Das Buch ist irgendwie schwer zu bewerten. Einerseits erzählt es eine interessante, verträumte, melancholische und philosophische Geschichte von 3 Personen in 2 verschiedenen Welten. Andererseits wirft die Kürze des Buches aber auch einige ungelöste wichtige Fragen auf. Für zwischendurch ist es dennoch eine interessante Lektüre mit künstlerischem Buchcover, welche ich empfehlen kann. Schreibstil: ⭐️⭐️⭐️⭐️ Charaktere: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Handlung: ⭐️⭐️⭐️⭐️ Ende: ⭐️⭐️⭐️
Erstaunlich verkrampft...
Meine Leseerfahrung mit "Air" war, vorsichtig ausgedrückt, ambivalent. Leider auch in weiten Teilen enttäuschend. Was als literarisch ambitioniertes Werk antritt, gerät stellenweise zu einer überkonstruierten Demonstration stilistischer Selbstvergewisserung. Für mich erscheint der Schreibstil durchweg darum bemüht, eine Aura intellektueller Exzentrik zu erzeugen. Es wirkt fast so, als strebe der Text danach, sich in der Pose eines esoterischen Intellektuellen zu inszenieren. Diese gewollte Komplexität wirkt auf mich jedoch weniger organisch als vielmehr verkrampft. Die Sätze sind häufig verschachtelt, syntaktisch ungewöhnlich angeordnet und erzeugen nicht selten Verwirrung statt Tiefe. Vermutlich war es als raffinierte Spracharchitektur gedacht, aber es liest sich über weite Strecken wie ein bewusst versperrter Notausgang. Man hat einfach Angst da nicht mehr herauszufinden. Positiv hervorzuheben ist die differenzierte Gestaltung der Dialoge. Insbesondere die anfängliche Trennung der Erzählstränge wird auch sprachlich überzeugend reflektiert. Man erlebt dabei einmal eine unmittelbare, fast direkt wörtliche Rede, dann wieder distanziert und indirekt. Je nach Handlungsstrang. Diese formale Entscheidung verleiht dem Roman zunächst eine gewisse Spannung und lässt auf eine gelungene Zusammenführung hoffen. Gerade diese Hoffnung wird jedoch enttäuscht. Bereits im ersten Drittel stellte sich bei mir die Frage, ob sich die Lektüre überhaupt bis zum Schluss lesen lässt, oder ob ich nicht vorher doch die Reißleine ziehen sollte. Eine Frage, die ich letztlich aus Pflichtgefühl zugunsten des Werkes beantwortet habe. Die dramaturgische Veranlagung ist durchaus vorhanden, doch die erwartete Vereinigung der Handlungsstränge bleibt hinter den Erwartungen zurück. Das zentrale Ereignis kündigt sich frühzeitig an und verliert dadurch erheblich an Wirkung. Schlicht: als der Protagonist sich auf dem Weg zum Serverraum begab, wusste ich in etwa was passieren würde. Die Vorhersehbarkeit nimmt dem Moment jene Wucht, die er eigentlich entfalten müsste. Ein wesentlicher Schwachpunkt des Romans liegt in seiner Figurenzeichnung. Die Charaktere bleiben trotz erkennbarer Ambitionen auffallend flach und schwer zugänglich. Lediglich die junge Protagonistin aus dem zweiten Erzählstrang bietet teilweise einen Ansatzpunkt für emotionale Identifikation. Die beiden erwachsenen männlichen Figuren hingegen, besonders Cohen, wirken überhastet eingeführt und entwickeln kaum greifbare Tiefe. Selbst wenn ihre Eindimensionalität im Kontext des Endes eine gewisse Funktion erfüllen möchte, bleibt sie während des Lesens eher ein Hindernis als ein bewusst eingesetztes Stilmittel. Nicht zuletzt spiegelt sich diese Problematik auch im Lesefluss wider. Die Lektüre zog sich für mich trotz der schmalen 200 Seiten ungewöhnlich in die Länge, ganz gemäß einer subjektiven Interpretation der Relativitätstheorie. Je zäher der Inhalt desto langsamer verging die Zeit. Es fiel mir schwer, mich kontinuierlich zum weiterlesen zu motivieren. Nicht selten fand ich Gründe, das Buch beiseitezulegen. Abschließend lässt sich sagen, dass das Werk selbst sich ein Potential zu einer vielschichtigen Interpretationsfähigkeit wünscht. Hier zeigt sich das nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen können. Trotz alledem ist "Air" ein Roman, der zweifellos seine Zielgruppe finden wird. Leserinnen und Leser, die Gefallen an stilistischer Komplexität und bewusst sperriger Narration haben, werden hier einen Hochgenuss erleben können. Für mich persönlich überwog der Eindruck eines zu sehr gewollten, pseudointellektuellen Werkes, das die eigentliche Erzählung überlagert. Weniger Pose, mehr Substanz hätte dem Werk gutgetan.
"Dinge und Lebewesen existieren und sie existieren nicht, und beides stimmt, gleichzeitig." S. 101
Die beiden Erzählstränge um Paul und Ildr könnten verschiedener kaum sein, nähern sich aber trotzdem an wie zwei Flüsse, die sich an einer Stelle vereinigen. Das Buch habe ich gekauft, da der Klappentext in viele verschiedene Richtungen wies und ich mich gefragt habe, was für eine Geschichte es wird. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das jetzt besser weiß, aber es ist auf jeden Fall spannend, rätselhaft und lädt zum philosophieren ein! Ich habe mir im Anschluss noch den Papierstau-Podcast zu diesem Buch angehört, was mir noch ein paar andere Ansatzpunkte erschlossen hat. Mich fasziniert, dass ich das Buch so gut finde, obwohl es eigentlich viel unerklärt lässt, was ich eigentlich nicht mag. Wer ein Buch zum Nachdenken und diskutieren sucht, das gleichzeitig gut zu lesen und spannend ist, sollte es mit Air versuchen.
Mein erstes Buch von Christian Kracht. Ich fand es vom Schreibstil sehr angenehm zu lesen, die Seiten gingen sehr gut und schnell durch. Zwischenzeitlich war ich etwas verwirrt im Buch, das hat sich aber dann wieder gelegt. Für mich war es ein kurzes Buch zwischendurch, das sich aber gelohnt hat ☺️
Ein super geschriebenes Buch! Kann ich jedem ans Herz legen.
