30. Juni
Rating:3.5

Ein cosy Krimi auf einem Leuchtturm? Da kann ich nicht widerstehen! Worum geht's? Mary McTarr hat auf ihrer geliebten Insel Jersey den von ihrem Großvater geerbten Leuchtturm La Corbière in ein winziges Luxushotel verwandelt und gerade ihren allerersten Gast begrüßt, da verlässt dieser sie auch schon wieder – mit ihrem Küchenmesser im Rücken. Kein guter Einstand für Mary, zumal Inselpolizist Harsh sie auf dem Kieker hat ... Die Beschreibung der Insel macht Lust, sich die Schauplätze selbst einmal näher anzuschauen. Das La Corbière Lighthouse existiert tatsächlich, wenn auch nicht als Luxushotel. In der Realität kann man den Leuchtturm besichtigen und auf der Webseite ports.je einen virtuellen Rundgang machen. Der Fokus dieses Krimis liegt auf den Figuren und den Ermittlungen. Diese werden teils sehr amüsant geschildert, wenn sich Mary & Co. bemühen, notwendige Infos zu erlangen. Zu Beginn ging mir Mary mit ihrer extrem positiven Art ein wenig auf den Keks. Sie liebt die Insel, das Meer, den Leuchtturm, Sonnenschein, Sturm, Krimis, Tee, Kaffee und einfach ALLES. Denoch wuchs sie mir ans Herz, bis ... Ich habe ja schon des Öfteren erwähnt, dass ich harte Brüche in Büchern nicht mag. Das ist hier leider auch der Fall. Normalerweise lese ich gerne, wenn sämtliche Verdächtige in bester Poirot-Manier zum Schluss zusammengetrommelt werden, aber hier wurde das zu sehr auf die Spitze getrieben. Geschlagene 80 Seiten (von 378) dauert die Erläuterung des Falls im Rahmen eines 8-Gänge-Menüs. Mary fungiert hier nur noch als Stichwortgeberin und nervt höllisch mit ständiger Wiederholung von Phrasen wie »Ist das so?«. Die sorgfältig aufgebaute Chemie zwischen den Figuren? Komplett verschwunden. Wir Leser erfahren Dinge, die uns im Laufe der Ermittlungen verschwiegen wurden. Das verzeiht man einem Hercule Poirot, nicht aber einer Mary McTarr. Insgesamt wirkt die Auflösung konstruiert und möglichst schnell abgehandelt, als fehlte es an Ideen, sämtliche Fäden zum Schluss miteinander zu verbinden. Sehr schade, denn bis zu dieser unpassenden Dinnerinszenierung hatte ich wirklich viel Spaß mit dem Buch.

Der tote Sommergast
Der tote Sommergastby Felicity PickfordGoldmann