Ich hatte mich lange darauf gefreut, dieses Buch zu lesen und hatte durch den Klappentext etwas anderes erwartet und wurde leider zu großen Teilen enttäuscht. Erst ab ungefähr Seite 200 wurde das thematisiert, was ich mir erhofft hatte: der Umgang mit dem Wolf, um die völkische Ideologie weiter zu etablieren.
Bis dahin ging es sehr, sehr träge um Heidelandschaft, eine Schäfersfamilie und verschwiegene Gräueltaten. Zu vieles wurde "nur" auf einer Metaebene angekratzt. Dieser Stil gefällt mir persönlich einfach nicht, ich empfinde es als zu "kunstvoll".
Einige Logikfehler haben mich auch gestört, aber vielleicht sollte das so?
Handwerklich ist das Buch sicherlich wirklich gut, ich hatte nur wie gesagt etwas anderes erwartet.
Dieses Buch hat mich mit seiner Sprache fasziniert. Die Landschaft der Heide, die ich sehr mag, in allen Facetten beschrieben und es hat sehr wichtige Themen aufgegriffen. Sei es die Wolfsthematik, den Bezug auf die deutsche Geschichte, Familie und Generationen.
Auf dieses Buch habe ich mich gefreut, jetzt blicke ich unschlüssig auf diese Geschichte zurück. Mich hat die Grundstimmung abgeholt, in dem Buch steckt eine unheilverkündende Spannung. Wie das Donnerrollen im Buchtitel, irgendetwas wird demnächst kommen, scheint es zu sagen, die Zeichen mehren sich. Oder war das, was droht, nie weg und zeigt sich jetzt wieder? Wer hinsieht, wie Jannes, kann die Hinweise sehen. Jannes spürt sie sogar und wird von Visionen heimgesucht. Aber wer hinsieht, riskiert auch etwas, nämlich Erkenntnis. Und was man da erfährt, passt womöglich nicht zu den Annahmen und Geschichten, mit denen man in der Lüneburger Heide in dritter Generation als Schäfer aufwächst. Also wägt man ab und sieht nur ein bisschen hin, denkt sich den Rest. Und schweigt ansonsten. Wer es gewöhnt ist, jeden Tag den Elefanten im Raum um sich zu haben, fragt nicht. Fragt nicht, warum der Vater nicht zum Arzt geht wegen seiner zunehmenden Vergesslichkeit. Fragt nicht, warum der Opa nie die Oma im Heim besucht. Fragt nicht, warum die Familie nicht miteinander spricht. Und für einen Schäfer ist Schweigsamkeit sowieso eine nützliche Eigenschaft. Das Schweigen und das tägliche Näherkommen der Bedrohung in Form von väterlicher Erkrankung, völkischer Ideologie und dem großen, bösen Wolf liegt auf Jannes wie eine Bleiweste.
Das Buch spielt 2014/2015, die Vokabel "Wolf" lässt sich problemlos durch eine:n Geflüchtete:n Menschen ersetzen, die Geschichte verändert es nicht. Der Blick nach vorne in die Zukunft mit dem "Einnisten" des Wolfes und völkisch denkender Zugezogener wird ergänzt durch einen Blick zurück in die Zeit des 2. Weltkriegs und seiner Zwangsarbeiterinnen, die in einer Munitionsfabrik in der Nähe von Jannes' Dorf untergebracht waren.
Die Atmosphäre und der Stil haben mir gut gefallen. Ich war die ganze Zeit in Habachtstellung ob dem, was sich anbahnt. Doch die Themen hätten sehr viel deutlicher zur Sprache kommen können, dann wäre das Buch kraftvoller. Das Ende war mir zu unscharf und offen, eine klare Positionierung des Autors fehlt mir.
Was für ein talentierter Autor... toller Schreibstil, dynamisch, mitreißend. Auch die Geschichte packend, norddeutsch kühl, aber emotionslos dramatisch in gewisser Weise #mustread
Schon nach den ersten Sätzen war mir klar, warum dieser Roman auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. Der Autor hat einfach eine großartige Gabe, mit kurzen, aber präzisen und außergewöhnlich formulierten Worten Szenen und Menschen zu erfassen und beschreiben.
Er muss den Leser nicht mit der Nase draufstoßen, sondern er erschafft Situationen, die uns die Stimmung regelrecht fühlen lassen.
Im Zentrum der Geschichte steht Jannes, 19 Jahre und Schäfer, wie auch seine Eltern und Großeltern vor ihm. Eigentlich liebt er seine Arbeit, aber durch seine Jugend wird er bei wichtigen Entscheidungen außen vor gelassen.
Nun steht eine neue Bedrohung im Raum: der Wolf 🐺 ist zurück in der Lüneburger Heide. Das Dilemma der Bevölkerung, die Differenz zwischen Naturschutz und Herdenschutz, wird hier sehr gut beschrieben. Und dann geht es auch noch um so viel mehr in diesem Buch.
Großartige Geschichte, sehr besonders erzählt, absolute Leseempfehlung!
Stark angefangen, stark nachgelassen und viele Fragezeichen
Die ersten 100 Seiten fand ich richtig gut. Ich mochte die Sprache und den Alltag auf dem Hof und hätte gerne die ganzen 250 Seiten nur von dem Schäfer-Leben gelesen. Sobald diese spukende Gestalt eine Rolle gespielt hat, habe ich leider nicht mehr so viel verstanden und auch die Lust am Lesen verloren. Bis zuletzt konnte ich den Sinn dieser Figur nicht deuten, sodass das Buch für mich nicht zu einem runden und schlüssigen Ende gekommen ist. Schade, der Anfang war vielversprechend.
🐏💜 Tolles Buch! 🐏💜
Der Wolf ist zurück in der Lüneburger Heide!
Und mit ihm Angst, Wut und die Frage nach einem Umgang miteinander.