Ein super geschriebenes Buch! Kann ich jedem ans Herz legen.
„Das zweite Mail bat ihn in recht ungelenkem Englisch um eine ganz vorsichtige Renovierung des Hauses von Ingmar Bergman auf der Insel Fårö in Schweden.“ Unerwartet fantasievolle Fantasy!
Eine Reise durch alle Dimensionen
Paul lebt ein ruhiges Leben als Innenarchitekt auf den Orkney-Inseln. Bis er eines Tages von einem Designmagazin den mysteriösen Auftrag bekommt, eine Halle in Norwegen „im perfekten Weiß“ zu streichen. Parallel dazu begegnet das Waisenmädchen Ildr auf einem Jagdausflug einen verletzten Fremden. Sie päppelt ihn auf, bis sie gemeinsam vor den Soldaten des Herzogs fliehen müssen. Etwa ab der Mitte des Romans wird nach und nach deutlich, wie der Erzählstrang der realen Welt und der Erzählstrang in Ildrs Welt miteinander zusammenhängen. „Air“ ist eine literarische Reise, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion kunstvoll verschwimmen. Christian Kracht schreibt präzise und atmosphärisch, voller subtiler Anspielungen, lakonisch und trotzdem mit überall versteckten Details. In den wenigen Seiten steckt so so so viel! Die Geschichte hat mich immer wieder an die Serie „Dark“ erinnert. Krachts Bücher sind sind fordernd und verwirrend, aber immer ein Erlebnis. „Air“ bildet da keine Ausnahme.
Ein faszinierendes Buch, dessen Sinn ich nicht begreife, das mich dennoch in seinen Bann gezogen hat.
Das Buch hält mich über sein Ende hinaus gefangen. Ich weiß nicht warum. Ich kann den Sinn der Geschichte nicht entschlüsseln. Ich habe Fragen. Ich weiß nicht welche Ebenen diese Geschichte in mir anspricht, aber sie tut es intensiv. Ich habe Fragmente gelesen und doch das Gefühl einen großen Abenteuerroman abgeschlossen zu haben. Ein wirklich interessantes Buch.
Ich bekam dieses Buch zum Geburtstag geschenkt und begann es ohne jegliches Vorwissen. Eine Geschichte, die aus zwei parallelen Dimensionen besteht, hier unsere Welt, dort eine ferne, fremde Welt mit eigenen Regeln. Ich möchte gar nicht auf den Inhalt eingehen, sondern eher auf das Gefühl, das dieses Buch bei mir auslöste und das war eine stete Neugier, die aber bisweilen unerfüllt blieb. Ich wollte mehr wissen und verstehen und da blieb das Buch mir vieles schuldig. Es war weder Schund noch der große Wurf für mich. 3 von 5 weiß gestrichene Wände.
Ildr und Paul? Eismeer, das Leben der anderen. Utopie
Spannend und gut .. ich konnte es nicht weglegen bis es ausgelesen war.

Der Klappentext weckt Erwartungen, die sich beim Lesen nicht wirklich erfüllen. Trotzdem spannendes Konzept hinter der Geschichte. Lesen lohnt sich, würde es aber nicht jedem/r empfehlen.
Die Prämisse von Air hat mich zu Beginn eher irritiert. Der Klappentext weckt Erwartungen, die sich beim Lesen nicht wirklich erfüllen. Man geht mit einer bestimmten Vorstellung an den Roman heran, die zunächst recht glatt und ästhetisch wirkt. Im Zentrum steht ein Innenarchitekt, der einen ungewöhnlichen Auftrag erhält: Er soll für einen Kunden das perfekte Weiß finden. Genau mit dieser Ausgangslage bin ich in die Geschichte eingestiegen und war dann überrascht, wie schnell sie sich in eine ganz andere Richtung entwickelt. Relativ schnell verschiebt sich die Geschichte in eine andere Welt. Man landet in einer mittelalterlich anmutenden Realität, in der der Protagonist auf einen Mann trifft, der ihm selbst sehr ähnelt. Nach und nach wird klar, dass es sich um eine Art Paralleldimension handelt. Das Ganze ist dabei aber überhaupt nicht science-fictionhaft oder besonders abgehoben, sondern ruhig, archaisch und fast märchenhaft erzählt. Er begegnet einem jungen Mädchen, mit dem er einen Großteil der Handlung verbringt, während sie gemeinsam vor einem Herzog fliehen. Die Handlung selbst ist eigentlich sehr klassisch aufgebaut. Es gibt verschiedene Stationen: Sie werden verfolgt, angegriffen, frieren fast, ziehen weiter. Auf der Oberfläche passiert also gar nicht so viel Komplexes. Gleichzeitig hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass unter dieser einfachen Handlung sehr viele Themen liegen. Für mich schwang im Hintergrund eine deutliche Konsumkritik mit, ebenso wie eine Auseinandersetzung damit, wie sehr der Mensch versucht, sich alles schön und bequem zu machen, während Funktionalität, Notwendigkeit oder sogar das bloße Überleben in den Hintergrund treten. Auch Fragen nach Identität und den unterschiedlichen Rollen, in denen man existiert, spielen für mich eine große Rolle. Das Buch wirkt dabei sehr konzeptionell und abstrakt, obwohl es sich vordergründig leicht lesen lässt. Man muss einige gedankliche Schritte gehen, um zu erfassen, was hier vielleicht alles verhandelt wird. Sprachlich fand ich Air interessant. Die Erzählsprache ist insgesamt gut zugänglich, aber klar gehoben. Besonders auffällig sind die Dialoge, die oft sehr kurz, fragmentarisch und in einer fast stichpunktartigen Abfolge geschrieben sind. In einem anderen Buch hätten mich diese Dialoge vermutlich gestört, weil sie gleichzeitig sehr nach Sprechsprache klingen und doch überhaupt nicht realistisch wirken. Hier haben sie für mich funktioniert, weil sie sich konsequent dem funktionalen Konzept des Romans unterordnen. Sie wollen nicht natürlich klingen, sondern erfüllen einen bestimmten Zweck. Insgesamt hat mir das Buch wider Erwarten gut gefallen, vor allem weil es mich überrascht hat. Normalerweise lese ich mittelalterliche Settings nicht besonders gern, hier hat es für mich aber funktioniert. Trotzdem ist es kein Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen würde. Es lebt stark von Atmosphäre, Idee und Konzept und weniger von einer mitreißenden Handlung. Wer überlegt, es zu lesen, sollte im Buchhandel am besten vorher einmal hineinlesen, besonders in die Dialoge, um ein Gefühl für den Stil zu bekommen. Von mir bekommt Air 3,5 Sterne.
