
Für Tage, an denen Du Dich klein fühlst und dich daran erinnern willst, wie groß dein Herz und das Leben eigentlich ist
„Die Forscherin“ von Katharina Innig ist vieles gleichzeitig: ein historischer Roman, eine Biografie, und etwas Fiktion. Alles wirkt zusammen als eine starke Empowerment-Geschichte. Wir tauchen ein in das Leben von Prinzessin Therese von Bayern (1850–1925), und zwar auf zwei Ebenen: einmal in ihr Leben im Alter auf ihrem Wohnsitz in Lindau, wo sie zum Zeitpunkt der Geschichte gerade mit einer Freundin in alten Erinnerungen schwelgt und ihre über viele Jahre gewachsene Sammlung an Pflanzen, Tieren und wissenschaftlichen Abhandlungen sortiert. Und dann sind wir selbst mitten drin: zurück in Thereses Vergangenheit auf ihrer Reise nach Brasilien und an den Amazonas. Wir erleben die Vielfalt des Urwaldes und die Wunder der Natur direkt aus Thereses Augen. Sie lässt uns teilhaben an ihrer Offenheit für Neues und an ihrer Leidenschaft. Was mir besonders gefallen hat: Es geht hier nicht um eine klassische Liebesgeschichte zu einem heldenhaften Mann, der Therese dazu befähigt ihren Traum zu erreichen. Liebe ist da, aber eher am Rand. Viel stärker ist Thereses Liebe zu den Naturwissenschaften, zu Pflanzen, Tieren und zum Entdecken. Und dieser Liebe folgt sie konsequent, ohne dafür die Erlaubnis oder Bestätigung anderer zu erwarten. Sie lässt sich nicht einengen. Nicht von Erwartungen an sie als Frau und nicht von ihrer Rolle als Prinzessin. Therese von Bayern setzt um, was ihr am Herzen liegt. Für mich ist dieses Buch vor allem eins: eine Erinnerung daran, dem eigenen Herzen zu folgen. Groß zu denken. Offen zu bleiben. Und diese leise, hartnäckige Begeisterung in sich selbst nicht klein zu machen. Diese Geschichte hat mir beim Lesen Mut geschenkt: Ich darf das auch. Und ich kann das auch.