Nicht nur bei Jannes selbst, Vater Friedrich und Großvater Wilhelm kochen Emotionen hoch. Auch im Dorf sind die Risse, die Angst, die Wut auf Regierung und "die Naturschützer" aus der Stadt und der Wunsch nach einer schnellen Lösung omnipräsent.
Schon bald wird die Diskussion um die Heimat und den nicht willkommenden Bewohner politisch, ideologisch, völkisch...
Jannes' Oma Erika lebt mit einer Demenz im Pflegeheim. Jannes' Mutter opferte sich auf, machte sich gerade, Großvater wollte vom "Weiberkram" nichts wissen, zog sich aus der Affäre und hält seine Mauern um sich hoch.
Vater Friedrich wird auch zunehmend vergesslich, doch Zeit für einen Besuch beim Neurologen bleibt keine, denn immer ist etwas zu tun. Er kontrolliert nahezu manisch die neuesten Nachrichten über den Wolf, hängt sogar eine Karte in der Familienküche mit Sichtungen und Rissen auf.
Jannes lässt ihn nicht mehr gerne alleine in die Heide und macht sich zunehmend Sorgen um die Zukunft des Familienbetriebes. Doch in all den Sorgen ist ihm die Heide und die Schnuckenherde eine Konstante. Während seine Freunde ihren eigenen Berufsweg wählten, tritt Jannes in die Fußstapfen seiner Familie. Doch diese Familie in der Heide, in einer Siedlung die keine 80 Jahre alt ist, hat eine Geschichte, die Oma Erika in ihrer Demenz nicht mehr verdrängen, aber auch nicht formulieren kann. Was hat sie mit den Puschen und mit der Rose? Auch Jannes beginnt Gespenster zu sehen...
Ein wirklich tolles Buch, mit einem wunderbaren Schreibstil! Ich mochte die nüchterne Sprache und die Berücksichtigung der regionalen Mundart 🐏 Die Karte zu Beginn ließ mich schon etwas erahnen, aber diese Tiefgründigkeit über viele Handlungsansätze hinweg (Familie, Familientrauma, Verantwortung, Demenz, Heimat und Heimatgeschichte etc.) hat mich tief beeindruckt!
Auch die Mischung aus Nüchternheit gepaart mit spannenden, übersinnlichen Momenten hat mich überzeugt.
Ein halbes Sternchen Abzug, weil ich mir am Ende doch ein Bisschen mehr Aufklärung über die realen Hintergründe gewünscht hätte (ohne jetzt hier etwas vorwegnehmen zu wollen).
"Sie schießen ihre Fotos von der Landschaft, die so lieblich blüht und strahlt in Rot und Violett, den Farben des Hämatoms, der nie verheilten Wunde."
Das war schon ein gutes Buch, aber teilweise ganz anders als erwartet. Der "trockenere" Strang, so wie auch auf der Rückseite des Buches beschrieben, war eher meins, davon hätt ich gern mehr gehabt...
Ein tolles Buch. Anti- Heimat Roman wird er genannt. Mir gefielen die Protagonisten, die Familie. Da ich aus Niedersachsen komme ist es eine Geschichte von „um die Ecke“ deren Figur und Schicksale nahe gehen. Die Wolf Diskussion ist hörbar hier und das Buch ein Betrag. Der Übergang vom voelkischen in problematische behutsam statt reißerisch gezeichnet. Die Herausforderung einer Familie, im Umgang mit Kriesen und Krankheit einfühlsam und tiefgründig.
Ich fand es super.
Allein mit dem Titel hatte mich der Roman schon. "Von Norden rollt ein Donner", wie genial ist das denn bitte?! Und dann sollte es noch um Wölfe gehen. Während des Lesens wird aber bald klar, dass es nicht die Tiere sind, von denen die eigentliche Bedrohung ausgeht.
Die Hauptfigur ist Jannes, ein 19-jähriger Schäfer, der, umgeben von dem lauten Schweigen seiner Familie und der kargen Heidelandschaft versucht, seinen Platz zu finden. Als seine Oma zunehmend verwirrt und ins Heim gegeben wird, beginnt auch Jannes plötzlich eine Gestalt zu sehen.
Teils surreal und düster wird eine Atmosphäre geschaffen zwischen Letargie und alltäglichen Situationen, die sich mit gruseligen Elementen vermischen. Es geht um die NS-Vergangenheit, das Vergessen und das vergessen wollen, das sich beweisen, es geht um Geschichten, die immer und immer wieder erzählt werden und um das, was nicht erzählt wird.
Lesenswert!
Ein Buch gegen das Vergessen. Die Geschichte hat mich sehr berührt und mich mit einem Kloß im Hals und Gänsehaut zurückgelassen. So einsilbig war das gesprochene Wort. Dafür waren die Beschreibungen von Gefühlen, Ängsten, Situationen und Landschaften so bildhaft. Ich konnte mich total in Jannes reinversetzen, habe seine Ohnmacht und Unsicherheit gespürt und wollte so sehr, dass in dieser Familie endlich mal jemand offen spricht. Dieses Totschweigen ist wie ein Krebsgeschwür! Das Ende fand ich perfekt, nichts wurde ganz eindeutig aufgeklärt, alles steht zwischen den Zeilen. Das sind mir die liebsten Geschichten. Ich hoffe, von Markus Thielemann in Zukunft noch mehr lesen zu dürfen.
„Von Norden rollt ein Donner“ beginnt stark, verliert dann aber an Tiefe. Die Beschreibungen der Heide sind sehr bildhaft, man kann sich alles gut vorstellen. Inhaltlich bleiben viele wichtige Themen jedoch an der Oberfläche. Ich hätte mir gewünscht, dass der Roman noch mehr darauf eingeht und manches genauer ausarbeitet.