Nun muss ich doch zum ersten Mal ein paar Sätze zu einem Buch schreiben!
Dieses Buch hat mich mit so vielen Fragezeichen im Kopf sitzen lassen. So etwas hatte ich bisher noch nicht und das meine ich sogar eher positiv. Es wird sicher noch einige Male vorkommen, dass plötzliche Gedanken an das Buch, die Protagonist*innen, Schauplätze und Handlungen in meinem Kopf "aufpoppen". Die knapp über 200 Seiten sind Ruckzuck gelesen und ich würde sie jedem empfehlen, der Lust auf etwas außergewöhnliches und kurzweiliges hat. Ob es für jeden Geschmack etwas ist...I doubt it! Sollte jemand am Ende die "Lösung" für dieses Buch gefunden habe...immer her damit!
Schon nach dem ersten Kapitel regt mich Paul richtig auf. Was für ein Sinnbild nervtötend charakterloser Männlichkeit. Am Ende habe ich den Teil des Buches noch am meisten genossen, als alles was nach dem abgespacten Plottwist kam. Ich denke es wird mein erstes und letztes Kracht-Leseerlebnis gewesen sein. Es kam halt einmal so halb was zu den Färöern drin vor, deshalb wurde der Roman mir gegenüber ab und an erwähnt. Es siegte die Neugier. Einziger Bonus: Sie essen viel Fisch und es gibt fantastische Arktisimaginationen.
Dei Einfachheit und Klarheit der Sprache hat mir gefallen und ebenso, wie der Bogen aus der Echtzeit-Wirklichkeit im einr Fantasy-Vergangenheit gespannt wurde. Habe es sehr gern gelesen.

Die Dunkelheit hinter den Sternen, ist unerträglich.
AIR ist eine Geschichte die sich mehr wie ein geschilderter Traum anfühlt, als ein Roman. Wir begleiten einen Fremden, dessen Namen wir nicht kennen, welcher uns aber durchaus vertraut zu sein scheint, gleichwohl einen Protagonisten, der keine Persönlichkeit hat. Es ist ein kleines Mädchen, wessen klindliche Neugier der Geschichte Leben einhaucht. AIR ist eine phantastische Geschichte, die den Eindruck erweckt, Zeuge eines Traums zu sein, da die Erzählweise sehr Sprunghaft und dennoch gewaltig ist. Wir tauchen in eine Welt ein, die wir kennen ohne jemals von ihr gehört zu haben. Christian Krachts Sprache ist extrem gewählt und kein Wort ist unbedacht. Sie ist geschwollen und verlangt volle Aufmerksamkeit. So sehr, dass der Leser nicht bemerkt wie die Linien der Realitäten in AIR verwischen. Leider fühlt sich die Handlung durch ihre Traumhaftigkeit sehr rastlost an, als wäre es Buch 2 einer Trilogie. Wie ein jeder Traum ended die Geschichte abrupt und lässt viele Fragen offen, jedoch verpasst sie es nicht, dem Leser im letzten Moment das Herz zu zerreißen.
KRACHT’SCHE UNEINDEUTIGKEIT Paul lebt in der Hafenstadt Stromness auf den Orkney Inseln vor der Küste Nordschottlands in Abgeschiedenheit und einer Natur deren Rauheit und karge Tristes zwar durch die täglich auftauchenden Nordlichter durchbrochen wird, welche ihren Zauber auf Paul aufgrund der Gewöhnung allerdings bereits verloren haben. Paul ist Innenarchitekt und seine Spezialität liegt darin, Immobilien, die zum Verkauf stehen, für potenzielle Käufer*innen einzurichten, sodass für diese ein Leben in der jeweiligen Wohnung oder dem Haus vorstellbar wird. Allerdings füllt er diese nur auf Zeit „mit Schönheit und Inhalt und Sinn“, da das Interieur nach Verkauf wieder an den Verleih zurückgeht. Zudem hat Paul ein Talent für Farbgestaltung. So half er er bereits dem Herzog von Cumberland bei der Auswahl der richtigen Rots für eine seiner Wände, was den Herzog dazu veranlasste, ihm das mittelmäßige Gemälde „Merlin und Lancelot“ von James Archer zu schenken. Diese Referenz in Pauls Biographie führt dazu, dass eines Tages eine Jobanfrage seines liebsten Design-Magazins „Küki“ und dessen Herausgeber Cohen in seinem Postfach landet. Er solle für Cohen das perfekte Weiß finden, mit dem eine große Halle im norwegischen Stavanger angestrichen wird. In Stavanger angekommen, offenbart Cohen seinem Gast, dass „Küki“ für ihn nur eine Fassade und nicht mehr als ein Nebenprojekt sei, vielmehr interessiere er sich für vorchristliche Religionen und Kulte sowie Mystik. Das perfekte Weiß solle Paul allerdings wirklich finden, da sich unweit von Stavanger das „Green Mountain Data Center“ finde, eine durch Meerwasser gekühlte, gigantische Serverfarm, die einen Großteil der Daten unserer Welt enthalte und deren Hallen in makelloses Weiß gefärbt werden solle. Während der anschließenden Besichtigung der Hallen kommt es zu einer Sonneneruption und die dadurch ausgelöste elektromagnetische Strahlung setzte kurzzeitig die Stromversorgung der Serverfarm außer Kraft und als die Lichter wieder angehen, ist Paul verschwunden. Auf einer zweiten Erzählebene und alternierend zu Pauls Geschichte und der anschließenden Suche Cohens nach ihm, erzählt Kracht die Geschichte von der jungen, verwaisten Mädchens Ildr, die in einer archaischen Welt lebt, in der die Gewissheiten unserer Realität umgekehrt werden. Ildr schießt zu Beginn der Geschichte einen Fremden mit ihrem Bogen an, rettet diesen anschließend und die beiden fliehen vor den Schergen des despotischen, einem Kult anhängenden, Herzogs dieser Welt. Ist Pauls Geschichte genretypologisch wohl am ehesten eine Reflexion über Medialität und Ästhetik unserer Gegenwart, die sich