
Starker Anfang, schwaches Ende. Dennoch ist das Buch eine klare Empfehlung für Leser:innen, die Dark Academia, düstere Fantasy, originelle Wesen und Geschichten ohne Romance schätzen.
Ganz gewöhnliche Monster war mein erstes Buch von J.M. Miro, auf das ich eher zufällig gestoßen bin. Bis dahin war mir der Titel weder in sozialen Medien noch in anderen Buchkreisen begegnet. Umso überraschter war ich, wie sehr mich bereits die ersten Seiten abgeholt haben. Das düstere, historische Setting, mit Schauplätzen in Amerika, London und Schottland, erzeugt von Beginn an eine geheimnisvolle Atmosphäre, die mich sofort in eine andere Welt gezogen hat. Das Buch ist Dark Academia durch und durch. Alte Gemäuer, geheime Institutionen, moralisch fragwürdige Entscheidungen und eine allgegenwärtige Dunkelheit prägen die Geschichte. Stellenweise ist der Roman sehr düster und auch brutal, was mir persönlich gut gefallen hat und hervorragend zur Stimmung passt. Besonders positiv hervorheben möchte ich die mystischen Figuren und Wesen, die in der Geschichte vorkommen. Hier wird bewusst auf klassische Fantasy-Klischees verzichtet. Stattdessen begegnet man originellen, ungewöhnlichen Kreaturen, die ich so in dieser Form noch nicht aus anderen Geschichten kannte und die der Welt etwas Eigenständiges und Frisches verleihen. Die Mischung aus historischem Roman und Fantasy funktioniert insgesamt sehr gut und erinnert in ihrer Grundidee zwar an bekannte Werke wie Harry Potter oder Die Insel der verlorenen Kinder, geht in vielen Aspekten aber eigene Wege. Auffällig und erfrischend ist auch die Altersstruktur der Protagonist:innen: In zentralen Rollen stehen sowohl sehr junge Figuren, also Kinder, als auch ältere Erwachsene. Besonders gefallen haben mir die starken alten Frauenfiguren. Frauen mit Ecken, Kanten und Makeln, fernab von glattgebügelten Idealbildern. Es war ausgesprochen wohltuend, einmal keine perfekten 22-jährigen Hauptfiguren im Mittelpunkt zu haben. Die erste Hälfte des Buches hat mich sehr überzeugt. Der Schreibstil ist atmosphärisch und fesselnd, die Handlung entwickelt sich spannend, und die Vielzahl an Figuren sorgt für Tiefe. Zwar gibt es viele Charaktere, deren Hintergrundgeschichten ausführlich beleuchtet werden, was sie greifbar und interessant macht, aber stellenweise auch etwas zu langatmig wirkt. In der Mitte des Buches verliert sich die Spannung dadurch ein wenig, was letztlich auch dazu geführt hat, dass ich das Buch zeitweise zur Seite gelegt und später weitergelesen habe. Positiv hervorzuheben ist, dass die Geschichte komplett ohne Lovestory auskommt. Stattdessen liegt der Fokus klar auf Freundschaft, Zusammenhalt und dem Gefühl von Found Family. Zum Ende hin konnte mich der Roman leider nicht mehr vollständig abholen. Die Handlung wird sehr schnell vorangetrieben, fast gehetzt, wodurch wichtige Erklärungen fehlen. Einige Entwicklungen wirkten unklar, einzelne Abschnitte musste ich mehrfach lesen, um sie richtig zu verstehen. Ob dies am Erzähltempo oder an der Übersetzung liegt. Fest steht jedoch, dass das Finale nicht mehr die Stärke des Anfangs erreicht. Insgesamt hinterlässt Ganz gewöhnliche Monster bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Der Einstieg ist stark, atmosphärisch dicht und voller düsterer Faszination, verliert jedoch im Mittelteil an Fokus und überzeugt mich im Finale nicht vollständig. Aktuell plane ich daher nicht, direkt zum zweiten Band zu greifen – möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt.




















