(SPOILER)
Dass gleich drei Generationen mit psychischen Problemen kämpfen, wirkt überladen und unnötig. Sprachlich ist das Buch gut geschrieben, aber es liest sich nicht besonders flüssig. Insgesamt solide, aber streckenweise zäh und mit einem etwas abrupten Ende. Die Bedrohung ist da, aber sie entfaltet sich nicht richtig
In diesem Buch begleiten wir Jannes, der in 3. Generation Schäfer in der Lüneburger Heide ist. Als junger Mann lebt er im Spannungsfeld zwischen traditionellem Leben auf dem Hof und dem modernen Leben seiner Generation. Die Rückkehr des Wolfes in die Heide befeuert den Generationenkonflikt auf dem Hof noch mehr und Jannes flüchtet sich in seine eigene Welt. Dabei kommt er einem alten Familiengeheimnis auf die Schliche.
Ein Buch, das viele Themen gekonnt und subtil vereint: Generationenkonflikt, Naturschutz, Rechtsextremismus.
Ach herrje. Ein Buch der Shortlist des deutschen Buchpreises 2024 und ich frage mich wie es dort landen konnte!
Das Buch wird beworben mit dem Thema "Der Wolf ist zurück in der Lüneburger Heide".
Man hätte es auch mit "Die Oma ist dement", "Der Enkel ist orientierungslos" oder "Der Opa hat ein Geheimnis" vorstellen können.
Der Wolf bekommt in diesem Roman genauso viel Platz wie viele andere Themen.
Keines der Themen wurde m. E. ausreichend ausgearbeitet. Alle Themen werden gestreift, zusammen geklatscht, so dass für mich dieser Roman keine konkrete Aussage hat.
Geschrieben ist es so mittel. Nicht schlecht, aber auch nicht süffig, dass man es flüssig weg liest.
S chatten der Vergangenheit treffen auf Bedrohungen der Gegenwart.
Der 19jährige Jannis Köhlmeier ist Schäfer auf dem Hof seiner Familie in der Lüneburger Heide. Nach einer wilden Feier mit Freunden hat er eine Begegnung mit einer geisterhaften Frau, die ihn auf die Spur eines dunklen Familiengeheimnisses kommen lässt.
Zur gleichen Zeit fühlt sich die Familie zunehmend bedroht vom wiederkehrenden Wolf. Der Großvater ist besessen von dem Tier, das bislang noch niemand gesehen hat, und holt sich Hilfe beim neuen Nachbarn, der als völkischer Siedler das Landleben für sich entdeckt hat.
Wie bei einem nahenden Unwetter die dunklen Wolken und der rollende Donner immer näher kommen, wächst in diesem Buch die düstere und gruselige Spannung.
Die Schatten der Vergangenheit treffen auf die Bedrohungen der Gegenwart.
Auch wenn ich mit dem Ende nicht ganz glücklich bin, überzeugt dieses Buch durch seine poetische Sprache und die unheimliche Dramatik, die mich soghaft in die Geschichte gezogen hat.
Das Erinnern und Wiedererleben deutscher Vergangenheit
Ein Roman, der das ländliche Leben in der Heide mit Generationskonflikten, Ortsgeschichte, der Wiederkehr des Wolfes und dem Erinnern verwebt.
Genau wie Jannes, die Hauptfigur, nehmen wir eine beobachtende Position ein und erfahren so Stück für Stück mehr über ... ja, worüber eigentlich? Es gibt eine Art Geheimnis, dem sich Jannes mehr unfreiwillig stellt. Seine halbherzigen Versuche, mehr zu erfahren, kommen aber leider nie wirklich zum Tragen und gehen neben der alles überschattenden Angst vor dem Wolf unter.
Mir ist recht schnell klar geworden, dass Jannes Wahrnehmung zu einer Metapher wird. Deren Ausgestaltung hinterlässt am Ende einen durchaus unangenehmen Beigeschmack , kommt aber auch wenig überraschend. Es fühlt sich eher an, als wäre man der Figur gedanklich stets zwei Schritte voraus.
Schwierig fand ich auch, wie wenig Jannes tatsächlich selbst tut. Die Lösung breitet sich quasi von selbst vor ihm aus und er scheint daraus keine Konsequenzen zu ziehen. Dabei schlummern in ihm durchaus kritische Gedanken, aber auch am Ende wachen sie nicht auf.
Ich denke, die in der Vergangenheit passierte Geschichte wäre viel spannender und strärker als historischer Roman gewesen. Oder wenn man zumindest in zwei Zeitebenen erzählt hätte. So bleibt es eine tragische Geschichte, wie es sie tausendfach in Deutschland gab, ohne dass ihre Auswirkungen wirklich spürbar sind. Im Gegenteil, der Roman macht klar, dass eine Wiederholung der Vergangenheit absolut möglich ist. Doch keine der Figuren, selbst wenn es ihnen bewusst ist, unternimmt etwas gegen diesen Verlauf.
"Vom Norden her rollt ein Donner" spielt mit einer Bedrohung, die sich längst nicht zugespitzt hat, sondern die weiter im Hintergrund lauert. Ein Grund, wieso es dem Text an Spannung fehlt.
Der Realismus in den lebendigen Dialogen sowie in der Darstellung einer modernen Schäferfamilie hat mir sehr gefallen. Dennoch bleibt das Buch hinter seinem Potential zurück. Es sind zu viele Dinge gleichzeitig, es ändert sich zu wenig, die sehr ähnlichen Erlebnisse von Jannis auf der Heide fühlen sich wie ein Fremdkörper im realistischen Bild der Heide an und das Ende überrascht nicht genug.
Trotz der starken Parts war das Leseerlebnis für mich deshalb zu sanft.
3 von 5 Sternen.
Wow, was für eine Geschichte.
Vorab: hier muss ganz schön aufmerksam gelesen werden, denn einiges verbirgt sich unter der Oberfläche. Gleichzeitig bietet der Roman einiges an Interpretationsspielraum, da er manches nicht abschließend aufklärt. Das tut der grandiosen Geschichte jedoch kaum Abbruch.