der Mittel des Gesellschaftsromans und des Thrillers bedient, so schöpft Kracht bei der Konstruktion seiner Otherworld aus Versatzstücken der Fantasy- und Science-Fiction-Literatur. Erscheinen die Prämissen dieser beiden Geschichten auf den ersten Blick erstmal nicht viel miteinander zu tun zu haben, so wäre Kracht nicht Kracht, wenn die Erzählanlage nicht in ein wohldurchdachtes Rätsel und Suchspiel für seine Leser*innen münden würde. So ist die Welt Ildrs nicht nur eine Anderswelt, sondern auch als eine Art Upside-Down von Pauls und Cohens Realität gebaut. Exemplarisch werden z.B. Hunde auf der einen durch Katzen auf der anderen Ebene gespiegelt, Kampflugzeuge werden zu Papierflugzeugen, die Anleitung zum 3D-Druck einer Waffe wird zu eben dieser und Gedankenexperimente über die Dimensionalität unserer Welt erfolgen auf beiden Ebenen. Was hier nun wie die Lektüre für ein literaturwissenschaftliches Proseminar mit thematischen Schwerpunkten wie Medialität, Narratologie oder Intertextualität klingt, funktioniert allerdings auch auf der Oberfläche der reinen Handlung, auch wenn man diesen Roman wahrscheinlich eher nicht liest, um dem Plot zu folgen, als vielmehr, um Krachts Brotkrumen zu folgen und seine Spuren zu entschlüsseln. So legt Kracht mit „Air“ einen Roman vor, der der sich nicht in Plotlogik oder Weltbau erschöpft, sondern die literarische Erzählform selbst ins Zentrum rückt. Zwischen digitaler Auslöschung, Modernekritik, ästhetischer Reinheit und existenzieller Leere entspinnt sich ein Vexierspiel, das Fragen stellt, ohne Antworten zu behaupten. Ein Buch, das atmosphärisch verdichtet, was sich in Worten nur andeuten lässt, das sich gängigen Genrezuordnungen und einfachen Deutungen entzieht und so in seiner Aussage im Modus eines Schwebezustands verbleibt, der selbst eine unmittelbare Wiederholung der Lektüre im Anschluss an den ersten Durchgang zu einem (wenn nicht gar größeren) Vergnügen macht, da man mit dem Wissen im den weiteren Fortgang der Handlung immer weitere Details dieses Textes erkennt. Zwar nicht Krachts bester, aber trotzdem ein typischer Kracht! Leseempfehlung! Danke an den @kiwi_verlag für das Rezensionsexemplar (auch wenn es nicht angefragt war).
Habe ich etwas nicht mitbekommen?
Zu Beginn war meine Hoffnung für dieses Buch sehr groß. Die reale Welt wurde detailliert und schön beschrieben, auch mit der Handlung konnte ich was anfangen. Doch mit der neuen Welt kam für mich ein logischer Bruch, welcher nicht wieder aufgelöst wurde. Bis zum bitteren Ende hatte ich auf einen schönen Kunstgriff gehofft, welcher die Geschichte abrundet. Doch vergebens… Wie erwartet war es plump, sowohl die Handlung, als auch jeder Versuch technologische Tiefgründigkeit einzubinden.
Ich war zeitgleich ergriffen, betrübt und erfreut. Dieser Roman stellt, hat man sich erst mit so mancher schweizerischen Eigenheit des Autors angefreundet, eine Reise durch die Gefühlswelten dar. Trotz verhältnismäßig weniger Seiten schafft es Herr Kracht, eine Bindung zwischen seinem Leser (ich kann nur von mir selbst sprechen) und den beiden Hauptcharakteren aufzubauen, wie es sonst nur schwere Wälzer zu tun vermögen. Das Ende war, auch wenn ich es lange kommen sah, schockierend. Absolut lesenswert!

Überraschend toll!
Man soll ja kein Buch nach dem Cover beurteilen... Und bei diesem Buch stimmt das ganz besonders. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der doch oftmals akribisch und detaillierte Erzählweise des Autors hatte mich dad Buch ab dem zweiten Kapitel. Die Geschichten von Paul, Ildr, Ut und Cohen sind so wahnsinnig schön flüssig erzählt. Und man fragt sich, wie die Geschichte ausgeht. Ich bin sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben.
Unfassbare Schreibkunst, erneut.
„AIR“ ist Magie und seziert unseren Zeitgeist. Mich erinnerte es am ehesten an Krachts „1979“, etwas weniger hektisch, etwas stringenter erzählt. Jedes Detail scheint bestens durchdacht. Oder vielleicht sogar zu symbolhaft eingefügt? Da ist zum einen Paul, wohnhaft in Schottland, und unterwegs zu einem Auftrag nach Norwegen für sein liebstes und äußerst exklusives Independent-Einrichtungsmagazin Kūki (japanisch für „Luft“). Und da ist die 9-Jährige Waise Ildr, die auf der Jagd im Wald ausversehen einen Fremden mit Pfeil und Bogen durchbohrt. Beide müssen vor dem Gelben Tod und dem Herzog Richtung Eismeer fliehen. Und dann kommt wieder eine halbe Seite Beschreibung, wie der Protagonist Paul seiner einäugigen Katze das leere Auge vorsichtig ausputzt. Ab einem bestimmten Punkt in der Erzählung verweben sich die zwei Handlungsstränge zu einem und das Puzzle wird mehrmals neu zusammengesetzt. Das Schlussbild hat mich überrascht und doch wurde ab Kapitel 1 offensiv darauf hingearbeitet. Etwas sprachlos blätterte ich dann erneut die Seiten durch und fand die vielen Andeutungen. Ähnlich den bekannten Bildern von M.C. Escher kann man zwar sehen, aber nicht komplett verstehen, wo genau der Gegenstand in die unmögliche Dimension gezogen wurde. Auf den ersten Blick sieht alles richtig aus. Bleibt nur zu staunen angesichts dieser Kühnheit, Präzision und Brillanz.
