und dabei v. a. die situative Begrenzheit des eigenen Horizonts) für mehr Vertrauen, Zuversicht und Resilienz.
"Etwas funkelte auf, ein Streif im Schwarzen, vielleicht eine Lichtspiegelung, es glitzerte und funkelte, und ich wusste, dass das der Zaun sein könnte und dass der Zaun die Grenze war und dass, wenn ich diese Grenze überquerte, ich entweder frei oder weg wäre. Machte es noch einen Unterschied? Es gab kein Zurück mehr. Das Funkeln kam näher und näher, und ich meinte ein elektrisches Knistern zu hören. Das Knistern übernahm, war überall in der Atmosphäre, in meinen Gehörgängen, in der Luft, in meinem Kopf. Ich lief schneller, noch schneller. Die Füße stampften in den Waldboden. Nie mehr zurück, nie wieder, nirgendshin. Langsam wurde es heller."
✨Shortlist Deutscher Buchpreis 2025✨
Zitat des Schriftstellers aus einem früheren Interview:
„Schriftsteller wollte ich eh immer sein, nur dass genau dieses Thema nun zum meinem bisherigen Lebensthema geworden ist, das hatte ich eigentlich anders eingeplant. Ich hätte gern darauf verzichtet, andererseits ist es eine Aufgabe, eine existentielle Aufgabe, mich dem zu widmen und das in eine Form zu bringen – eine Aufgabe hat auch nicht jeder.“
Thomas Melle bezieht sich hierbei darauf, dass ihn wohl erst seine Erkrankung (er wurde mit der bipolaren Störung diagnostiziert) zu einem Schriftsteller gemacht habe. Davon handelt sein Vorgängerroman „Die Welt im Rücken“.
Aus dieser Erkrankung heraus entwickelte der Autor eine schwere Depression und verlor den Lebenswillen. Das verarbeitete er nun literarisch in „Haus zur Sonne“:
Dabei handelt es sich um eine Klinik. Dort kann man sich noch letzte Wünsche erfüllen und dann auf eigenen Wunsch würdevoll aus dem Leben scheiden. Der Protagonist des autofiktionalen Romans teilt seine Erfahrungen und beschäftigt sich mit der Frage, was zu tun ist, wenn man nicht mehr kann.
Ich denke, Ihr seht bereits, dass es sich um ein sehr sehr schweres Thema handelt. Überlegt Euch bitte vorab, ob Ihr Euch gerade gedanklich mit dem Thema Selbst☠️ beschäftigen mögt. Leider haben viele Menschen nicht diese Wahl. Trotzdem ist man verpflichtet, auf sein eigenes Wohlbefinden zu achten, denn nur so kann man evtl. helfen / versuchen zu helfen.
Grundsätzlich sollte aber jedeR dieses Buch gelesen haben, denn der Autor schafft es, in die Gedanken von betroffenen Personen einzudringen und diese einfühlsam mit der Leserschaft zu teilen. Ich habe es abschnittweise gelesen, damit ich das Gelesene auch verarbeiten kann.
Zitat:
„Sie sind ein wertvoller Mensch, so wird es ihnen jeweils von tausend Seiten zugesichert. Der Einzige, der das nicht glaubt, sind Sie.“
Völlig verdient auf der shortlist für den Deutschen Buchpreis und hätte auch gewinnen können.
Allein der „Plottwist“, die Entwicklung am Ende… keine Spoiler, aber wie heftig ist das bitte. Meine Bewertung beinhaltet den Umstand, dass das Buch thematisch sehr spitz ist und ich den Sprüngen in der Handlung nicht immer folgen konnte. Das Buch war für mich „besser“ als „Die Holländerinnen“, aber „Die Ausweichschule“ hatte mich als Gesamtkunstwerk noch mehr abgeholt. (Alle Bücher waren nominiert, „Die Holländerinnen“ hatte dann gewonnen.)
Macht Euch gern ein eigenes Bild!
