Entscheidend ist die Entschiedenheit
Volker Ullrich gelingt es in "Schicksalsstunden einer Demokratie" durch die hohe Anschaulichkeit, die klare Struktur und die eindeutige, zunächst fast plakative These eine überaus breite Leserschaft anzusprechen: Das Scheitern der ersten deutschen Demokratie war weder vorherbestimmt noch unabwendbar, sondern das Ergebnis viel zu vieler verpasster Chancen innerhalb einer kontingenten Entwicklung. Dafür analysiert der Historiker zehn verschiedene Schlüsselmomente zwischen 1918 und 1933 hinsichtlich der Möglichkeiten, die sich politischen Akteuren zur Eindämmung oder Abweisung autoritärer Versuche geboten hatten, die Republik zu untergraben oder auszuhöhlen. Die Kernvorwürfe sind schnell zusammengefasst: Demokratisches Abwehrhandeln war entweder zu zögerlich erfolgt oder politische Repräsentanten in ihrem Umgang mit Anwehrerfolgen zu bescheiden - und viel zu oft schwächen persönliche Aversionen, ein falscher Stolz, nachgetragene Verschnupftheit oder die Verkopfung auf die eigenen Interessen so vieler beteiligter Akteure die gemeinsame -mithin kraftvolle- Verteidigung der Demokratie gegen autoritäre Umsturzversuche. Viel zu oft hätte es Demokraten durch die Rückbesinnung auf gemeinsame Werte gelingen können, ihre Feinde abzuwehren. Damit fokussiert das Buch nicht die Verletzlichkeit, sondern viel eher die Wehrhaftigkeit von Demokratien - auch gegen einen Feind, der sich eben nicht an die politischen Spielregeln hält. In Zeiten der allgemeinen Verunsicherung braucht es Werke wie diese, die quellennah und kenntnisreich aufzeigen, dass das unbedingte Eintreten für unsere Demokratie nicht nur erforderlich, sondern auf allen Ebenen möglich ist, wenn wir uns nicht von einer falschen Toleranz gegenüber Intoleranz einschränken lassen.


