Stell dir vor, du sitzt nachts am Fenster, schaust in den Himmel und hörst plötzlich etwas ein gleichmäßiges, mechanisches Pochen, das nicht von dieser Welt ist. Genau dieses Gefühl, dieses elektrisierende Was-zum-Teufel-ist-da-draußen, hat mich in den ersten Kapiteln von Andreas Brandhorsts Zeta gepackt. Leider hält das Signal nicht die ganze Reise durch.
Ich hatte mir Zeta für ein entspanntes Wochenende aufgehoben und die ersten Abende waren tatsächlich das, was ich mir erhofft hatte, Decke, Halbdunkel, und dieses leise Kribbeln, wenn sich ein großes Rätsel langsam entfaltet. Ein unbekanntes Objekt taucht aus den Tiefen des Alls auf, steuert eine Umlaufbahn um den Saturn an und beginnt, ein regelmäßiges Signal auszusenden. Die Menschheit tauft es Zeta. Drei Expeditionen von Erde, Mars und dem Saturnmond Titan machen sich auf den Weg. Das klingt nach großem Kino, und für eine Weile ist es das auch. Dann aber wurde aus meinem Atemlos-durch-die-Nacht-Lesen zunehmend ein Warte-mal-kurz-ich-schaue-aufs-Handy-Lesen. Die Energie kam und ging wie ein instabiles Funksignal. Die Prämisse ist schlicht brilliant. Brandhorst versteht es, das kosmische Fremde wirklich fremd wirken zu lassen. Zeta ist kein Hollywood-Alien-Klischee, sondern etwas, das sich anfühlt wie ein Rätsel, für das die Menschheit noch keine Sprache hat. Die ersten Kapitel haben genau jene Stimmung, für die ich Science-Fiction liebe. Dieses wandeln am Rand des Unbegreiflichen, gepaart mit dem Wissenschafts-Thriller-Tempo, das Brandhorst als sein Markenzeichen etabliert hat. Wenn der Roman auf Hochtouren läuft, liest er sich wie ein fein justiertes Uhrwerk präzise, atmosphärisch, unerbittlich vorwärtsdrängelnd. Das Problem in diesem Buch liegt für mich im Ungleichgewicht. Es gibt Kapitel, die sich anfühlen wie ein Sprung in die Schwerelosigkeit und dann gibt es andere, die mich mit dem narrativen Äquivalent von Triebwerksstottern zurücklassen. Einige der großen Ideen werden angetippt, wie ein Fingerdruck auf ein erleuchtetes Touchpad, aber dann zieht die Handlung weiter, ohne dass das Potenzial wirklich ausgeschöpft wird. Am problematisch für mich waren allerdings die agierenden Personen. Ich konnte beim Lesen keine richtige Verbindung zu Ihnen aufbauen.. Die Charaktere bleiben seltsam funktional, sie tun Dinge, sie gehen auf Expedition, aber ich habe nicht wirklich mit ihnen mitgezittert. Ohne diesen emotionalen Anker wurde das kosmische Rätsel irgendwann mehr Konstruktion als Erlebnis. Zeta ist wie ein Radiosignal aus einer fernen Galaxie, faszinierend, rätselhaft, voller Versprechen aber auf halbem Weg von statischem Rauschen überlagert. Wer Science-Fiction liebt und sich für das große Staunen vor dem Unbekannten begeistert, findet hier echte Momente der Magie. Nur sollte man keine lückenlose Reise erwarten, sondern eher eine mit Leuchtturmmomenten und einigen langen Strecken dazwischen, in denen man einfach weiterfährt und hofft, dass das nächste Licht bald auftaucht.