4,25/5 ⭐️⭐️⭐️⭐️
Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, da mich die Thematik sehr interessiert. Leider hatte ich mühe richtig rein zu kommen und bin immer wieder abgeschweift. Es liest sich wie ein Fiebertraum und ist von der Sprache sehr sperrig.
Ich musste nach 100 Seiten abbrechen.
Haus zur Sonne war für mich stellenweise etwas verwirrend. Trotzdem habe ich weitergelesen, weil man ständig das Gefühl hat, dass sich die Umstände noch aufklären könnten. Diese richtige Auflösung bleibt meiner Meinung nach aber eher aus. Das kann enttäuschend sein, passt allerdings vermutlich zum Thema des Buches.
Insgesamt lässt sich das Buch sehr leicht lesen, der Schreibstil ist eingängig und flüssig. Inhaltlich hat es mich jedoch nicht wirklich abgeholt und war daher nicht ganz mein Fall.
Gibt der „Nichtdarstellbarkeit“ von Depression eine vielschichtige (be-)greifbare Stimme und zeigt eindrucksvoll-berührend was es bedeuten kann, längst nicht mehr da zu sein aber nicht gehen zu dürfen, bis hin zu einer möglichen „Neuformulierung“.
‚Will, wer nicht mehr leben will, denn wirklich sterben?‘ Dieser Satz hat mich dazu bewogen, mir das Buch zu kaufen. Einen so tiefen Einblick in Depressionen und Manien zu bekommen war absolut überfordernd, überwältigend und erschreckend. Viele Kapitel haben sich enorm gezogen aber ich bin mir sicher, dass dies genau so gewollt ist, um all diese unterschiedlichen Gefühle beim Leser zu wecken (Verzweiflung, Wahn, Realität, Derealisierung, Dissoziation usw.). Zwischen drin hab ich für mich leider das Interesse stark verloren, weil es sich dann doch einfach zu lange gezogen hat. Das Ende habe ich wieder verschlungen und es lässt mich ratlos zurück. Wahrscheinlich habe ich mir auf das Anfangszitat meiner Bewertung eine Antwort erhofft, die es wohl nicht gibt.
Es war recht anstrengend für mich zu lesen, da ich es manchmal etwas hochgestochen empfunden habe und ich viele Wörter nachschlagen musste. Die Geschichte hat mich aber dennoch sehr berührt
Ein Buch dass sehr realistisch und authentisch über das Thema bipolarer Störung informiert und uns diese Sicht zeigt.
Ein Buch das bestimmt nicht für jedenwas ist, weil wie hier unseren Protagonisten begleiten, der immer wieder grübelt und sich manche Sachen wiederholt.
Finde aber genau das, dass ist es was das Buch authentisch und realistisch macht. Auch wenn ich mich bipolarer Störung keine Berührungspunkte habe, hat mich dies in diesem eher dystopischen Setting überzeugt.
Nur bin ich persönlich mit dem Ende nicht zufrieden.
Wer hat das Buch schon gelesen und was sagt ihr dazu? Brauche unbedingt jemand zum Austausch! Bitte melden. Danke 😊
Das Buch hat sich angefühlt wie ein Fiebertraum, ich könnte nicht wiedergeben, was genau ich gelesen habe, aber konnte das Buch auch nicht aus der Hand legen. Durch die kurzen Kapitel wollte ich immer noch eines mehr lesen.
Die Einblicke ins Innenleben eines Manisch-depressiven sind sehr spannend geschildert auch wenn es sehr viele dieser Einblicke gibt, die sich inhaltlich manchmal wiederholen und gleichzeitig trotzdem Neues vermitteln. Generell hat es der Autor geschafft Gefühle aufs Papier zu bringen, was das Buch aber definitiv nicht zu einem feel good Roman macht.
Einiges hätte schon kürzer sein können, vor allem die ersten 2/3 und gegen Ende ist dann relativ viel passiert, gleichzeitig passt diese Art des Aufbaus aber auch zum Buch.