Es fühlt sich ein bisschen an wie eine Kurzgeschichte. Schnell, ohne große Biegungen und mit einem Worldbuildung, dass wohl schlüssig ist, aber dennoch wenige Fragen beantwortet. Alles fühlt sich irgendwie real an. Man könnte es ein zweites Mal lesen und sich überlegen, was der schleichende Verlust der Dimension bei Paul zu bedeuten hätte oder die Krankheit oder der Glauben an den Kreis oder der Meteoriteneinschlag. Aber warum eigentlich? Man hat die Reise mitgemacht. Mal wieder atemlos und auf seine ganz eigene Art und Weise spannend. Wobei bei Air irgendwie die Beobachtungen weniger mannigfaltig sind als z.B. bei Faserland. Und dennoch: die Reise anzutreten war kein Fehler. Ist es bei Kracht glaube ich nie.
2,5 ⭐️ Ich weiß nicht so wirklich was ich von dem Buch halten soll. Es war mal etwas komplett anderes und kein Vergleich mit dem was ich sonst lese. Es ist sehr detailliert geschrieben, wodurch man sich manche bizarren Szenen besser vorstellen konnte. Ich finde es war super schwer in das Buch reinzukommen. Man weiß nicht wirklich, was jetzt genau los ist und generell hatte ich viele Fragen in meinem Kopf. Es war wie ein kleines Puzzle was zu lösen war und je weiter man gelesen hat, desto besser konnte man die Puzzleteile zusammen setzen. Aber trotzdem (und das finde ich sehr interessant), wurde mir nicht alle Fragen beantwortet und ich muss noch ein paar Tage darüber nachdenken. Vor allem über das Ende. Implizit verweist das Buch auch auf einen tieferen Sinn und auch auf den Abgrund der Menschen. Das Ende war super spannend und auch ein wenig unerwartet und der Schluss nicht eindeutig. Mir hat es gefallen aber so ganz bin ich nicht damit warm geworden.
Pauls Geheimnis seines erfolgreichen Einrichtens auf Zeit war, daß er den Menschen ihre eigene herrliche Zukunft aufzeigen konnte, eine Zukunft, die in der jeweiligen Immobilie schon enthalten war, aufschimmerte, dann aber wieder verschwand. Als ob er es möglich machen könnte, den Menschen die Kulissen eines nur kurz inszenierten, aber besonders gelungenen schauspielerlosen Theaterstücks zu zeigen, und sie sich infolgedessen wünschten, ihr Leben könne immerfort so sein, ohne ungeordnete Stapel von noch nicht bezahlten Rechnungen in der Ecke, ohne leere Milchtüten, ohne Toilettenrollenhalter, Energiesparbirnen und Wäschekörbe voller gebrauchter Unterhosen und einzelner Socken. Paul war in den Augen seiner Kunden, obwohl sie und er das niemals so formulieren konnten, ein Magier, der ihnen half, den entropischen, furchtbar deprimierenden Zustand des Lebens zu überlisten. -Zitat, Seiten 44,45 Nicht ohne Grund hat Christian Kracht seinem Roman das titelgebende "Lied des Wanderers Aengus" vorangestellt, ein Gedicht von William Butler Yeats, welches im Jahre 1897 auch unter dem Titel "A mad song" veröffentlicht wurde. Das Gedicht voller mystischer Sehnsucht und tiefem Verlangen veranschaulicht, wie -in diesem Fall- unerwiderte Liebe, aber auch generell, unerfüllbare Träume, die sowohl die Energiereserven eines Menschen erschöpfen und gleichzeitig dessen Fantasie beflügeln können. Fasziniert von dem "schimmernden Mädchen", welches in eine Art Zwischenraum entschwindet, welcher gleichzeitig das Reich der Träume und die reale Welt zu berühren scheint, ist der rastlose Wanderer bestrebt, auf seiner Suche nach der unerreichbaren Schönheit diese Welten zusammen zu bringen, was ihm selbst eine Aura von Leid, aber auch Schönheit verleiht. Mit diesem Ausflug in die mystische und melancholische Poesie im Sinn, starten wir nun in diese Geschichte, die zunächst auf zwei Ebenen stattfindet. Da ist einmal der Magier der Inneneinrichtung namens Paul, der nach einem Auftrag für einen Herzog, ein Gemälde von James Archer geschickt bekommt, auf dem die schwer angeschlagenen Helden Merlin und Lancelot abgebildet sind. Nachdem der Protagonist dieses Bild sein eigen nennt, kann er sich vor Aufträgen kaum retten, und genießt schließlich gewisse Extravaganzen, zu dem sein Domizil auf einer steinigen schottischen Insel zählt. Doch dann erhält er eine Anfrage von einer norwegischen Zeitschrift, die er abonniert hat und die in mehr als einer Hinsicht reizvoll erscheint. Auf der zweiten Erzählebene begegnen wir dem Mädchen Idlr, die gerade ihre Mutter an die "gelbe Seuche" verloren hat und in einer Umgebung lebt, die einem Gemälde von Henri Rousseau entspricht. Sie hat großen Hunger und versucht, ein Waldtier zu erjagen. Doch ihre Pfeile durchbohren einen rätselhaften Fremden, der aus einer anderen Welt stammt. Liebevoll pflegt sie den Verletzten, doch es tauchen Soldaten auf und der Fremde scheint nicht überrascht, dass der Herzog ihn sucht. Auch scheint er eine geheimnisvolle Waffe in seinem Beutel zu tragen - ist er vielleicht ein Magier und werden seine Fähigkeiten den beiden auf der Flucht helfen? Bald wird dem Lesenden die Verbindung der zunächst getrennten Handlungsstränge klar, aber eine Geschichte zum Rätselraten zu erzählen, das ist nicht der Stil von Christian Kracht. Vielleicht hat er sich ja tatsächlich mal das Gemälde von James Archer intensiver angeschaut und sich überlegt, wie er die Darstellung zum Leben erwecken und mit einer modernen Geschichte verbinden kann. Vielleicht war es aber auch ganz anders, und überhaupt ist es wohl die Stärke des Autoren, so viele Variablen in seinem Werk anzubieten, dass jeder was zum Interpretieren hat. Daher sind diese ganzen Worte am Ende nur Gedankenspiele, aber Christian Kracht macht das sehr gut. Persönlich hätte er auf die computerspielartigen Szenen, bei denen gefühlt ein Bodycounter mitläuft und auf das eisige Fantasy Utopia verzichten können. Aber wie Anfang und Ende des Romans in Harmonie stehen, ist sehr gelungen. Und am Ende steht vielleicht die Frage, was ist mein persönlicher Sehnsuchtsort? Und vielleicht bringt die Geschichte auch mehr Gelassenheit, denn verlassene Orte werden Teil des gleichmütigen Rythmus der Natur - die einfach so funktioniert, ohne Strom und ohne die unermüdliche Schaffenskraft des Menschen. FAZIT Der Auftakt mit der Beschreibung des Wohnzimmers von Paul war wunderbar plastisch und die Geschichte um den Protagonisten auch sehr humorvoll verfasst. Die zweite Handlungsebene hat mich sehr stark an "Das letzte Einhorn" erinnert. Manchmal war mir die Handlung und die Ausarbeitung der Schauplätze etwas zu flach, gerade zum Ende hin hatte ich manchmal das Gefühl, dass nicht mehr so viel kreative Energie im Schreiben steckt. Ich habe es geliebt, wie Motive und bestimmte Phrasen wiederholt eingebaut wurden, auch wenn ich vermute, dass der Autor auch falsche Fährten legt. Und ich vermute, dass er sich mit der Morgenstern Reihe von Karl Ove Knausgård beschäftigt hat, es liegen auch dessen Bücher im Schaufenster der norwegischen Buchhandlung. Ob modernes Märchen oder reines Gedankenspiel, die Reise des Airman hat mich abgeholt. Wer will auch mit auf die große Suche?
