⭐⭐⭐⭐ 4 Sterne: Ein bildgewaltiges Epos – historisch präzise, emotional, vielschichtig.
Mit „Hiobs Brüder“ entfaltet sich ein unglaublich dichtes und emotionales Bild des englischen Mittelalters zur Zeit des verheerenden Bürgerkriegs im 12. Jahrhundert. Rebecca Gablé zeigt hier eine ganz andere, verletzlichere Seite dieser Epoche, indem sie die Perspektive von den großen Königen wehlenkt und stattdessen die Schwächsten der Gesellschaft ins Rampenlicht rückt. Was diesen historischen Roman so besonders macht: • Die faszinierende Perspektive: Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Ausgestoßenen – psychisch Kranke, Behinderte und Traumatisierte. Diese ungewöhnliche Truppe, die aus einer Inselfestung entkommt, wächst einem durch ihren Zusammenhalt und ihre Menschlichkeit extrem schnell ans Herz und bildet einen wunderschönen Kontrast zu den Schrecken des Krieges. • Lebendige Geschichte: Man merkt der Erzählung die fundierte Recherche auf jeder Seite an. Die Epoche wird ungeschönt, aber voller Leben beschrieben. Die politischen Wirren des damaligen Thronstreits werden durch die Augen der flüchtenden Gruppe absolut greifbar und verständlich vermittelt. • Einnehmender Schreibstil: Gablés Stil ist sofort fesselnd. Sie schreibt sehr flüssig und bildhaft, sodass man trotz der enormen Dichte des Buches eine wohlige Atmosphäre aufbaut und richtig tief in die Zeit eintauchen kann. • Meisterhafte Figurenentwicklung: Die Entwicklung des stummen Simon und seiner Gefährten ist psychologisch feinfühlig ausgearbeitet. Die Schicksale kreuzen sich mit realen historischen Persönlichkeiten, was der gesamten Handlung eine beeindruckende Tiefe und Glaubwürdigkeit verleiht. Fazit: Ein rundum gelungener, großartiger historischer Roman, der durch seine tiefgründigen, unkonventionellen Charaktere und ein unverbrauchtes Thema besticht. Wer Geschichten mit viel Herz, Verstand und historischer Tiefe sucht, kommt an diesem Werk nicht vorbei.





