Nichts für zwischendurch, man sollte sich schon darauf einlassen da es meiner Meinung nach kein Buch ist, dass man in wenigen „Sitzungen" durch hat. Trotzdem ein sehr spannender Zugang zum Thema Tod und der Manischen Depression und definitiv auch etwas für Psychologie interessierte.
Ein interessanter Einblick in das Leben und die Gedankenwelt eines psychisch kranken Mannes und ein Gedankenexperiment, auf das man sich einlassen muss. Das ist definitiv ein Buch, das Augen öffnet, aber es hat auch einige Längen, die man überstehen muss.
Geschafft. (Bisschen unter Zeitdruck, da ich es in der Bibliothek zurückgeben muss, aber es hat sich gezogen.)
Ich empfehle vorher "Die Welt im Rücken" zu lesen, worin der Autor nachvollziehbar und eindrücklich sein Erleben der bipolaren Erkrankung beschreibt.
"Haus zur Sonne" baut darauf auf in Form eines Gedankenexperiments: Sterbewillige können eine gute letzte Zeit verleben und mittels Simulationen Erlebnisse haben, die sie sich wünschen. Teil des Vertrags ist am Ende der Tod.
Und was möchte man dann alles noch erleben? Gar nicht so einfach und fällt auch den Klienten nicht leicht zu entscheiden. Was macht noch Sinn, wenn es demnächst sowieso auf den Tod hinausläuft? Und kann der Todeswunsch noch wieder rückgängig gemacht werden?
Der Text ist eine Auseinandersetzung mit dem Wert des Lebens auch im Kontext nicht heilbarer psychischer Erkrankungen, mit assistiertem Suizid, dem freien Willen, einem Machtgefälle in psychiatrischen Kliniken und einigem mehr.
Für mich hätten es allerdings ca 100 Seiten weniger sein dürfen. Vor allem die Beschreibungen der Simulationen haben sich schon in die Länge gezogen.
Für mich ein absolutes Jahres - Highlight. Eine Mischung aus autobiographischen Roman und Fiktion. Sterben oder Leben... Ich erkenne auch Parallelen zu Thomas Manns "Der Zauberberg".
Ein ganz besonderer Roman aus Offenheit, Reflexion, menschliche Tiefe und literarische Anspruch.
So sehr die Geschichte von Hoffnungslosigkeit getragen wird, so blitzen dennoch immer wieder Momente des Lichts auf.
Ein sehr beeindruckendes Werk!
Das war eine jener Lektüren, die mir wohl im Hirn bleiben werden.
Wunderbar gesprochen, meiner Meinung nach, ging es TIEF in mich hinein.
Wer allerdings an Depressionen leidet, sollte davon ABSEHEN es sich anzuhören/ zu lesen.
Denn es zieht nicht nur in den Bann, sondern auch runter.
Kennt noch wer: Veronika beschließt zu sterben, von Paulo Coelho?
Das in negativ, mit endgültigen Ausgang/ Ende.
Es ist berührend, es regt zu Diskussionen an und wird niemanden kalt lassen, bin ich überzeugt.
Meine ABSOLUTE HÖR/ LESE EMPFEHLUNG, für emotional STABILE Menschen!
Idee und Motive unheimlich innovativ, aber musste es abbrechen, da sich Inhalte der Gedankenwelt derart wiederholt und langwierig gestaltet haben, so dass es ein Kampf war bis zur nächsten Seite zu kommen.
Ein Protagonist, der sich immerwährend um sich selbst dreht und die spannende Vision des Haus der Sonne verliert schnell an Reiz.
Das Buch kann sehr heilsam oder sehr triggernd für Menschen mit Depressionen sein. Daher bitte auf euch acht geben. Ich selbst fand es aber einfach viel zu langatmig, was leider alle guten Punkte für mich kaputt gemacht hat.
Ich war irgendwie total neugierig auf dieses Buch und dessen Umsetzung und muss sagen es war komplett anders als ich zuerst erwartet habe.