Manchmal, wenn ich so Werke von erwachsenen Männern lese, denke ich mir… diese „tiefen“ Gedanken hatte ich mit 16. Insgesamt interessante Prämisse der Story, aber am Ende ein einfach nur langweiliges Buch, un-entertaining Schreibweise und lässt Raum für (zu viel) Interpretation. Ich frag mich am Ende einfach nur: why (did i read this)? Definitiv mein letzter Kracht 🥲
Komplex aber einfach beschrieben
Eine komplexe Story gut und einfach beschrieben. Respekt an den Autor. Liest sich wirklich flüssig. Viele Details zwischen oder in den Sätzen. Dafür lohnt es sich es schon zu lesen. Beispiel: „Das Leben ist voller Sorgen, aber auch nicht wirklich.“ Meine Resümee - es fängt stark an, fesselt den Leser. Die Grund Idee ist klasse, wenn auch etwas vorhersehbar. Leider gibt es dann ungereimtes bzw. Nicht gut beschriebene Passagen (Stichwort Cohen). Es fühlt sich an als fehlt etwas um der Story zu folgen. Das Ende ist schnell zusammengefasst und fühlt sich an dass es schnell fertig werden musste. Schade. Finale gebe ich keine Spoiler, daher gehe ich nicht weiter drauf ein. Buch ist gut, aber leider kein Highlight, bin aber nicht enttäuscht es Gelsen zu haben. Und mal was anderes.
Kurzweilig und sehr unterhaltsam
Das Buch spielt am Anfang in zwei verschiedenen Ebenen, am Ende ist es aber nur noch eine. War mein erster Kracht und es hat mir echt gut gefallen. Also, klare Empfehlung!

Für alle, die sich auf ein literarisches Abenteuer einlassen möchten, das zwischen Realität und Mythos pendelt, ist 𝘈𝘪𝘳 eine empfehlenswerte Lektüre.
☄️ 𝘞𝘦𝘪𝘴𝘴𝘵 𝘥𝘶, 𝘸𝘦𝘳 𝘢𝘭𝘭𝘦 𝘋𝘪𝘯𝘨𝘦 𝘪𝘯 𝘴𝘦𝘪𝘯𝘦𝘮 𝘦𝘪𝘨𝘦𝘯𝘦𝘯 𝘚𝘦𝘭𝘣𝘴𝘵 𝘴𝘪𝘦𝘩𝘵, 𝘶𝘯𝘥 𝘴𝘦𝘪𝘯 𝘦𝘪𝘨𝘦𝘯𝘦𝘴 𝘚𝘦𝘭𝘣𝘴𝘵 𝘪𝘯 𝘢𝘭𝘭𝘦𝘯 𝘋𝘪𝘯𝘨𝘦𝘯, 𝘥𝘦𝘳 𝘷𝘦𝘳𝘭𝘪𝘦𝘳𝘵 𝘢𝘭𝘭𝘦 𝘍𝘶𝘳𝘤𝘩𝘵. ⁽ᵁᴺᴮᴱᶻᴬᴴᴸᵀᴱ ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ ⁻ ˢᴱᴸᴮˢᵀᴷᴬᵁᶠ⁾ 💭 𝘈𝘪𝘳 war mein erster Roman von Christian Kracht, und ich war gespannt, was mich – und den Protagonisten Paul – erwarten würde. Die Geschichte beginnt auf zwei Zeitebenen: In der Gegenwart begleiteten wir Paul, einen Innenarchitekten, der den Auftrag erhält, ein Rechenzentrum in Stavanger, Norwegen, mit dem perfekten Weiß zu streichen. In der zweiten Zeitebene finden wir uns in einer keltisch anmutenden, vorchristlichen Welt wieder – ein Übergang, der mich zunächst verwirrte. Die ersten Seiten sind atmosphärisch dicht und szenisch geschrieben, besonders seine Hütte in der kleinen schottischen Stadt Stromness und die Zeit in Stavanger haben mir gefallen. Doch dann ereignet sich eine Sonneneruption, die Pauls Realität erschüttert. Obwohl der Schreibstil flüssig bleibt und viele spannende Ideen präsentiert werden, fühlte ich mich in Stavanger hängen geblieben und in dieser neuen Welt etwas verloren. Die Verbindung zwischen den beiden Ebenen ist zwar vorhanden, doch einige Fäden bleiben für mich lose. 𝘈𝘪𝘳 ist kein Roman für diejenigen, die eine geradlinige Geschichte erwarten. Es ist vielmehr ein literarisches Rätsel, das zum Interpretieren und Diskutieren einlädt. Die Charaktere sind faszinierend, das Setting ungewöhnlich, und die Fragen, die der Roman aufwirft, begleiten mich vor allem auch nach der Lektüre. Ich hätte gerne mehr Zeit mit Paul in Stavanger verbracht, doch die Reise, die Kracht hier anbietet, ist einzigartig und herausfordernd zugleich. Für alle, die sich auf ein literarisches Abenteuer einlassen möchten, das zwischen Realität und Mythos pendelt, ist 𝘈𝘪𝘳 eine empfehlenswerte Lektüre. ⭐️⭐️⭐️
Abgebrochen nach 100 Seiten. Hat mich überhaupt nicht erreicht und mich extrem gelangweilt.
