Wenn eine (scheinbar) harmlose Emotionsregung als Gefahr der Menschheit angesehen wird
Ein weiterer Klassiker, dem ich mich angenommen habe. Die Handlung des Buches ist klar. Der Novize Adson ist mit seinem Meister in eine Abtei berufen worden, um einen Glaubensstreit zu schlichten. Doch kaum erfahren sie von dem unerklärlichen Todesfall von Adelmus, werden sie hellhörig und wollen dem näher auf den Grund gehen. Meister William besticht dabei durch seinen unglaublichen Scharfsinn, mit dem er Dinge beobachtet und Ereignisse schlussfolgert. Während ihrer Ermittlung kommt es zu weiteren Morden und es führt das Duo immer mehr in Richtung der gut gehüteten Bibliothek, die unschätzbare Geheimnisse wahren muss - darunter mindestens eine verbotene Schrift. Der Ausgang der Geschichte mag so klar wie verwirrend sein. Viele Informationen und Erklärungen sind durch die parallelen Glaubensdiskurse zu entnehmen, dennoch bedarf es, meiner Meinung nach, einer Nacharbeit. ----- -- Wahrnehmung und Interpretationsversuch: -- Ich mag ja irgendwie alte, schwulstige Sprache, aber meine Güte, in diesem Werk werden so viele Worte genutzt, um eine simple Aussage zu treffen oder etwas zu beschreiben. Das war schon recht anstrengend und nur in kleinen Portionen für mich lesbar (hauptsächlicher Grund für meine Sternebewertung). Doch nichtsdestotrotz ist "Der Name der Rose" ein religiöser Krimi, der weit über eine normale Ermittlungsgeschichte hinausgeht und viele Debatten ins Rollen bringt/bringen kann. So machen z.B. die Erzählungen über die Abwege und Missbräuche des Glaubens einmal mehr deutlich, wie gefährlich der "Glaube" sein kann, soll er den Menschen doch eigentlich nur eine Lebensorientierung bieten. Und doch ist er nahezu gleichzustellen mit Politik, wenn auch immer darauf bedacht wird, beides vehement zu trennen. Aber letztlich ist das Ziel nahezu identisch - Orientierung und Ordnung bringen und Bereicherung - die einen vordergründig in der Weltansicht und der Wissenshütung, die anderen mit dem Hauptfokus auf gegenständliches Reichtum und Einflussnahme auf die Bevölkerung. Ebenso erschreckend ist die Meinungsvertretung, dass männliche Lust nur der teuflischen Frau zugeschrieben werden kann. Die Frau nur als Instrument der Unzucht beschrieben wird, der man tunlichst aus dem Weg geht. Wie kann ein Glaube nur eine unbescholtene, reine Frau akzeptieren, die "unbefleckt" gebährt hat. So sind alle Menschen, die für den Fortbestand der Menschheit sorgen, Sünder? Müssten sie dann nicht auch ihre eigenen Eltern als sündige Ungläubige und sich selbst als Sündenergebnis betrachten? Wie macht das Sinn? Die abgezielte Botschaft des Buches ließ mich letztlich erst einmal in unklarer Schwebe zurück. Die Aussage der Geschehnisse in der Abtei ist ja die, dass ein festgefahrener Glaube nicht nur Stabilität, sondern auch Gefahren mit sich bringt. Den Humor oder das Lachen so weit auszulegen, dass er der Untergang von allem ist, ist schon extrem. Aber letztlich ist das wohl im übertragenen Sinne die Angst vor Kontrollverlust. Wer es wagt, ernstliche Dinge in Frage zu stellen, indem er sie mit Humor verharmlost, der kann zu anderen Schlüssen und Wahrheiten kommen. Und diverse Meinungen birgen letztlich die Herausforderung, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Und das war ja schon in der Glaubensfrage bereits schwerlich und hatte viele Verfolgungen und Morde zur Folge, da es eben keine Bereitschaft für einen ernsthaften Diskurs gab. Geht es also darum, dass Wahrheit relativ ist? Ansichtssache ist? Sich verändern kann? Ist die Aussagekraft des Buches also, dass der Mensch vor der Herausforderung steht, verschiedene Ansichten tolerieren zu lernen und dennoch ein friedliches Miteinander zu pflegen? Wenn ja, ist das mal wieder ein Thema, das nicht aktueller sein könnte. Abschließend kann ich es nicht sagen. Ich bin auch für andere Auslegungen absolut dankbar. [P.S.: Ich möchte betonen, dass ich mit meinen Fragen und Anmerkungen nicht den Glauben/die Gläubigkeit an sich kritisiere, sondern ausschließlich die Art und Weise, wie er damals ausgelegt und gelebt wurde (und mitunter noch heute beeinflusst).]









