Mir hat die Atmosphäre, dieses Düstere, leicht Bedrohliche, sehr gut gefallen. Ebenso wie der Bezug zu wahren Begebenheiten und aktuellen Debatten. Das Werk ist sicherlich ein Beitrag zur Erinnerungskultur. Für mich auch ein sehr gutes Beispiel für transgenerationales Trauma und Fremdenfeindlichkeit.
Die Thematik hat mich sehr interessiert. Vor allem der Bezug vom völkischen Brauchtum und die Ausbreitung rechter Strukturen im ländlichen Raum.
Probleme hatte ich mit der literarischen Umsetzung der generationalen Traumata seitens der Großeltern. Die Beschreibungen waren mir persönlich zu abstrus.
Was für ein wort- und bildgewaltiger Roman! Ich habe die Heide und ihre Bewohner so deutlich vor mir gesehen. Ich bin begeistert!
Und ohne spoilern zu wollen: ich glaube durchaus daran, dass es Orte gibt, die nicht vergessen, die Erinnerungen in sich tragen. Mich t dieses Buch einfach mitgerissen. Leseempfehlung!
Das Buch erzeugt eine düstere Stimmung, aber hat mich in den Bann gezogen und ich wollte erfahren, wie es dem 19jährigen Schäfer Jannes und seiner Familie in der Heide ergeht. Mich hat die Sprache des Romans überzeugt, die mystischen Anteile fand ich etwas verwirrend, aber auch spannend.
"Ihm kommt ein absurder Gedanke: Vielleicht ist es das Land, das ihm etwas sagen will, das ihm etwas antun will, vielleicht ist es die Heide."
Wir begleiten den 19-jährigen Hannes bei seiner täglichen Arbeit in einer Schäferfamilie, welche sich mit der herausfordernden Rückkehr des Wolfes in der Lüneburger Heide konfrontiert sieht.
3 Generationen gehen dieser Arbeit nach, wobei Entscheidungen, Handlungen und Ansichten manchmal nicht unterschiedlicher sein könnten.
Gebannt habe ich Stück für Stück mitverfolgt, wie er mit den Schafen und Hunden draußen unterwegs ist und zugleich seine Familie versucht eine richtige Reaktion auf die Rückkehr des Wolfes zu finden.
Aber schlussendlich ist das Problem so viel tiefgehender und weitreichender, das Jannes sich selbst schon kurzerhand mit einem nebligen Teil seiner Familiengeschichte konfrontiert sieht.
Heimat kann etwas Wunderbares sein. Aber ist es das noch immer, wenn die Vergangenheit blutbefleckt ist und die Gegenwart sich ähnlich mitreißen lässt?
Schlussendlich habe ich mir auch am Ende die Frage gestellt, die sich für mich stumm gestellt hat: Welche Nebelstücke gibt es in meiner eigenen Familiengeschichte?
Dieses Buch wird als Anti-Heimatroman bezeichnet und so sehr ich als gebürtiges Nordlicht dieses Stück Land doch liebe, so hat es ganz gekonnt und ganz subtil Themen aufgreifen können, die in unserer schnellebigen Zeit keine Beachtung finden (dürfen/können).
Klare Leseempfehlung!
Was mich zuerst angesprochen hat, war das wirklich schöne Cover. Ich lese gern Romane mit Tiefgang, und obwohl das Thema eigentlich nicht ganz dem entspricht, was ich sonst lese, war ich neugierig.
Die ersten 60 Seiten waren ehrlich gesagt ziemlich zäh – ich musste mich etwas durchkämpfen. Danach kam ein Spannungsbogen auf, mit einem Hauch von Krimi oder sogar Fantasy, der mich das Buch dann doch hat weiterlesen lassen.
Trotzdem war das Buch insgesamt nicht meins. Die Grundstimmung ist durchgehend düster, fast schon bedrückend – mir persönlich war das auf Dauer zu viel. Es passiert nicht viel, viele Gespräche wirken belanglos, und die Figuren blieben mir eher fremd. Auch emotional konnte mich das Buch leider nicht erreichen. Gefallen hat der mir Schreibstil, der wirklich sehr detailreich und bildgewaltig ist. Das Ende hat mich sehr ratlos zurückgelassen.
Obwohl augenscheinlich wenig passiert, habe ich das Buch in Gedanken immer bei mir getragen. Wir begleiten einen 19jährigen, sehr schweigsamen, in sich gekehrten, jungen Hirten in dritter Generation. Der Wolf ist in die Lüneberger Heide zurückgekehrt, doch ist es wirklich so oder ist er nur ein Sinnbild für den Mensch? Diese Frage wirft sich meiner Meinung nach in diesem Buch auf- es ist meine Interpretation. Die Sprache des Buches ist phantastisch, sie wirkt nach. Dieses Buch, die Bilder, die Sprache und die Geschichte werden mich wohl noch eine Weile begleiten. Dieses Buch muss verdaut werden und kann je nach eigener Lebenssituation unterschiedlich aufgefasst werden. Hatte was ☺️.
"Von Norden rollt ein Donner" - Markus Thielemann (14in2025)
"Sie schießen ihre Fotos von der Landschaft, die so lieblich blüht und strahlt in Rot und Violett, den Farben das Hämatoms, der nie verheilten Wunde."
Jannes ist ein junger Schäfer der mit seinen Eltern und seinem Großvater auf einem Hof in der Lüneburger Heide lebt. Dort kümmert er sich mit seinen beiden Collies um all die vielen Schnucken. Aber das Geschäft ist mühsam... und dazu kommt noch, das der Wolf zurück in der Heide ist. Die Städter freuts, den Bauern ist er ein Graus.
Nach einer trinkstarken Halloween Nacht erlebt Jannes immer wieder Besuch in der Heide. Eine Frau mit kaputten Mantel und Rosenblättern, die da ist und sich von weitem zeigt. Jannes denkt er wird verrückt, aber am Ende ist es nur die Rache einer Frau, die Rache eines Unglücks, die Rache eines Hämatoms einer ganzen Region, welches nicht heilen will.