Sternebewertung fiktiv
„Das Leben war voller Sorgen, aber auch nicht wirklich. Es war eine Zeit, in der viele Dinge schnell erworben und dann wieder vergessen wurden.“ Seite 11 Die Geschichte beginnt in einer kleinen Stadt in Schottland. Paul, ein Schweizer Inneneinrichter, lebt dort scheinbar unbedeutend, bis ihm zwei neue Aufträge angeboten werden. Er entscheidet sich für den vermeintlich einfacheren. Einen Raum in einem norwegischen Datenzentrum neu zu streichen. Eine Aufgabe ohne Besonderheiten, und plötzlich verschwindet Paul in diesem Raum. Wir tauchen in eine Parallelwelt ein, die sich wie ein düsteres, mittelalterliches Universum anfühlt. Paul befindet sich plötzlich dort, ein kleines Mädchen namens Ildr an der Hand und ist auf der Flucht vor einem bedrohlichen Fürsten. Die beiden Welten beginnen sich miteinander zu verflechten. Das reale Leben, die erlebte Parallelwelt, und Pauls eigenes Bewusstsein vermischen sich zusehends. Der Autor schafft mit AIR ein unruhiges, fast beängstigendes Universum. Was in Pauls realem Leben Bedeutung hat, seine Werte, sein Beruf, seine Entscheidungen wird in der anderen Welt zu einem unheimlichen Spiegelbild. Manche Passagen musste ich zweimal lesen, um den Verlauf besser zu verstehen. Die Geschichte funktioniert wie eine Metapher, eine große mit verschlüsselter Frage nach Identität, Erinnerung und dem, was bleibt, wenn wir selbst nicht mehr da sind. Der Roman ist kein typischer Kracht. AIR ist dabei alles andere als einfach, es ist fordernd, verstörend, und gerade dadurch intensiv. Besonders das Ende hallt nach. Die Parallelwelt endet dort, wo die Geschichte in der realen Welt begonnen hat. Zumindest habe ich es so empfunden. Das verstärkt die Grundfragen des Romans noch einmal. AIR ist ein Anklopfen an unsere Gedanken, an unsere Werte, an das Leben selbst. Kein klassischer Kracht, aber ein wirklich verrückter, der ein zweites Lesen einfordern kann und Ruhe braucht.
Verwirrend
Ein Märchen? Es liest sich so schön wie ein Märchen und ist auch so mystisch. Man kann soviel hinein interpretieren. Es macht den Eindruck als suche der Protagonist nach minimalistischem Lebensstil und Ästhetik. Eine Geschichte um ein Gemälde? Ich verstehe es nicht, dennoch habe ich es mit Begeisterung gelesen.
So seltsam und doch so angenehm zu lesen.
Irritierend, spannend, ratlos machend und auf jeden Fall lesenswert. Anders als meine bisherigen Erfahrungen mit Kracht... und ich glaube, diese Überraschung in seiner Leserschaft wird ihn freuen. Er ist halt nicht einzuordnen. Werde ihm also weiterhin treu bleiben 😁
Ich kann dieses Buch nicht wirklich raten, weil es mich ratlos zurücklässt. Was hat Kracht bewegt dieses Buch zu schreiben? Erlaubt er sich einen Scherz mit uns? Ist das nun das geniale Werk eines Autors in seinen mittleren Jahren? Oder doch nur müdes Alterswerk? Ist es vielleicht kompletter Kitsch & Schund? Oder doch eine komplett durchironisierrte Campfantasie & damit eins der besten Bücher die dieses Jahr schon erschienen sind oder erscheinen werden? Ich kann es echt nicht sagen. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht für ein Buch, wenn es einen so ratlos zurücklässt.
Ehrlich gesagt, mich hat das Buch nicht gepackt. Der Klappentext und das Cover hatten mich angesprochen. Da nur wenige Seiten vorhanden waren und die Schrift relativ groß war, habe ich das Buch innerhalb 4 Tagen ausgelesen. Die Story ist mMn seltsam. Gepackt hat sie mich nicht. Sympathien konnte ich durchaus zu Ildr aufbauen, sonst zu keiner Person. Fragen lässt die Story auch viele offen. Für mich kein Lesevergnügen.
Munteres Rätselraten mit Christian K. Zwei Erzählebenen, die mit der Zeit ineinander verschmelzen. Fasterlandiger, zynischer Innendekorateur wird in eine zweidimensionale Fantasywelt gezogen. Dort geht er auf eine Heldenreise ohne Ziel. Die typischen Kracht-Themen werden verhandelt: Abgesang auf die dekadente westliche Lebensart, auf alles Oberflächige – das dann aber doch reizvoller ist als die Kargheit, nach der sich der Protagonist ursprünglich sehnt. Kracht probiert sich in einem neuen Genre aus, das macht sprachlich grosse Freude, in einem Zug durchgelesen. Und viele Elemente aus den sechs Vorgängerromanen gefunden. Manches hallt nach, und wie immer bei Kracht stellt sich die Frage: trollt er uns - oder ist er fünf Schritte voraus?
Eine Geschichte, die gut hätte werden können. Leider bleibt die Story von Paul, dem Innenarchitekten, der einen neuen Auftrag in Norwegen bekommt, in der Idee einer fantastischen Geschichte stecken
Ich habe AIR auf Faserland-Stimmung gelesen. Kann wer reden? I'll get the idea (denke ich jedenfalls) und bin in ein Gemälde gefallen, welches mir hier und da ansehnliche Bilder schenkte, die ich auch selbstlos weitergeben möchte. 5/10
Absolut weird - und lesenswert :)
Ein Buch, bei dem man nicht möchte, das es endet… Klare 5 Sterne für diese souverän erzählte, surreal-phantastische Geschichte!
