Ich bin durch – und dieses Buch hat mich emotional sofort gepackt und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Eine unglaublich zarte Geschichte, die anfangs sehr langsam und leise daherkommt, aber genau darin liegt ihr ganzer Zauber.
Wir begleiten Mo, der mit seiner Familie nach Wien gekommen ist und das Gefühl kennt, nicht richtig dazuzugehören. Als er von der Schule fliegt und eine Lehre im Friseursalon anfängt, wird dieser Ort zu seiner rettenden Insel. Endlich gibt es eine Welt, in der er gesehen und akzeptiert wird. Sein Chef und wunderbare Nebenfiguren locken ihn aus der Reserve und sorgen für diese tollen Momente „dazwischen“. Objektiv mag das an der ein oder anderen Stelle leicht in Richtung Kitsch gehen, aber subjektiv gibt es der Geschichte unglaublich viel Herz und ich habe es geliebt. Das absolute Zentrum ist jedoch Mos innere Zerrissenheit. Er muss lernen, seine Gefühle für einen Jungen überhaupt erst zu akzeptieren – eine Tatsache, die in seiner vom Trauma geprägten Familie als absolute Schande gilt. Diese familiären Abgründe und Konflikte werden im Buch nicht einfach glattgebügelt, sondern mit einer Härte und Beklemmung erzählt, die mich mitgenommen hat. Als Mo sich verliebt, ist diese Überforderung absolut spürbar. Ein Satz bringt es für mich perfekt auf den Punkt: „Meine Seele hat Fieber.“ Besser kann man diese erste, „verbotene“ Liebe kaum beschreiben. Wie man das Leben plötzlich mit dem Warten auf den nächsten Kontakt, falschen Erwartungen und total sinnlosem Kummer füllt, ist hier einfach so ehrlich, echt und ganz anders erzählt als in vielen glatten Coming-of-Age-Büchern. Ein Gespräch gegen Ende hat mich dann an den Vater-Sohn-Dialog aus Call Me By Your Name erinnert – etwas jugendbuchmäßiger verpackt, aber unfassbar stark und nahbar. Rückblickend ist es eine wunderschöne Geschichte übers Erwachsenwerden, deren Wege und Wendungen ich in diesem Genre selten so gelesen habe. Durch die wunderbare Leichtigkeit in der Sprache kommen Jugendliche sicher schnell rein (übrigens auch super zum Vorlesen!). Ich hätte dieses Buch gern gelesen, als ich selbst 15 Jahre alt war. Eine ganz große Leseempfehlung für alle, die leise, charakterstarke Geschichten mögen! 😜







