24. Dez.
Rating:3.5

Wie ein Italienurlaub… mit dem Großvater

Kirchhoffs Romane sind für mich stark geprägt von Atmosphäre, vom Eintauchen in Situationen und einem untrüglichen Gefühl für szenische Feinheiten. So ist auch das vorliegende Buch wieder großartig und detailreich erzählt. Die Geschichte spielt vorrangig in einem kleinen italienischen Dorf, in dem sich der pensionierte Schauspieler Arthur Schongauer mit seiner Hündin nach einer eher mittelmäßigen Hollywoodkarriere als Quoten-Deutscher zur Ruhe gesetzt hat. Unterbrochen werden Witwer und Tier von diversen Nebencharakteren, die nach und nach in die Handlung und sein Haus eintreten — alle jünger und alle ausnahmslos weiblich. Und hier beginnt das Problem für mich. Warum muss ein älterer Mann über einen älteren Mann schreiben, der mit einer deutlich jüngeren Journalistin anbandelt und zusätzlich ein gerade dem Teenageralter entwachsenes Mädchen auf Auslandsreise beherbergt bzw in sein Leben lässt. Dass die titelgebende Hündin, die angeblich einzige noch notwendige Beziehung, in Schongauers Leben, über weite Strecken nur als Tier bezeichnet wird, zeugt für mich ebenfalls vom mangelnden Verständnis, eine liebevolle Beziehung zu führen.

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt
Seit er sein Leben mit einem Tier teiltby Bodo Kirchhoffdtv Verlagsgesellschaft
10. Aug.
Rating:5

L. A. Schongauer, einst deutscher Kleindarsteller gemeiner Nazis in Hollywood, jetzt fast 75-jährig mit seiner Hündin Ascha in einem Häuschen am Gardasee lebend, findet eines Tages eine Reisebloggerin mit Wohnmobilpanne in seiner Auffahrt, die 24-jährige Frida...zu allem Überfluss kurz bevor sich Almut, eine Journalistin Ende 40 angekündigt hat, die ein Portrait über ihn, den so gut wie vergessenen, schreiben will. Das Buch schildert die wenigen Tage, die Frida auf die Reparatur ihres Wohnmobils wartet, sich mit Ascha anfreundet und sich in Schongauers Haus nützlich macht, während Almut Schongauer zu interviewen versucht. Dazu kommen immer wieder Rückblenden auf Schongauers verstorbene Frau, eine Tierfotografin, und eine junge Kostümbildnerin, mit der er noch zu seinen Hollywoodzeiten eine kurze Beziehung hatte und die Selbstmord begangen hat. Auf den ersten Blick hat das Setting ein gewisses Potenzial, in einer Altmännerphantasie zu enden, aber Bodo Kirchhoff entgeht dieser Falle (weitestgehend, es gab einen oder zwei Momente, wo dies nicht so war, dies fand ich aber nicht weiter störend). Ich war insgesamt positiv überrascht von diesem Buch, auch wenn der Schreibstil ohne direkte wörtliche Rede für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war. Ein paar Kleinigkeiten fand ich etwas aufgesetzt bzw. weit hergeholt, so dass ich ein wenig zwischen 4,5 und 5 Sternen geschwenkt habe, aber letzten Endes überwog für mich der gute Gesamteindruck.

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt
Seit er sein Leben mit einem Tier teiltby Bodo Kirchhoffdtv Verlagsgesellschaft
17. Nov.
Rating:5

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt Ein wundervoller Roman mit schöner Sprache. Zitat: Als Schemen in der Dunkelheit stürzt sein Tier auf ihn zu, und er umarmt Aschas Kopf mit den weichen Ohren, er spürt ihre Zunge an seiner Hand und im nächsten Moment - sie macht Pirouetten der Wiedersehensfreude - ... L. A. Schongauer, ein alternder Schauspieler für Nebenrollen, lebt an den Hängen des Gardasees. Seit dem Tod seiner Frau hat er sich sein Leben allein eingerichtet, nur begleitet von seinem "Tier" Ascha. Eines Tages strandet eine junge Reisebloggerin auf seinem Grundstück und eine Journalistin möchte ihn interviewen. Anfangs nicht erfreut, in seiner Ruhe gestört zu werden, genießt er bald die Anwesenheit der jungen Frau und verliebt sich in die Journalistin. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber das Buch ist sehr lesenswert. Ich überlege, mir wieder einen Kirchhoff zu bestellen.

