6. Juli
Ein Tagebuch aus der Stadt des ersten Lockdowns đŸŠ đŸ““đŸš«
Rating:3★

Ein Tagebuch aus der Stadt des ersten Lockdowns đŸŠ đŸ““đŸš«

In „Wuhan Diary“ dokumentiert die bekannte chinesische Autorin Fang Fang die ersten Wochen und Monate des harten Lockdowns in Wuhan – dem Epizentrum der Covid-19-Pandemie. Ab dem 25. Januar 2020, nur zwei Tage nach der historischen Abriegelung der 9-Millionen-Stadt, beginnt sie, online Tagebuch zu fĂŒhren. In 60 sehr persönlichen EintrĂ€gen schreibt sie ĂŒber ihre Gedanken, Ängste und Beobachtungen: ĂŒber die Hilflosigkeit der Menschen, die panische Stimmung der ersten Tage, das Leid in den ĂŒberfĂŒllten KrankenhĂ€usern und den Mut der freiwilligen Helfer. Gleichzeitig dokumentiert sie scharf, wie Behörden versuchten, Informationen zu vertuschen, wie warnende Stimmen zum Schweigen gebracht wurden – und wie ihre eigenen Texte stĂ€ndig gelöscht oder zensiert wurden. Ihr Blog wurde so zu einer der wenigen unabhĂ€ngigen Stimmen aus der abgeriegelten Stadt und erreichte Millionen Leser in China, bevor er mehrfach gesperrt wurde. Was mich an diesem Buch besonders fasziniert hat, ist der direkte Einblick in eine fĂŒr mich völlig fremde LebensrealitĂ€t: Fang Fang beschreibt ein China, das voller WidersprĂŒche steckt – zwischen SolidaritĂ€t unter Nachbarn und brutal durchgesetzter Staatskontrolle, zwischen heldenhaften Ärzten und starren Parteistrukturen. Spannend fand ich auch, wie stark Fang Fang in ein soziales Netz eingebunden ist: Sie fĂŒhrt tĂ€glich zahlreiche Telefonate mit Freunden, Bekannten und ehemaligen Kollegen, bekommt Informationen direkt aus den Kliniken und berichtet von Ereignissen, die fĂŒr den DurchschnittsbĂŒrger wahrscheinlich gar nicht sichtbar waren. Gleichzeitig macht das ihre Perspektive aber sehr speziell: Sie gehört eindeutig zur Oberschicht, ist gebildet, gut vernetzt, hat viele Kontakte – was ihr Tagebuch vielleicht weniger zu einem Spiegel des „Durchschnitts-Wuhaners“ als eher zu einem Einblick in ihre persönliche Bubble macht. Dabei fand ich manche ihrer Haltungen durchaus ĂŒberraschend: Einerseits Ă€ußert sie scharfe Kritik an der chinesischen StaatsfĂŒhrung und fordert AufklĂ€rung und VerantwortungsĂŒbernahme – fĂŒr chinesische VerhĂ€ltnisse sehr mutig. Andererseits