Das Buch habe ich im Rahmen eines Geschichtsdidaktikseminars gelesen welches zum Ziel hatte, historische Jugendromane in den Unterricht einzugliedern. Bereits von Anfang an hat mich das Buch verzaubert. Bereits als ich in der Liste der Lektürevorschläge der Dozentin die Cover der vielen Bücher überflogen habe, ist man Auge an diesem hängen geblieben. In Verbindung mit dem sehr vielversprechenden und mysteriösen Titel "Der schwedische Reiter" wollte irgendetwas in mir dieses Buch lesen, obwohl das Setting laut Klapptext nicht mein Fall ist. Zur Story: Die hervorragende Geschichte wird bereits im Prolog brillant eingeleitet. Die schlesische Edeldame Maria Christine zu Tornefeld erzählt von ihrem Vater Christian Tornefeld, der von den meisten aber einfach nur "der schwedische Reiter" genannt wird. Sie erzählt vor allem davon wie ihr Vater in den Krieg seines Herren Karl den XII von Schweden gegen August den Starken auszieht als sie noch ein Kind war. Obwohl er viele Meilen weit weg im Krieg kämpft, kommt ihr Vater jede Nacht zu ihr ans Fenster und redet mit seiner Tochter. Sogar als die Nachricht kam, ihr Vater sei vor Wochen im Krieg gefallen, weiß Maria Christine dass das nicht stimmen kann, denn er hat sie ja gestern Nacht noch besucht. Die Einleitung endet mit dem vielversprechenden Satz. "Die Geschichte des schwedischen Reiters soll nun erzählt werden, es ist die Geschichte zweier Männer." Damit hat Perutz das Rätsel bereits in der Einleitung aufgelöst. Was in den folgenden 200 Seiten folgt ist eine Geschichte voller moralischer Gradwanderungen, Erfolg, Verlust, Lügen, Liebe, Glück und Schuld. Zur historischen Authentizität: Bereits mit seinem Altertümlichen Schreibstil überzeugt Perutz voll und ganz. Im Nachwort schreibt er, dass er versucht hat die Geschichte so zu erzählen, wie seine Großmutter immer Geschichten erzählt hat. Ganz Zeittypisch ist der Roman vollgestopft mit Gallizismen, was die Sprache sehr authentisch wirken lässt. Auf den ersten paar Seiten wirkt es zwar etwas befremdlich, aber sobald man sich reingelesen hat, meint man, dass das Buch von jemanden aus dem 18. Jahrhundert geschrieben worden ist und nicht von Leo Perutz kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Außerdem sind die Themen die Perutz in seinem Roman aufgreift, ausschlaggebend für die Zeit. Von religiösen Aberglauben bis unheimlicher Bauernschläue ist alles dabei was man im 18 Jahrhundert erwartet. Im Bezug zu meinem Seminar muss ich allerdings sagen, dass das Buch nicht als Schullektüre geeignet ist, zumindest nicht für die 7./8. Klasse in der die frühe Neuzeit laut Lehrplan behandelt wird. Das Buch ist rein historisch zu subtil und passiv, um großen Gewinn für einen Geschichtsunterricht zu ziehen. Das, was den Roman zu einem Meisterwerk macht, nämlich der Schreibstil, die Perspektiven, die Charaktere und die zahlreichen literarischen Kniffe, sind mehr Stoff für ein Literaturseminar an der Oberstufe oder der Uni.
14. Apr.Apr 14, 2025
Der schwedische Reiterby Leo Perutzdtv Verlagsgesellschaft