Mir hat der Schreibstil total gefallen! Ich fand es großartig wie Thomas Melle sich ausdrückt und den Leser an dieser Krankheit teilweise mitfühlen lässt.
Man wurde einfach mitgenommen und durch die Sprache wurde einem ein total persönlicher Zugang zum „Patienten“ ermöglicht.
Ich merke jetzt schon das ich noch etwas länger über dieses Buch nachdenken muss.
Wow. Dieses Buch hat mich extrem berührt. Die Herangehensweise an dieses harte Thema fand ich unfassbar spannend. Ich musste mir Zeit lassen, weil es mich teilweise zu sehr „mitgenommen“ hat und ich Pausen brauchte um das gelesene zu reflektieren. Das tut dem Buch aber keinen Abbruch - ganz im Gegenteil. Von Anfang bis zum Ende war dieses Buch ein echtes Highlight für mich.
Ein schwieriges Buch zu einem Thema, dem ich mich in dieser Intensität noch nicht gewidmet habe (und zum Glück auch nicht musste) - das mich aber stark fesselte und berührte.
Der Plot ist schnell erzählt und es passiert auch faktisch nicht viel - dafür ist die Erzählstruktur und die Sprache wirklich bemerkenswert. Das was die Krankheit des manisch-depressiven Ich Erzählers ausmacht, das finde ich auch im formalen Aufbau. Dieses Hoch und Tief, diese ständigen Schwankungen , die Verzweiflung, die Trauer, aber auch die Hoffnung und der Trost, dies alles erliest und fühlt man in ständigem Wechsel. Zum Teil fühlte ich mich selbst wie in einem Wahn.
Alles ist wirklich grandios erzählt - in einer feinen, poetischen Sprache. Neben dem wirklich beeindruckenden und überzeugenden Einblick in die Krankheit (hier weiß einer, worüber er schreibt), wird zudem der Umgang unserer Gesellschaft mit psychischen Erkrankungen beleuchtet und die Bedeutung von Träumen thematisiert.
Wirklich große Literatur!
Das Haus zur Sonne ist eine staatlich finanzierte Einrichtung für Menschen, die nicht mehr können. Wer dort aufgenommen wird, checkt für mehrere Wochen ein, mit der Bedingung: Am Ende muss jede*r sterben. Davor jedoch werden im „Haus zur Sonne“, mithilfe von hochkomplexen Simulationen, alle Wünsche erfüllt.
einmal Diktator*in sein, ein Leben ohne psychische Krankheit erleben, die Welt aus der Sicht eines Tieres sehen oder die Geheimnisse des Universums entschlüsseln. Alles ist möglich. Nur am Ende steht die Entscheidung über die eigene Todesart. Verführerisch und furchteinflößend zugleich.
Autor Thomas Melle, selbst an einer bipolaren Störung erkrankt, schreibt hier autofiktional und schonungslos ehrlich. Er beschreibt Depressionen, wie sie sind: grau, verzweifelt, ungeschönt, und zeigt dabei eine entwaffnende Offenheit und Verletzlichkeit.
Wir begleiten ihn auf seinem Weg durch das Haus zur Sonne, tauchen in seine Simulationen ein und fragen uns unweigerlich: Was würden wir uns simulieren lassen? Den Super-Bowl-Sieg der Bills? Live dabei? Man wird ja wohl noch simulieren dürfen.
Am Ende steht der Ich-Erzähler da, unsicher, ob das wirklich alles gewesen sein soll. Vielleicht ist draußen gar nicht alles so schlimm? Aber gibt es überhaupt noch ein Draußen, oder ist er längst an Ende angekommen?
Ein starkes Buch – unheimlich(,)ehrlich, unbedingt lesenswert.