Ich bin mir unsicher. Grundgedanke ist gut, aber irgendwie kam ich nicht ganz rein. Auch wie Jannes bin ich immer wieder weggenickt und wusste am Ende nicht mehr was wahr ist, was ich wirklich gelesen habe oder nicht.
Ich kann mich nicht ganz entscheiden.
3,5⭐️ von 5⭐️
Ein Roman, der für mich zunächst wenig Stimmung aufbaut, da der Autor am Anfang Beschreibungen durch Aufzählungen macht. Die Atmosphäre bleibt für mich dadurch distanziert. Der Schreibstil ändert sich im Laufe des Buches, als jedoch die Mystik mit der Hexe hinzukommt war es zwar spannend zu lesen, aber nicht nach meinem Geschmack. Die Themen, die beinhaltet sein sollten waren für mich zu oberflächlich angedeutet.
Vielschichtig, tiefgründig und eine Spur schaurig!
Der 19-jährige Jannes lebt mit seinen Eltern und dem Großvater Wilhelm auf einem Bauernhof in der südlichen Lüneburger Heide. Jannes wird den Hof übernehmen und ist schon jetzt mit den Heidschnucken täglich in der Heide unterwegs. Die Wiederansiedlung des Wolfes macht der Familie und den Nachbar*innen in der näheren Umgebung Sorgen, es tauchen gerissene Lämmer auf. Finanzielle Nöte sind damit verbunden. Gleichzeitig erscheint Jannes auf seinen Wegen durch die Heide eine Frau, was ihn stark verunsichert. Lange ist ihm nicht klar, ob sie real existiert oder er ernsthaft psychisch erkrankt. Er braucht eine Zeit, um die Zusammenhänge zwischen Erscheinung der Frau und der grausigen Geschichte der Heide in der Nazizeit zu verstehen, in die scheinbar auch Großvater Wilhelm verwickelt war und als Held gefeiert wurde. Zudem zieht in die direkte Nachbarschaft eine völkisch orientierte Familie. Damit schafft Markus Thielemann eine geschickte Verbindung zum Erstarken rechter Kräfte Mitte der 2010er Jahre.
Ein paar Fragen bleiben für mich am Ende des Buches, z.B. die Rolle der dementen Großmutter Erika, die in einem Pflegeheim lebt oder aber die Haltung von Friedrich, dem Stiefvater von Jannes...
Dieser Roman hat Highlight-Potenzial - eine Überraschung war er allemal.
Denn im ersten Drittel mäanderte der Text um den 19 Jahre alten Schafhirten Jannes und seine Familie in der Lüneburger Heide zwar atmosphärisch aber auch sehr ruhig dahin.
Ich hatte jedoch das Gefühl, dass Markus Thielemann sich dann so richtig warmgeschrieben hatte, denn die erzählerische Gestaltung wurde immer mehrschichtiger, aufreibender und anspruchsvoller. Jannes‘ Gedanken taumeln zwischen Unbehagen, Unsicherheit und Neugier, sodass man auch als Leser wachsam bleiben muss. Doch vor wem? Dem Wolf, den Menschen oder doch etwas anderem, das sich im Wald bewegt?
Jeder Satz saß wie ein Paukenschlag; nicht alles wurde auf dem Silbertablett serviert und trotzdem hat man das Nötige verstanden.
Markus Thielemann hat hier ein wirklich stimmiges Paket abgeliefert, das mich so gut wie vollständig überzeugt hat.
Und hier ist es, mein erstes 5 Sterne Buch 2025 🤗
Gerade beendet bin ich noch ganz gefangen von der düsteren, drückenden Stimmung der Geschichte.
Mich hat fasziniert wie bildgewaltig und gleichzeitig für mich sperrig, kantig der Autor hier Sprache einsetzt und mich somit, trotz anfänglicher Gewöhnung, völlig mitnehmen konnte.
Auch die Herangehensweise an die vielen Themen die ineinander greifen, die Sinnbilder, Symbole. . . einfach beeindruckend und emotional. Gerade auch, dass es am Ende nicht auf alles eine Antwort und Lösung gibt, macht den Roman für mich nur glaubwürdiger und die Geschichte stimmiger. Von mir eine klare Leseempfehlung.
Drei Generationen leben auf dem Hof in der Lüneburger Heide. Großvater Wilhelm, Vater Friedrich, Jannes der Sohn und seine Mutter Sibylle. Tagtäglich treiben sie die Schafe auf die Heide, kümmern sich um deren Pflege und Zucht. Zwischen dem täglichen Einerlei bahnt sich aber das Düstere seinen Weg… Vater Friedrich hat immer öfter Erinnerungslücken und als in der näheren Umgebung immer wieder Wolfsrisse gemeldet werden, macht er den Kampf gegen den Wolf zu seinem persönlichen Feldzug gegen das Vergessen.
Obwohl Jannes gern Schäfer ist, hat er auch mit Dämonen zu kämpfen. Hin und her gerissen zwischen seinen Pflichten im Familienbetrieb und dem Freiheitsgefühl, das er verspürt, wenn er mit den Schafen auf der Heide ist, muss er mit dem Spott seiner Freunde zurechtkommen, die nur bedingt verstehen, wieso er tut, was er tut. Dann hat auch er plötzlich Aussetzer, die er nicht einordnen kann, sieht eine verwahrloste Frau, die nicht da sein kann oder doch?
🐏
Das Erscheinen der geheimnisvollen Frau passt für mich perfekt in die Handlung, die durch die kraftvolle und poetische Erzählweise getragen wird. Ich konnte mir die Landschaft und das Leben auf dem Hof sehr gut vorstellen. Aufsteigender Nebel, Kälte und Nässe konnte ich förmlich spüren. Zwischen den Zeilen immer eine unterschwellige Anspannung, eine ständig lauernde Gefahr, haben ein Gefühl der Beklemmung in mir ausgelöst, das ich während des Lesens nur schwer abschütteln konnte.
