
Was ist Heimat? Wo fühlen wir uns zuhause? Ein kluger, leiser, berührender Essay
Mit ‚Zuhause‘ habe ich nun das vierte Buch von Daniel Schreiber gelesen – nach Allein, Liebe, Ein Aufruf und Zeit der Verluste. Stilistisch überrascht mich dieser Essay nicht: Schreiber bleibt seiner Mischung aus persönlicher Erfahrung, gesellschaftlicher Analyse und philosophischer Einordnung treu. Und doch gelingt es ihm wieder, viele kleine Gedankenschätze zu formulieren, die einen zum Weiterdenken anregen. Ich habe das Hörbuch gehört, das er wieder selbst gesprochen hat. Ich mag seine warme, leicht melancholische Stimme sehr gern. Ausgangspunkt des Buches ist Schreibers Biografie: das Aufwachsen als schwuler Junge in einem mecklenburgischen Dorf, geprägt von Ausgrenzung und dem Gefühl, nirgends wirklich hinzupassen. Dazu kommt die Familiengeschichte von Flucht und Entwurzelung, die sein Nachdenken über Heimat und Zugehörigkeit bis heute prägt. Diese autobiografischen Linien verwebt er mit Reflexionen über ein modernes Lebensgefühl, in dem „Zuhause“ kein fester Ort mehr ist, sondern eine fragile, manchmal schmerzhafte Suche. Schreiber schreibt wie immer ruhig, melancholisch und sehr reflektiert. Nichts ist spektakulär, aber vieles ist berührend. Der Essay lädt ein, über die eigenen Orte, Verluste und Sehnsüchte nachzudenken – und darüber, was es heute bedeutet, irgendwo anzukommen.