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt
Seit er sein Leben mit einem Tier teiltby Bodo Kirchhoffdtv Verlagsgesellschaft
11. Nov.
Rating:4

Louis Arthur Schongauer ist 74 Jahre alt und hat weitestgehend mit seinem Leben abgeschlossen. Mit einer Hündin lebt er alleine in einem Haus mit Olivenhain am Gardasee. Doch dann strandet Frida bei ihm, eine 24- jährige Reisebloggerin, die sich verfahren hat. Und einen Tag nach Frida kommt auch noch Almuth, eine Schriftstellerin, die über sein Leben als Schauspieler kleiner Nebenrollen ein Buch schreiben möchte. Und auf einmal spürt Schongauer, dass eine Sehnsucht in ihm erwacht. Die Sehnsucht, noch mal gesehen und gemocht zu werden. Mir an der ein oder anderen Stelle etwas zu langatmig, aber insgesamt ein gutes und berührendes, sprachlich schönes Buch.

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt
Seit er sein Leben mit einem Tier teiltby Bodo Kirchhoffdtv Verlagsgesellschaft
27. Sept.
Rating:4

Bodo Kirchhoffs *Seit er sein Leben mit einem Tier teilt* überzeugt durch seine leise, aber eindringliche Erzählweise. Der Roman, in der Ich-Perspektive verfasst, lässt den Leser die Einsamkeit des Protagonisten intensiv miterleben, während die Beziehung zu seinem Hund allmählich eine Brücke zur Außenwelt schlägt. Die dichte, poetische Sprache schafft eine besondere Atmosphäre, auch wenn mir die Handlung an manchen Stellen etwas zu ereignisarm erschien. Trotzdem bietet das Buch eine tiefgründige Reflexion über Verlust, Einsamkeit und Bindung. Eine klare Empfehlung für Leser, die sich auf ein ruhiges, introspektives Werk einlassen möchten.

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt
Seit er sein Leben mit einem Tier teiltby Bodo Kirchhoffdtv Verlagsgesellschaft
21. Apr.
Rating:3.5

Literaturkunst

Herausfordernder Schreibstil, der jedoch ausgesprochen gut zu diesem Buch passt. Keine Unterscheidung zwischen wörtlicher Rede und Erzählung, ewige Bandwurmsätze. Wenn man den Rhythmus des Textes drin hat, entsteht dadurch eine Darstellung des Gedankenflusses. Ruhig, fein, eigensinnig. Die Stimme eines alten Herrn, der alleine lebt - nur mit seinem Hund. Depressiv, mit Sehnsucht nach Liebe. Ein schönes Buch, aber man muss durchhalten bis zum Schluss, um belohnt zu werden.

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt
Seit er sein Leben mit einem Tier teiltby Bodo Kirchhoffdtv Verlagsgesellschaft
24. Feb.
Post image
Rating:5