bekennt sie sich immer wieder als UnterstĂŒtzerin der staatlichen Maßnahmen, selbst wenn diese rigide ausfallen. Diese Ambivalenz ist interessant, erschwert es mir aber auch, ihre Position eindeutig einzuordnen. Am Ende des Tages ist sie eben doch in China sozialisiert worden und ich in Deutschland. Man kennt die eigene Kultur und ist mit ihr vertraut, wĂ€hrend andere Kulturen (völlig wertfrei) erstmal als „anders“ wahrgenommen werden. Inhaltlich war das Buch fĂŒr mich absolut bereichernd – aber stilistisch leider oft anstrengend. Fang Fang schreibt ohne großen literarischen Anspruch, sehr sprunghaft, hĂ€ufig repetitiv (jeder einzelne Tag startet mit der Schilderung des Wetters). Das ist sicher der AuthentizitĂ€t eines Tagebuchs geschuldet, macht es aber schwer, ĂŒber lĂ€ngere Passagen konzentriert dabei zu bleiben. Die holprige Übersetzung verstĂ€rkt diesen Eindruck zusĂ€tzlich: Viele chinesische Sprichwörter wirken im Deutschen eher befremdlich als stimmungsvoll („Berichte darĂŒber sind so zahlreich wie die Haare an einem Kuhschwanz“; „Der TodesdĂ€mon eilt stĂ€ndig zwischen uns her“) und bremsen den Lesefluss. Ich hatte immer wieder das GefĂŒhl, dass die Emotionen Fang Fangs sehr nahbar sind, ihre Gedanken aber nicht immer strukturiert dargelegt werden. Manche EintrĂ€ge wirken wie unzusammenhĂ€ngende Gedankenschnipsel, die eher Momentaufnahmen als kohĂ€rente ErzĂ€hlungen bieten. Trotz dieser SchwĂ€chen ist „Wuhan Diary“ ein wertvolles Dokument: Es zeigt ungeschönt, wie sich Menschen in einer Ausnahmesituation fĂŒhlen, gibt einen Einblick in chinesische LebensrealitĂ€ten und erzĂ€hlt vom Mut, in einem Land zu schreiben, in dem Kritik lebensgefĂ€hrlich sein kann. Doch als Buch ist es kein Pageturner – eher eine Sammlung aufrĂŒttelnder EintrĂ€ge, die in ihrer Dichte und Direktheit erschlagen können. Fazit: Ein aufrĂŒttelndes Zeitdokument voller Mut, Wut und Menschlichkeit, das den Blick auf die ersten Wochen der Pandemie erweitert. Gleichzeitig stilistisch sperrig, mit Wiederholungen und teils schwer zugĂ€nglicher Sprache – und gerade deshalb eher interessant fĂŒr Leser, die sich intensiv mit China und den AnfĂ€ngen der Pandemie auseinandersetzen wollen. FĂŒr mich ein wichtiges, aber nicht unbedingt packendes Buch. ⭐⭐⭐

