Verstörend, böse, brillant erzählt
Paul Cleaves Debüt ist ein Thriller, der nicht aus der gewohnten Distanz erzählt wird, sondern aus dem Kopf des Täters. Genau das macht ihn besonders. Joe Middleton, tagsüber unauffälliger Putzmann in einem Polizeirevier in Christchurch, ist Erzähler, Antiheld und moralischer Abgrund zugleich. Seine lakonische, kaltkomische Stimme zieht einen sofort hinein und lässt einen lange nicht mehr los. Cleaves große Stärke ist der Ton: trocken, irritierend witzig, voller alltäglicher Banalitäten, die sich plötzlich in Bedrohung verwandeln. Die Konstruktion, in der der Täter Jäger seines eigenen Nachahmers wird, ist klug aufgebaut, das Tempo hoch, das Christchurch der Hitze und Sackgassen sehr atmosphärisch. Manche Wendungen sind überraschend, der Plot trägt durchgehend. Wichtig zur Einordnung: Das Buch ist sehr explizit. Joes Misogynie und die harte Gewalt gegen Frauen und Tiere gehören zur Erzählweise und werden nicht abgemildert. Wer empfindlich darauf reagiert, sollte einen Bogen darum machen. Wer dunkle, kompromisslose Krimis mit ungewöhnlicher Perspektive sucht, bekommt hier einen außergewöhnlich starken Debütroman.




