Dieses Buch bleibt mir genauso bildhaft und unkonkret im Kopf, wie ein Traum, den man noch exakt vor dem inneren Auge hat, aber nicht erklären kann. Schreiben kann Kracht aber!
Rätselhaft, märchenhaft, dystopisch: Das Buch enthält viele Ebenen und Anspielungen, die zum Nachdenken anregen.

»Weißt Du, wer alle Dinge in seinem eigenen Selbst sieht, und sein eigenes Selbst in allen Dingen, der verliert alle Furcht.«
Christian Kracht ist einer der Autoren, dessen Bücher ich langsam, Satz für Satz, lese, um keines der vielen versteckten Details zu überlesen. So auch bei diesem Roman. Es beginnt mit Paul, einem Schweizer Dekorateur, der eigentlich Wohnungen einrichtet, damit sich diese besser verkaufen lassen. Doch als er von seinem Lieblingsmagazin Kūki einen Auftrag bekommt, der darin besteht das perfekte, das einmalige Weiß zu finden, begibt er sich auf eine Reise nach Norwegen, die ganz anders endet, als er es erwartet hätte. Für nichts anderes als für ein riesiges Data Center soll er den gewünschten Farbton finden. Also fährt er mit Cohen, dem Verleger der Zeitschrift, dorthin. Eine außergewöhnliche Sonneneruption, dessen Strahlung einige Minuten später die Erde erreichte, löste in den Datenbanken, in denen Paul sich eben befand, einen Stromausfall aus. Kurz darauf war er nicht mehr da. Er findet sich in einer ganz anderen Welt wieder, in der er gleich zu Beginn fast erschossen wird. Krachts neuer Roman ist eine absurde Reise in andere Welten, in dem einige Motive, wie ein ominöses Ölgemälde oder die Zeitschrift Kūki, die gleich zu Beginn eindrücklich beschrieben werden und auf das neugierig machen, was noch kommen wird, eine besondere Rolle spielen. Anfangs fühlt man sich etwas verloren und muss sich zuerst noch orientieren, doch mit der Zeit erschließt sich immer mehr ein Gesamtbild, auch wenn am Ende noch einige Fragen, besonders solche die jegliche Vorstellungskraft überschreiten, übrig bleiben. Doch genau das macht den Reiz des Buchs aus und ist definitiv eine Stärke, neben dem bewussten Stil. Gerne wäre ich noch länger in der Welt verblieben, die Kracht in diesem Buch erschaffen hat. Letztlich ist es jedoch fast unmöglich diesem Roman durch eine Rezension ansatzweise gerecht zu werden, man muss ihn selbst lesen und sich seine eigene Meinung dazu bilden.
Es ist schon gut. Das rätselhafte zieht einen immer mehr rein… auch die letzten 30-40 Seiten gefielen mir sehr gut. Aber wie ich es am Ende wirklich fand, das wird mir vermutlich erst in ein paar Wochen klar.
EDIT: Mit etwas Abstand… Kracht kann wirklich fein und destilliert schreiben. Das wird immer bleiben. Auch hier schafft er es wieder sublime Scherze über unsere trottelige Moderne zu machen. Diese Art von Insider-Jokes mögen natürlich vor allem Feuilleton-Boys. Und auch wenn ich selber manchmal ein bisschen Fan-Boy-tum in mir habe… hier ist es mir doch alles etwas zu doll. In „die sogenannte Gegenwart“ kann man von Lars Weisbrod und Ijoma Mangold zwar schon auch viel interessantes über den Roman lernen… aber insgesamt nervt das abgekulte schon sehr. Im Leben nicht wäre der Roman von einer jungen Frau so veröffentlicht worden, noch so abgefeiert. Und das nervt dann doch ein bisschen. Weil gut ist er schon, der Roman, aber hier kauft man die Fans auch mit. Allgemein ist mir zu wenig ambivalenz bei den Besprechungen unterwegs. Die schlechte Kritik in der FAZ war mir wiederum zu einfältig. Naja. Vielleicht sollte man ihn in 1-2 Jahren lesen, wenn die Rezeption weniger aufgeregt drum
Ich musste jetzt einfach meine erste Rezension nochmals überarbeiten. Zuerst habe ich 4.5 Sterne gegeben. Allerdings lässt es mich seit Tagen nicht mehr los. Nach dem Besuch einer Lesung und wiederholtem Lesen bestimmter Stellen bin ich mir ziemlich sicher das Air in meine Top 5 dieses Jahr kommen wird. Absolut grandios was Kracht hier wieder einmal abgeliefert hat. Im Buch gibt es zwei Handlungen; Im einen geht es um einen Schweizer Innendekorateur der auf den Orkney-Inseln lebt und für einen sehr speziellen Auftrag nach Stavanger reist. Und im zweiten befinden wir uns in einer nordisch angehauchten Fantasiewelt mit einem anscheinend unbekannten Protagonisten. Nach und nach verschmelzen diese beiden Welten miteinander. Definitiv ein Buch dass man am besten noch ein zweites Mal liest. Beim ersten Mal ist es gut, nicht der beste Kracht, aber solide. Und beim zweiten Mal fallen dann absolut gradiose Kleinigkeiten auf die bei der ersten Lektüre noch untergegangen sind und die dieses Buch zu etwas besonderem machen.

Faszinierendes, tiefgründiges Buch, das an Platons Höhlengleichnis erinnert
Eine im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Geschichte um Paul, Cohen und Ildr in einer begrenzten Welt, die doch so unergründlich scheint. Wie immer, bei Kracht, in einem unfassbar tollen, bildlich beschreibenden Stil geschrieben. Man wird nahezu hineingesogen in die Geschichte und am Ende dann doch etwas ratlos zurückgelassen. Immer wieder Parallelen zu philosophischen Grundgedanken, Platons Höhlengleichnis lässt grüßen. Vielleicht könnte man es auch als Traumnovelle beschreiben, immer wieder angereichert durch die Realität.
Spannend, philosophisch, ungewöhnlich
















