Wuhan Diary
Wuhan Diaryby Fang FangHoffmann und Campe
3. Sept.
Rating:4★

Hinter den Kulissen Wuhans. Fang Fang schildert völlig unverblĂŒmt die Situation wĂ€hrend des 60 tĂ€tigen Lockdowns der Stadt Wuhan. Da sie sehr viele Beziehungen zu verschiedenen sozialen Bereichen des Lebens hat, bekommen wir einen guten Eindruck davon was sich im medizinischen und Journalistischen Sektor abgespielt hat. Sie beschreibt viel Zwischenmenschliches, BanalitĂ€ten des Alltags und dann stellt die wirklich wichtigen und richtigen Fragen . Lobt und prangert an. Zwischenzeitlich ist das Buch etwas zĂ€h und man dreht sich im Kreis - hat der Lockdown halt so an sich

Wuhan Diary
Wuhan Diaryby Fang FangHoffmann und Campe
23. Okt.
Rating:4★

Hörbuch gesprochen von Heidi JĂŒrgens ---- Ein Tagebuch zu bewerten ist mehr als schwierig, denn man sollte es genau als dieses betrachten. Es sind die tĂ€glichen Aufzeichnungen der chinesischen Schriftstellerin Fang Fang, die (nicht mit dem Ziel ein Buch zu veröffentlichen!) wĂ€hrend des Lockdowns in Wuhan einen Blog fĂŒhrte. Zuerst einmal wĂŒrde ich dieses Buch gerne allen um die Ohren hauen, welche hierzulande schreien sie wĂ€ren eingesperrt und es gĂ€be keine Meinungsfreihei. Das Wort "Lockdown" wurde hier bisher auch allzu einfach in den Mund genommen. "Noch" hat hier niemand einen richtigen Lockdown erlebt! Das nur am Rande... Fang Fangs Aufzeichnungen sind interessant, spannend und aufwĂŒhlend. ...und manchmal fĂŒhlt man sich machtlos, bei dem Gedanken, dass so Viele offenbar nichts aus den Lehren Wuhans gezogen haben. Aber auch, dass es solange verschleiert wurde und wir (da beziehe ich mich absolut ein) es lange nicht ernst genommen haben. Wenn Fang Fang von ihren Erlebnissen (zu Hause), dem was sie durch Freunde erfĂ€hrt und ihren eigenen GefĂŒhlen berichtet zu einem Zeitpunkt, wo wir (und auch das RKI) hier noch recht arrogant von "keinem Risiko" sprachen wird mir etwas ĂŒbel. Zur gleichen Zeit saßen Millionen Wuhan-BĂŒrger schon eingesperrt in ihren Wohnungen und hofften tĂ€glich auch eine besserung der Lage. Die Parallelen sind faszinierend und erschreckend. Aber auch PositivitĂ€t strahlt das Tagebuch aus. Es ist eine Achterbahn der GefĂŒhle. Die Achterbahn die die Autorin den Lesern ihrer BlogeintrĂ€ge nahe bringt! Sicherlich hat es hier und da LĂ€ngen, auch wenn die Kommentare sehr hilfreich sind um einige ZusammenhĂ€nge und auch Personen die genannt werden zu verstehen. Die chinesische Kultur ist faszinierend und in einigen Punkten schon ganz anders als in Europa. Auch berichtet Fang Fang oft von Informationen, die ihr zugetragen werden. Befreundete Ärzte zum Beispiel bittet sie immer um Rat. NatĂŒrlich ist dies ein recht eingeschrĂ€nkter Blick, aber viele Themen erkennt man dann doch aus den Berichterstattungen. Schockierend empfand ich zu lesen wie ĂŒblich Zensur in China ist. Wie viele Ihrer BlogbeitrĂ€ge einfach gelöscht werden, dabei Ă€ußert sie sich zwar kritisch zu einigen politischen Themen, verhĂ€lt sich aber Regelkonform indem sie zu Hause bleibt und sich auch keinen Verschwörungen hingibt. Sie fordert nur sehr oft eine lĂŒckenlose AufklĂ€rung der Lage. Fang Fangs Wuhan Diary empfinde ich als ein wichtiges Zeitdokument, welches ich jedem ans Herz legen kann. UnterstĂŒtzt Euren lokalen Buchhandel und macht es Euch zu Hause gemĂŒtlich, es lohnt sich.

