Eine Insel: viele Frauen, ein pubertierender Lüstling und ein mordender Sadist. Trashig, kultig, ein wilder Ritt!
Rupert und seine Frauen „Heute ist die Jacht explodiert.“ – 1. Satz Derart in das Geschehen geschmissen, brannte ich darauf, den 559 Seiten langen Horror-Roman „Die Insel“ von Richard Laymon zu lesen. Das Buch ist in seiner Originalversion bereits 1995 erschienen, hierzulande aber erst 2006 in einer Übersetzung von Thomas A. Merk im Heyne Hardcore Verlag. Also nichts für schwache Nerven. Bei der vorliegenden Taschenbuchausgabe handelt es sich noch um die Erstausgabe, seit 2008 ist das Werk nur noch zensiert zu erhalten. Nach „Die Gang“ ist dies mein zweites Buch von Laymon, wobei es mir als eine Art „klassischer Laymon“ empfohlen wurde. Rupert Conway reist mit seiner Freundin Connie und ihrer Familie auf die Bahamas. Mit von der Partie sind sowohl ihr Halbschwestern Kimberly und Thelma mit den Ehemännern Keith und Wesley als auch ihre Mutter Billie und ihr Vater Andrew. Als jedoch ihre Jacht explodiert und sie auf einer einsamen Insel mitten in der Südsee gestrandet sind, nimmt das Unheil seinen Lauf. Thelmas Ehemann Wesley wird vermisst und bald schon findet Rupert die Leiche von Keith im Dschungel der Insel. Alles deutet darauf hin, dass ein Mörder auf der Insel sein Unwesen treibt… Unser Protagonist ist Rupert Conway, grade 18 Jahre alt und ein pubertierender Lüstling. Schnell wird klar, dass es sich zwischen ihm und Connie um eine Art Zweckgemeinschaft handelt. Denn Rupert ist schmächtig, picklig und nicht besonders beliebt bei den Frauen. Was ihn natürlich nicht davon abhält, den anderen Frauen unentwegt nachzustellen. Dass er sich für fast alle anderen Frauen mehr interessiert als für Connie, führt zu einigen Spannungen innerhalb der Gruppe. Er ist ein zwiegespaltener Charakter, den bestimmt nicht jeder Leser sympathisch findet. Die weiteren Charaktere werden zwar rein bildlich recht lebhaft beschrieben (besonders die Frauen), aber richtigen Tiefgang bekommen sie nie. Der Roman ist aus der Sicht von Rupert als Tagebuch geschrieben, weshalb man einiges an sexistischen Sprüchen und vulgärer Sprache über sich ergehen lassen muss. Aber Rupert kann auch witzig sein und gibt immer wieder bissige Bemerkungen ab, die die Geschichte auflockern und einen auch mal schmunzeln lassen. Trotzdem ist man sich nie ganz sicher, ob er ein zuverlässiger Erzähler ist und man ihm ganz und gar trauen kann. Anfangs ging ich mit (der falschen) Erwartungshaltung an das Buch. Ich hoffte auf ein langes Rätselraten, wer der Mörder nun ist. Der eigentliche Schwerpunkt lag dann aber eher auf dem Katz- und Maus- Spiel. Weiterhin leidet das Tempo des Buches zu Beginn doch sehr unter den internen Konflikten der Gruppe, die sich in ihrem Vorgehen oft nicht einigen können. Ab ca. der Hälfte nimmt das Tempo dann zu und die Gestrandeten werden erstmals mit dem Mörder konfrontiert. Ab da spitzte sich das Geschehen immer weiter zu und ich konnte den Roman nur schwer aus der Hand legen. Gut gefallen hat mir das Ende. Es lässt einen mit gemischten Gefühlen zurück. Man fühlt sich einerseits betrogen und andererseits auch versöhnt. Dies war auch schon bei „Die Gang“ der Fall, weshalb es wohl ein Markenzeichen von Laymon ist. Ich empfehle das Buch denjenigen, die keine Neuerfindung des Horror-Genres erwarten, sondern ein unterhaltsames Buch, dessen Atmosphäre bestimmt besonders für den Strandurlaub geeignet ist. Der Leser oder die Leserin muss jedoch mit einer expliziten Beschreibung von körperlicher und sexueller Gewalt umgehen können. Ich gebe 2,5/5 Sterne.



