Markus Thielemann gelingt es, mit dieser tiefgehenden Familiengeschichte wichtige Gesellschaftsthemen aufzugreifen. Unterschiedliche Blickwinkel hinsichtlich der Wolfspolitik (Artenschutz vs. Existenzängste), der Aufarbeitung deutscher Geschichte und dem Umgang mit Heimatschutz bereichern den Roman zusätzlich zur wirklich spannenden Handlung.
Dieses Buch konnte mich sprachlich und inhaltlich absolut überzeugen und stand meiner Meinung nach zu Recht auf der Nominierungsliste für den Buchpreis 2024!
Ich muss sagen, dass ich dieses Jahr die Nominierungen auf der Longlist wirklich super lesbar finde. Zumindest die, die ich gelesen habe.
Aber jetzt zu dem Buch. Ich war und bin eigentlich immer pro Wolf eingestellt gewesen, aber das Buch macht wirklich nachdenklich! Was macht die Angst mit einem Tierhalter, wie verändert man sich, wenn hinter jeder Ecke Unheil lauern kann. Ohne Wertung, welches Tier mehr Schutz verdient?! Zusätzlich gibt es Informationen rund um die Region (damals- heute), die sehr deutlich kritisch, aber ohne Zeigefinger sind.
Gerne habe ich Jannes in seinem Alltag als Schäfer in der Heide, mit den Tieren und bei der Aufdeckung des schwarzen Fleckes in seiner Familiengeschichte begleitet. Besonders mochte ich das unerwartet Düstere und Mystische, manche Stellen empfand ich sogar als richtig unheimlich. Die Spannung hat für mich ab der Mitte des Buches allerdings etwas abgenommen, auch wurden viele Dinge nur am Rande angedeutet. Sprachlich allerdings top.
Von Norden rollt ein Donner und verhallt. Blitzlos. Keines der Tiere zuckt, auch der Hirte nicht. Er schaut nicht einmal auf, trottet weiter. Langsam, als würde die Zeit um sie träger fließen, ziehen sie hinaus über das verblühte Land, sacht gewellte Ödnis, gefärbt von braun verholztem Kraut und Sand, wo nichts emporragt außer den Wacholdersträuchern, zerbrochenen Säulen gleich.
Sein Name ist Jannes Kohlmeyer, er ist neunzehn Jahre alt. Das Krachen der Panzermunition, die tagsüber auf dem Fabrikgelände des Waffenherstellers Rheinmetall getestet wird, nimmt er kaum wahr. Es gehört für ihn zur Arbeit wie das Zischen des Windes und das Blöken des Viehs. Er hat andere Sorgen.
- Zitat, Seite 7
Dieser Roman von Markus Thielemann, geboren 1992, stand im Herbst 2024 völlig zurecht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.
Mit Sprachgebilden, die mitunter an Gemälde Alter Meister erinnern, entführt uns der Autor in die herbstliche Heidelandschaft. Was für Sommertouristen ein blühender Sehnsuchtsort sein mag, ist für den Protagonisten Jannes, der in dritter Generation den Familienbetrieb mit am Leben hält, Wohn- und Arbeitsstätte.
An diesem dunklen Oktobertag, als Jannes mit Hund und seiner Schafherde durch die Heidelandschaft zieht, hat er ganz konkrete Sorgen. Sein Stiefvater, der den Betrieb hauptsächlich betreibt, zeigt Anzeichen einer aufkommenden Demenz. Ist es wirklich nur der Stress, der sein schon fast krankhaftes Interesse an der aufkommenden Bedrohung durch den Wolf entfacht hat und der den Vater nun ständig dazu treibt, die neuesten Meldungen auf Sozialmedia zu überprüfen? Zum Thema Wolf hat der Großvater noch eine ganz andere Geschichte zu erzählen, nämlich wie er, kurz nach dem Krieg, den gierigen Räuber mit beherzten Schüssen in die Flucht getrieben hat.
Doch ganz andere Geister aus der Vergangenheit scheinen plötzlich am Waldesrand aufzutauchen und unser Protagonist beginnt sich beunruhigt zu fragen, ob sein eigener Verstand wie bei der Oma auf Abwege gerät, oder ob bisher gut versteckte Geheimnisse aus der Dunkelheit ins Licht der Öffentlichkeit drängen ...
Gerade die schauerlichen und unwirklichen Elemente der Erzählung tragen dazu bei, die Realität der Geschichte zu unterstreichen. Der Autor versteht es wunderbar, Bilder im Kopf des Lesenden entstehen zu lassen, die sehr lebendig und beinah greifbar wirken. Man glaubt, das Laub rascheln zu hören, man nimmt den modrigen Geruch des Erdbodens wahr und spürt die Feuchtigkeit durch die Kleidung kriechen.
Aber auch handfeste Emotionen wie das große Unbehagen, welches die Tochter empfindet, wenn sie feststellt, dass ihre demente Mutter in einer völlig anderen Zeitebene steckt und den Enkel für ihren Mann im jugendlichen Alter hält, sind glaubhaft dargestellt.
Der Roman stellt fest, dass uralte Ängste uns auch in scheinbar aufgeklärten Zeiten einholen, wie die jüngste Vergangenheit uns prägt und der Heimatmythos verführerisch und abgründig zugleich wirkt.
FAZIT
Die Geschichte dieses Buches hat mich von Anfang an abgeholt und ich bin dem jungen Hirten ohne Zögern gefolgt. Der Roman hat eine ungewöhnliche, aber sehr gelungene Mischung aus mysteriösen Elementen und bodenständiger Handlung. Absolut einer näheren Betrachtung wert.
Unbedingt lesenswert.