Es war schon echt interessant so einen intensiven Einblick in die Gefühlswelt eines Menschen mit einer bipolaren Störung zu bekommen. Trotzdem war es mir zu einseitig ein ganzes Buch nur über Suizid als einzige Lösung zu lesen, dafür war es mir dann doch zu sehr in die Länge gezogen.
Ich war unglaublich berührt vom Buch. Thomas Melle hat mir einen Zugang zu einer Lebenswelt bzw. einer Perspektive geschaffen, in die ich sonst nicht in dieser Tiefe und Neugier hätte vordringen können. Ich finde das Buch insofern spannend, als dass es eine sehr gewichtige Ambivalenz zugänglich macht. Ich bin dankbar und berührt und werde nun „Die Welt im Rücken“ lesen.
Ein sehr interessantes Buch von einem Autor, der (leider) sehr genau weiß, wovon er schreibt. Auch vor dieser Leistung kann man nur den Hut ziehen.
Der Alltag wird zum Schlachtfeld, wenn man psychisch erkrankt ist. Auch heutzutage sind Betroffene noch zu häufig an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt, unverstanden, werden nicht ernst genommen oder gar belächelt und häufig aus Überforderung allein gelassen…. Leider.
Melle schreibt plastisch und ich kann mir das Stück sehr sehr gut auf einer Theaterbühne vorstellen.
Diese Geschichte ist autofiktional und schon in seinem Buch „Die Welt im Rücken“ schreibt er von dem Text „Haus zur Sonne“.
Wir befinden uns in einer Realität, in der der Staat eine Einrichtung finanziert, die es Menschen, die freiwillig aus dem Leben scheiden möchten, ermöglicht dies zu tun. Sehr wahrscheinlich nicht uneigennützig.
Unser namenloser Ich- Erzähler entscheidet sich für genau diese Einrichtung .
Noch einmal darf er sich dort Wünsche und Träume erfüllen. Diese werden durch Simulationen “verwirklicht“.
Wie man sich denken kann, begeben sich Menschen dorthin, die aufgrund von Schicksalsschlägen ihren Lebenswillen verloren haben. Einigen davon begegnet unser Protagonist, kommt manchmal mit ihnen ins Gespräch und baut eine ganz zarte Nähe auf. Trotzdem dies alles kurz und relativ oberflächlich passiert, merkt man den Nebencharakteren die Schwere und Traurigkeit an und spürt zudem die unendliche Traurigkeit und die Last, die sie aufgeben lässt.
Andererseits schafft es der Autor, nicht zu bedrückend zu beschreiben. Es finden sich immer wieder Reflektionen über das eigene Leben, die eigene Erkrankung und wie selbstzerstörerisch diese ist. Es geht in seinem Fall um die bipolare Störung. Unter dieser Krankheit leidet Melle selbst.
Der Autor steht zu Recht auf der Shortlist. Er lenkt den Fokus auf Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen und das empfinde ich als extrem wertvoll. Sein Schreibstil ist flüssig, eingängig und sehr gut verständlich. Ich mochte „Die Welt im Rücken“ schon sehr gerne und bewundere seine Stärke, sich so verletzlich und authentisch zu zeigen.
Man möchte ihm selbst und auch dem Protagonisten seines Textes diese ganze Last abnehmen und das Leben genießen lassen.
Besondere Traurigkeit empfand ich, als ich las, wie oft Melle im „Die Welt im Rücken“ und auch sein Protagonist in „Haus zur Sonne“ das Bedürfnis hatten, sich bei den engsten Mitmenschen zu entschuldigen. Ich kann das total nachvollziehen, dennoch dachte ich die ganze Zeit, dass er doch als erkrankte Person besonderen Schutz verdient. Denn ihm müssen doch diese ganzen manischen und depressiven Phasen am allermeisten ängstigen. Er selbst kann sich nicht von seinem ICH abwenden. Er steckt fest.
Ich wünsche ihm beruflich und privat, dass er sowohl erfolgreich ist aber auch zur Ruhe kommt und irgendwann einfach leben kann.
Eine sehr bewegende Person mit großem Talent.