L.A.Schongauer, verwitwet, ehemaliger Nebenrollenschauspieler in Hollywood, lebt zurückgezogen mit seiner Hündin Asha am Berg oberhalb von Torri del Benaco am Gardasee, als durch einen Zufall gleich zwei Frauen fast gleichzeitig bei ihm in seinem abseits gelegenen Haus auftauchen. Die eine angekündigt, um mit ihm über sein Leben zu sprechen für einen Artikel, den sie schreiben möchte, die andere, weil sie durch einen Motorschaden bei ihm gestrandet ist. Die eine könnte vom Alter seine Tochter sein, die andere seine Enkelin. Um beide hat er nicht gebeten, im Gegenteil, hat er sich doch mit seiner Einsamkeit angefreundet und muss nun nicht nur seine Türe öffnen, sondern auch seine Gedanken, seine Gefühle und sein Herz. Und gerade letzteres macht ihm gerade mal wieder mächtig Probleme. Bodo Kirchhoff schildert in einem eindrucksvoll geschriebenen Roman, wie sich die Protagonisten annähern, sich auf ihre ganz spezielle Art öffnen, dabei geht es um Liebe und Verlust, Trauer, Schuld und Abhängigkeiten. Es geht um Vergangenheit und Zukunft. Dabei vewebt der Autor die zwischenmenschlichen Spannungen gekonnt mit den Wetterumständen, der flirrenden Hitze, dem mächtigen Unwetter und der Zeit danach. Es ist ein Roman der leisen Töne mit ungemeiner Tiefe und Ausdruckskraft. Scheinbar endlosen Sätzen. Dieser Roman lebt nicht von der Spannung im Geschehen, sondern von den Spannungen zwischen den Protagonisten. Man kann sich die Gegend, aber auch die Figuren so gut vorstellen. Gerade letztere besitzen eine ungemeine Tiefe und man sinnt auch noch nach dem Lesen eine Weile darüber nach, wie es weiter mit ihnen gehen könnte. Dafür hat der Autor alle Grundlagen geschaffen, der Rest ist Phantasie. Mein erster "Kirchhoff", aber nicht mein letzter!

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt
Seit er sein Leben mit einem Tier teiltby Bodo Kirchhoffdtv Verlagsgesellschaft
20. Jan.
Rating:3

„Er“ - L.A. Schongauer - hat sich nach dem Tod seiner Frau mit seiner Hündin „Asha“ - die er tatsächlich mehr tot als lebendig aus einem Aschehaufen gerettet hat - auf sein Anwesenden inmitten alter Olivenbäume, oberhalb des Gardasees zurück gezogen… Seine Mutter, eine Deutsche wurde von seinem Vater, einem amerikanischen GI verlassen und war als alleinerziehende Mutter überfordert. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Kleindarsteller bärbeißiger Nazinebenrollen in diversen Hollywoodfilmen. Die Ruhe, die er in seinem Häuschen fernab der Touristenströme erhofft und sucht wird sehr nachhaltig gestört als eine junge Reisebloggerin mit ihren Wohnmobil bei ihm strandet. Als sich dann auch noch eine Journalistin, die vom Alter her seine Tochter sein könnte, anmeldet, um Nachforschungen über sein Leben anzustellen, über das sie schreiben möchte, ist so halt gar nichts mehr mit Ruhe und Einsamkeit… Nicht nur die Episoden aus seinen Leben, auch die höchst interessanten Biographien der beiden Frauen machen Spaß. Ich mag Kirchoffs Art zu schreiben und zu fabulieren - er versteht es meisterhaft zu fesseln, auch ohne großer action… Ein bisschen schmunzeln musste ich schon, über den Satz von Adam Soboczynski im letzten Literarischen Quartett: „Es ist einer der besten Romane, in denen so gut wie gar nichts passiert…“ Es ist es eine Liebesgeschichte genauso wie ein Buch über das BuchSterben und noch so viel mehr… „Er weiß nicht, was in ihr vorgeht, er weiß oder spürt im Moment nur, dass zwei Menschen mehr Stille verbreiten, als einer.“

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt
Seit er sein Leben mit einem Tier teiltby Bodo Kirchhoffdtv Verlagsgesellschaft
6. Jan.
Rating:1

Abgebrochen

Das Buch ist jetzt eh schon kein Titel, den ich mir im Laden angeschaut hätte, aber als Buchflüsterer habe ich darauf keinen Einfluss. Doch es ist nicht der Titel, der mich am meisten gestört hat. Der Autor setzt auf fehlende wörtliche Rede. Davon Leben jedoch Geschichten. Es hat dementsprechend nicht lange gedauert, bis mich genau dieser Aspekt total nervte. Ich finde es einfach anstrengend, komme einfach nicht an die Figuren heran und ja, ich war mehrfach davor, das Buch abzubrechen. Nach 50 Seiten habe ich es tatsächlich getan, denn ich habe mich echt unwohl gefühlt.

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt
Seit er sein Leben mit einem Tier teiltby Bodo Kirchhoffdtv Verlagsgesellschaft