Einerseits ist das Buch in weiten Teilen sehr "norddeutsch" - Es wird in der Familie kein Wort zuviel gesprochen. "Jo, muss ja". Man hört es beim lesen, man sieht die Kargheit des Landes und gleichzeitig deren Schönheit. Manchmal wünscht man sich mehr, aber das wäre nicht stimmig, also geht man mit.
Andererseits sind da noch Jannes' Begegnungen der übernatürlichen Art. Das hätte schief gehen können, aber es geht nicht schief. Es passt in die Handlung und es hat mir teileweise eine Gänsehaut verpasst. Faszinierend!
Ich würde das Buch weiterempfehlen.
Die Wolfsthematik hat mich bei diesem Buch sofort angesprochen, und dass das Buch auch noch auf der Shortlist des deutschen Buchpreises stand, tat sein übriges.
Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten in das Buch reinzukommen aber mit der Zeit wurde es zunehmend spannender.
Leider verlor sich diese Spannung stellenweise wieder in Landschaftsbeschreibungen, die zwar schön zu lesen waren aber der Handlung keinen wirklichen Mehrwert boten.
Jannes, der Protagonist der Geschichte blieb für mich farblos und distanziert, genauso wie die übrigen Figuren. Man erfährt zwar etwas über sein Innenleben aber es bleibt mir persönlich immer etwas zu oberflächlich.
Seine Begegnungen mit der Hexe haben mich dafür aber restlos begeistert. Diese Szenen werden von dem Autor so eindringlich beschrieben, dass mich regelrecht fröstelte aber sie mich auch gleichzeitig weiterlesen ließen.
Alles in allem ein solider Roman, der stellenweise etwas langatmig daher kommt, dafür aber mit seinem Schreibstil, seiner Atmosphäre und vor allem seinem Ende punkten kann.
Die Hauptfigur des im Jahr 2014 spielenden Buches ist der 19jährige Jannes Kohlmeyer, der mit 42 Ziegen und 357 Heidschnucken im Gebiet der Lüneburger Heide unterwegs ist. Er sucht seinen Platz zwischen Tradition und Moderne und befindet sich zwischen Angst und Wut.
Aber nur vordergründig geht es um das Schäfer- und Familienleben.
Donner rollt von dem Truppenübungsplatz in Form von Gewehrgeräuschen, auch der Waffenhersteller Rheinmetall hat sein Werk dort.
Auch die verdrängte Existenz eines ehemaligen KZ-Außenlagers von Bergen Belsen, die aufkommende AfD, der Antisemit Herman Löns und natürlich der Wolf werden thematisiert.
Dabei schreibt Markus Thielemann sehr bildhaft, teilweise poetisch, teilweise düster.
Nicht jeder Strang wird bis zum Ende geführt, es bleibt dem Lesenden überlassen, Gedanken zu Ende zu bringen.
Ein lesenswertes Buch, dessen Donner noch lange in mir nachhallen wird.
Die dunklen Familiengeheimnisse und das Problem der Deutschen
In dem Roman lernen wir vordergründig den Beruf des Schäfers kennen und sehen, wie er sich über die Jahre in Deutschland verändert hat. Der Wolf hat sich seinen Weg zurück zu uns gesucht und während Tier- und Umweltschützer sich freuen, stehen die Viehhalter vor einem Berg aus Ängsten und finanziellen Unsicherheiten. Zwei Seiten krachen im Versuch einer Lösungsfindung teilweise lautstark aneinander und so manch einer schleicht sich mit in den Diskurs, um Ängste für sich auszunutzen. Die Fronten sind gnadenlos verhärtet.
Mittendrin ein junger Schäfer, der den Beruf ausübt, weil man das in der Familie halt so macht und das ja auch irgendwie Spaß macht und trotzdem oft die Luft zum Atmen nimmt.
Dazu kommen noch familiäre Spannungen und ein dunkles Familiengeheimnis bricht sich Bahn.
Der Autor gräbt sich durch das Identitätsproblem der Deutschen und wie das darauf begründete nationalistische und rassistische Denken eben nicht mit Ende des zweiten Weltkrieges ausgemerzt wurde.
Er zeigt den schmalen Grat zwischen Heimat und falschem Besitzanspruch vor allem im ländlichen Raum. Insbesondere der Schluss ist ein beeindruckender Fingerzeig auf ein verqueres und fatales Bild des romantischen Deutschland, sein altes Handwerk und seine Menschen.
Mir gab dieses Buch sehr viel und hatte mich am Ende nochmal ordentlich durchgerüttelt. Insbesondere im aktuellen politischen Kontext gelesen bereitet diese Geschichte ordentlich Bauchschmerzen.
Dieser düstere Heimatroman mit fantastischen Elementen ist mein erstes Lesehighlight in diesem Jahr!
Das hätte ich mir eigentlich nicht vorstellen können, denn Übernatürliches und viele Naturbeschreibungen sind eigentlich so gar nicht meins.
In diesem Buch ist für mich aber alles stimmig.
Markus Thielemann schafft es, mit seinen Worten eine unglaublich dichte und z. T. gruselige/übersinnliche Atmosphäre zu erschaffen. Man ist direkt in der kargen und gleichwohl wunderschönen Lüneburger Heide und dem kleinen Dorf in Niedersachsen.
Wir begleiten Jannes Kohlmeyer und seine Familie, die bereits seit mehreren Generationen als Schäfer ihren Lebensunterhalt verdienen. Aktuell wird ihre Existenz durch den Wolf bedroht, der sich in Niedersachsen wieder ansiedelt. Dadurch entstehen im Dorf neue Konflikte. Auch in der Familie werden Probleme nicht angesprochen oder schwelen über Jahrzehnte und Generationen unaufgearbeitet im Hintergrund mit.