Wuhan Diary
Wuhan Diaryby Fang FangHoffmann und Campe
6. Sept.
Rating:3★

Auch wenn das Coronavirus die Jahreszahl 19 in der offiziellen Bezeichnung trĂ€gt, so ist doch 2020 das Jahr, welches maßgeblich davon bestimmt ist. GefĂŒhlt verging bisher kein Tag, an dem man das Virus hĂ€tte vergessen können. Wohltuend, sich mit BĂŒchern in andere Welten oder Aufgabenstellungen zu flĂŒchten, aber als ich auf Fang Fang’s „Wuhan Diary“ aufmerksam wurde, hatte ich doch das BedĂŒrfnis mich auch lesend mit Corona zu beschĂ€ftigen, um so eine andere Sichtweise und ein anderes Erleben im Umgang mit dem Virus kennen zu lernen – in dem Land, wo alles anfing. „Beim Ausbruch der Epidemie, von der anfĂ€nglichen Ausbreitung bis zur jetzigen Explosion, haben wir die Situation zuerst falsch eingeschĂ€tzt, dann verschleppt und schließlich falsch gehandelt. Wir haben es versĂ€umt, dem Virus zuvorzukommen, und rennen seither stĂ€ndig hinter ihm her. DafĂŒr zahlen wir einen enorm hohen Preis.“ (Fang Fang) Erstmals in der Geschichte wurde eine Stadt mit neun Millionen Einwohnern fĂŒr den Zeitraum von 76 Tagen komplett von der Außenwelt abgeriegelt. Vom 25. Januar bis zum 24. MĂ€rz 2020 fĂŒhrte die berĂŒhmte chinesische Schriftstellerin Fang Fang ein Online-Tagebuch aus ihrer Heimatstadt Wuhan. Eingeschlossen in ihrer Wohnung berichtet sie vom Hereinbrechen und dem Verlauf einer Katastrophe, von den VersĂ€umnissen der ersten 20 Tage, der UnterdrĂŒckung warnender Stimmen, aber auch von den wirkungsvollen Maßnahmen der Regierung zur EindĂ€mmung des Coronavirus, den vielen freiwilligen Helfern und der großen SolidaritĂ€t. Fang Fang liefert einen unverstellten Blick auf die Katastrophe ‚von unten‘, ganz nah an den Menschen, ihren Ängsten und Nöten. Sie erzĂ€hlt von der Einsamkeit, dem heroischen Kampf des Personals in den KrankenhĂ€usern, vom Leid der Erkrankten, dem Schmerz der Angehörigen und der SolidaritĂ€t unter Nachbarn. Millionen Chinesen folgten ihrem Blog – und teilen ihren Zorn ĂŒber die UntĂ€tigkeit und Vertuschungsmanöver der Behörden wĂ€hrend der Anfangsphase der Covid-19-Pandemie. ‚Wuhan Diary‘ ist ein leidenschaftliches Tagebuch voller WĂ€rme, MitgefĂŒhl und Zorn, das Online in China ĂŒber 100 Millionen Leser fand. Aber man lernt dabei auch die andere Seite Chinas kennen, denn zugleich werden immer wieder ihre BeitrĂ€ge aus dem Netz genommen, Fang Fang wird auf massive und entwĂŒrdigende Weise angegriffen, sie erhĂ€lt sogar Morddrohungen. In dem Buch haben nun ihre BeitrĂ€ge einen dauerhaften Platz gefunden und berĂŒhren die sensible Frage, wie der Umgang Chinas mit dem Ausbruch des Coronavirus zu bewerten ist. Fang Fang gibt ihrer Wut und Trauer Raum in ihren BeitrĂ€gen und verzichtet bewusst auf besonderen literarischen Ausdruck. Das macht sie zu einer Bloggerin mit einer Stimme von nebenan, die ihren GefĂŒhlen und EindrĂŒcken freien Lauf lĂ€sst, die sich in ihrer EntrĂŒstung auch mehrfach wiederholt, weil die Geschehnisse sie berĂŒhren und einfach nicht loslassen. Dennoch ist sie auf gewisse Weise privilegiert, denn sie verfĂŒgt ĂŒber Kontakte, die sie von ‚vorderster Front‘ informieren. Auf ihre Weise fachsimpelt sie jedoch und findet manchmal auch Lösungen, von denen man als Außenstehender ahnt, dass diese nur am virtuellen Stammtisch gedacht, insgesamt aber nicht praktikabel sind. So wirken Fang Fangs BeitrĂ€ge manchmal gut strukturiert, durchdacht und sind informativ, gelegentlich sind sie jedoch auch ein wenig wirr und getrieben von Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit, gewĂŒrzt mit einer gehörigen Prise KĂ€mpfergeist, der sie trotz aller Repressalien ihr Online-Tagebuch weiterfĂŒhren lĂ€sst. Das „Wuhan Diary“ ist kein Buch, das sich leicht weglesen lĂ€sst, dazu geht die Thematik einfach zu nah. Beim Lesen werden einem die zahlreichen Todesopfer bewusst, die das Virus gefordert hat und im nach hinein lassen sich deutliche Fehler im Umgang damit erkennen. Doch der im Anhang in Kurzform geschilderte Verlauf der Coronapandemie macht deutlich, dass auch in Deutschland das Virus zu Beginn unterschĂ€tzt wurde und es zu Fehlentscheidungen kam. Es wĂ€re wĂŒnschenswert, wenn aus den bisherigen Geschehnissen und Entscheidungen gelernt wĂŒrde – weltweit und gemeinsam


Wuhan Diary
Wuhan Diaryby Fang FangHoffmann und Campe