Ich habe, nachdem ich dem Umschlagtext gelesen habe, mehr erwartet. Das Ende ist gut.
Quoyle widerfährt so ziemlich das härteste, das man in einer amerikanischen Kleinstadt erwarten kann. Seine Eltern haben sich in gemeinsamen Selbstmord umgebracht, seine Frau betrügt ihn ständig mit jedem Mann der vorbeikommt, er hat keinen geregelten Job. Als seine Frau ihn schließlich verlässt, nimmt sie seine beiden Töchter mit, um sie an einen Kinderpornofilmer zu verkaufen. Doch kurz danach wird sie bei einem Autounfall getötet und Quoyle erhält seine Kinder zurück, ohne dass ihnen Schaden zugefügt wurde. Quoyles bisheriges Leben ist zerstört. Als Quoyles Tante zu Besuch kommt, überzeugt sie ihn in das Land seiner Vorfahren zurück zu gehen, nach Neufundland, einer harten, öden Gegend mit rauher See und noch rauheren Wintern. Hier findet Quoyle zu sich. Ein besonderes Buch. Zunächst erschien es mir spröde, widerspenstig und sperrig. Doch mit jeder Seite werden die Figuren vertrauter, bis sie mir schließlich wie alte Freunde erschienen. Die Sprache passt zur beschriebene Landschaft. In der Ausgabe, die ich gelesen habe wird jedes Kapitel mit der Beschreibung eines Knotens begonnen. Das empfinde ich als sehr schöne und passende Ergänzung.
Ich weiß nicht, ob ich „Schiffsmeldungen“ von Annie Proulx zuhause in Deutschland auch so gerne gelesen hätte. Das Setting ist ein kleiner Fischerort auf Neufundland. Quoyle kommt dort mit seinen beiden Töchtern und seiner Tante an, um nach viel Unglück im Leben vollständig neu anzufangen. Die Tante und der Vater von Quolye kamen aus der Gegend. Er wird Redakteur für die „Schiffsmeldungen“ bei der örtlichen Zeitung „Gammy Bird“. Die Geschichte entfaltet sich sehr langsam, beschreibt wie sich die kleine Familie in dem Ort einrichtet und Fuß fasst, beschreibt aber auch das Leben und die Eigenheiten einiger Charaktere im Ort. Ich habe dieses Buch in Neufundland mit Blick auf einen kleinen Hafen vor Labradorsee gelesen und konnte mich deshalb in die Handlung sehr gut reinversetzen. Mir sind die Charaktere dabei sehr ans Herz gewachsen. Proulx Sprache passt sich hier hervorragend dem Setting an. Sie erzählt spröde von der Umgebung, jeder Charakter im Ort hat so seine Eigenheiten, es ist alles sehr rau und trotzdem familiär. Die Handlung spielt etwa in den späten 1980er Jahren (da irgendwann im Buch von Ost- & Westdeutschland die Rede ist). Die Abwesenheit von Medien wie Mobiltelefone, Internet war dabei auch sehr entschleunigend. Den Ort Killick-Claw habe ich nicht gefunden, entweder heißt er nicht mehr so, oder er ist dem Geist von Proulx entsprungen und jeder kleine Ort könnte Schauplatz der Geschichte sein. Trotzdem erfährt man viel über die Entwicklung von Neufundland. Mir fällt es nach Beendigung des Buches schwer, die Charaktere gehen zu lassen und hoffe sehr, dass es Quoyle und Co in ihrem kleinen neufundländischen Hafenstädtchen weiterhin gut geht und die Ausgabe vom „Gammy Bird“ weiterhin gelesen wird.
Der Schreibstil sagt mir einfach nicht zu! Er stört meinen Lesefluss und die Lust nach dem Buch zu greifen fehlt!



