1. Juni
Wenn Geschichte plötzlich brennt
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Wenn Geschichte plötzlich brennt

Manchmal liegt ein Buch vor einem und man denkt: Okay, das wird wichtig. Vielleicht auch ein bisschen anstrengend. Und bei We the People stimmt beides. Jill Lepore nimmt sich die amerikanische Verfassung vor, als wäre sie kein trockenes Dokument, sondern ein ziemlich explosives Familienalbum der USA. Das klingt erstmal nach schwerer Kost, und ja, ganz ehrlich, nebenbei beim halben Einschlafen liest man das nicht. Dafür ist zu viel drin. Sklaverei, Macht, Freiheit, Frauenrechte, Waffenbesitz, Abtreibung, Trump, all diese großen Reizwörter, bei denen man sofort merkt: Da steckt mehr dahinter als die nächste Schlagzeile. Was Lepore richtig gut macht: Sie zeigt, dass diese Verfassung nicht einfach ein heiliger alter Text ist, sondern ein Kampfplatz. Ein Ort, an dem seit Jahrhunderten darum gestritten wird, wer eigentlich dazugehört, wer Rechte bekommt und wer draußen bleiben soll. Und puh, das trifft manchmal unangenehm gut. Besonders stark fand ich, wie lebendig das erzählt ist. Geschichte fühlt sich hier nicht nach Staub und erhobenem Zeigefinger an, sondern nach Drama, Konflikt und ziemlich viel menschlicher Sturheit. Genau mein Ding, wenn Sachbuch nicht nur informiert, sondern auch innerlich arbeitet. Ganz leicht macht es einem das Buch aber nicht. Man braucht Geduld, Aufmerksamkeit und vielleicht auch zwischendurch einen starken Kaffee. Dafür bekommt man ein kluges, wuchtiges und erschreckend aktuelles Buch, das erklärt, warum Amerika heute so zerrissen wirkt. Für mich ein beeindruckendes Sachbuch mit Kopf, Haltung und ordentlich Nachhall.

We the People
We the Peopleby Jill LeporeC.H.Beck