20. März
Der Niederrhein ist entspannt. Dieses Buch nicht. Und genau deshalb Highlight.
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Der Niederrhein ist entspannt. Dieses Buch nicht. Und genau deshalb Highlight.

Andreas Wagner gelingt mit dem 2024 veröffentlichen Generationenroman "Wie Treibgut im Fluss" eine Beobachtung auf rund 250 Jahre deutsche Familiengeschichte am Niederrhein, persönlich, nah und authentisch erzählt. Sein Protagonist Niklas steckt mitten in einer persönlichen Krise. Während er über seine gescheiterte Beziehung nachdenkt beginnt er sich mit der Geschichte seiner Familie auseinanderzusetzen. Es folgt ein zutiefst spannender Rückblick auf das Leben sowohl seiner Familie als auch das vieler anderer Menschen die einst am Niederrhein heimisch geworden sind. Menschen, die im 18. Jahrhundert in der Hoffnung auf ein besseres Leben die deutsche Pfalz verließen, getrieben von religiösen Spannungen, Krieg und Armut sich auf den Weg nach Pennsylvanien, dem gelobten Land, machten - denn so wurde es ihnen versprochen.  Fehlendes Geld, politische Entscheidungen und bürokratische Hürden verhinderten oft bereits die Weiterreise über den Rhein in die Niederlande. Ein Teil dieser Auswanderer strandete am Niederrhein. Die Umstände und das Schicksal ließ die Geflüchteten keine andere Wahl als sich dort anzusiedeln, neuanzufangen. Wie Treibgut im Fluss verfolgt die Geschichte dieser Pfälzer, deren Spuren bis heute in der Region verblieben sind - zB in einzelnen pfälzischen Sprachinseln in der Gegend. Und konfrontiert den Leser mit der Armut, dem Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten und den zahlreichen Krankheiten dieser Zeit. Von der Flucht seiner Vorfahren an begleitet Wagner seinen Niklas so intensiv bei der Erforschung seiner Geschichte, verwebt generationenübergreifende Erzählungen sowie eigene Erfahrungen aus der Kindheit miteinander und nimmt den Leser mit auf eine große Zeitreise. Wir leiden mit, erleben Liebe, Zweifel, Scheitern und das Wiederaufbäumen. Vorallem beweist er uns aber dass wir nie bloß im Hier und Jetzt agieren. Entscheidungen aus der Vergangenheit wirken oft auch noch Generationen Hinweg nach. Besonders beeindruckend ist der Bezug zum Niederrhein: Die Region ist hier keine bloße Kulisse, sondern ein lebendiger Raum voller Geschichte und Identität. Die Sprache ist klar, ruhig und eindringlich – sie erzählt auch schwere Themen auf eine stille, fast schöne Weise. „Wie Treibgut im Fluss“ ist mehr als ein Roman: Es ist Geschichtsunterricht, Heimatkunde und Liebeserklärung zugleich. Ein stilles, kluges Meisterwerk über die unsichtbaren Kräfte, die unser Leben prägen. Und für mich: ein absolutes Jahreshighlight.

Wie Treibgut im Fluss
Wie Treibgut im Flussby Andreas WagnerDroemer
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