Ein ruhiger, literarisch anspruchsvoller Krimi mit psychologischem Tiefgang – typisch Nesser, mit kleinen Schwächen im Spannungsbogen.
Håkan Nessers Schach unter dem Vulkan ist ein psychologisch fein gesponnener Kriminalroman, der weniger durch rasante Action als durch tiefgründige Charakterzeichnungen und eine düstere Atmosphäre überzeugt. Der Roman dreht sich um Schuld, Vergessen und die Macht der Erinnerung – typische Nesser-Themen, die hier in einem komplexen Plot verwoben sind. Sprachlich bleibt Nesser seinem ruhigen, fast lakonischen Stil treu. Die Handlung entfaltet sich langsam, fast bedächtig, was gelegentlich zu Längen führt, aber auch Raum für subtile Spannung lässt. Die Figuren wirken glaubwürdig und vielschichtig, wobei besonders die inneren Konflikte der Hauptpersonen gut herausgearbeitet sind. Kritisch anzumerken ist, dass sich die Geschichte teilweise etwas konstruiert anfühlt und der große Aha-Moment am Ende nicht ganz die zuvor aufgebaute Erwartung erfüllt. Dennoch bleibt Schach unter dem Vulkan ein lesenswerter Roman – weniger für Fans klassischer Whodunit-Krimis, dafür umso mehr für Leser:innen, die psychologische Tiefe und eine melancholische Grundstimmung schätzen.