Es werden wirklich viele Themen angerissen und nicht immer bis zu Ende ausgeführt (Wolf, Alzheimer, Neonazis, Generationentraumata, die deutsche Vergangenheit und unser Umgang damit). Es wirkt für mich aber nie überladen, da wir Jannes über einen längeren Zeitraum begleiten und sich das Leben nicht immer nur auf einem Schauplatz aufhält. Die offenen, unausgesprochenen Dinge spiegeln Jannes und seine Familie sehr gut wider und wie sie mit Konflikten und Problemen umgehen.
Bei den übersinnlichen Visionen, in denen Jannes einer vermeintlichen Hexe begegnet, stockte mir beim Lesen der Atem. Ich habe mich gegruselt und konnte dennoch nicht aufhören. Zum Ende wird dieses Phänomen aber, wie ich finde, sehr gut aufgelöst.
Ich selbst komme aus einem kleinen Dorf in Niedersachsen und empfand Thielemanns Buch als sehr authentisch.
Daher absolute Leseempfehlung von mir!
Während die meisten Menschen den Gedanken an die Lüneburger Heide mit traumhaft idyllischee Natur und weidenden Schafen verbinden, wirft Markus Thielemann in „Von Norden rollt ein Donner“ einen weitaus unromantischeren Blick auf die Gegend und ihre Geschichte. Er beschäftigt sich mit aktuellen Themen wie dem Wolf, aber auch mit stattgefundener Zwangsarbeit, Familiengeheimnissen, völkischen Gedanken und Krankheit.
Sprachlich absolut authentisch beschreibt der Autor wie der Schäferfamilie versucht, ihre Tiere vor dem Wolf zu schützen und wie Jungschäfer Jannis ein Familiengeheimnis aufdeckt.
In Jannes Visionen konnte ich mich nicht immer einfühlen, dennoch war es ein tolles Leseerlebnis und das Buch hat mich noch einige Tage beschäftigt.
Raue Wirklichkeit mit Wolf und Schafen gepaart mit Mystik und Beschaulichkeit
Erst nachdem ich den Autor Markus Thielemann beim Shortlist-Abend in Berlin erleben durfte, weckte sein Roman mein Interesse. Die Folge war natürlich, dass Schäfer Jannes vor meinem inneren Auge aussah wie der Autor. Das war dem Lesen nicht abträglich, vermutlich jedoch nicht im Sinne des Autors.
Ich ließ mich also ein, auf das Setting einer Schäferfamilie in der Lüneburger Heide. Die Beschreibung von beidem, dem Schäfer-Dasein und der Heide, hatte etwas romantiersierendes aber gleichzeitig auch etwas sehr Raues. Ich wollte unbedingt dabei sein, inmitten dieser berühmten Landschaft, inmitten der Schafe.
Der Wolf passte mir dabei gut ins Bild. Eine ähnliche Debatte um den Wolf gibt es in den Brandenburger Wäldern. Als Tierliebhaberin, die beruflich nichts vom Wolf zu befürchten hat, fällt es mir leicht, die Errungenschaft anzuerkennen, dass sich Wolfsrudel wieder in Deutschland heimisch fühlen. Aber gerade beim Lesen des Buches verstehe ich die Sorgen der Landwirte und Schäfer sehr wohl. Einfühlsam und wie mir scheint scharf beobachtet, beschreibt Thielemann die Menschen in seinem Buch. Die Kontroversen und Kompromisse, lassen selbst die ungehobeltsten Naturen symphatisch wirken. Erst nach und nach wird klar, dass Jannes unbewusst einem Familiengeheimnis auf der Spur ist. Dieses Geheimnis liegt wie ein Nebel über der ganzen Heide.
Trotz einiger spannender Szenen, hatte ich aber Schwierigkeiten mit dem Buch. Die Sprache war bildreich und klug, daran lag es nicht. Aber das Lesen war so, wie man sich die Schäferei ausmalt - beschaulich und laaaangsam.
Atmosphärisch ist das Buch so klasse. Die Angst und das drohende Unheil des Wolfs, die Stimmung einer nebligen Heide und auch die drückende Stimmung innerhalb der Familien sind sehr gut beschrieben. Man fühlt sich direkt verortet und spürt in die Situation hinein.
Allerdings war mir Jannes zu passiv und deshalb fiel es mir schwer mit ihm mitzufühlen. Die Handlung war spannend, aber seine Passivität nahm von der Spannung wieder zu viel weg.
Dennoch ein lesenswertes Buch für Alle, die auf atmosphärische Familiengeschichte und auch einen Einblick in das Leben als Hirte in der Heide haben möchten.
Jannes lebt zurückgezogen als Schäfer in der Südheide. Mit seinen besten Freunden aus Schulzeiten kann er nicht mehr viel anfangen und seine Familie macht ihm immer mehr Sorgen. Sein Vater scheint Gedächtnisprobleme zu haben und verbringt die Tage und Nächte vor dem Computer, um Wolfssichtungen zu recherchieren. Die Angst vor dem Wolf geht in der ganzen Gegend um, die Menschen fühlen sich von der Politik allein gelassen. Während sich Jannes Vater immer mehr in das Thema hineinsteigert, würde sein Großvater am liebsten kurzen Prozess machen.
Währenddessen zweifelt Jannes auch noch an seinem eigenen Verstand, da er ständig beängstigende Visionen hat, welche nach und nach die düstere Geschichte der Gegend und seiner eigenen Familie aufdecken.
Ein großartiges Buch über die Angst vor dem Fremden, unaufgearbeitete Geschichte in der westdeutschen Provinz und vererbte Schuld. Düster, gruselig und in einer unheimlich schönen, anschaulichen Sprache geschrieben. Das war auf jeden Fall eines meiner Lesehighlights dieses Jahr, ganz große Empfehlung!
Absolut zu Recht auf der Shortlist zum diesjährigen Buchpreis! Eine einzigartige, gleichwohl phantastische Geschichte, meisterhaft, flüssig und spannend erzählt.
Einen halben Stern Abzug auch nur, weil mir ein paar Bücher dieses Jahr noch ein kleines bisschen mehr geflasht haben😉