Ich werde mich verändern
Ein rätselhafter Text mit einer rätselhaften Protagonistin, die selbst das Rätsel ihrer Herkunft zu lüften versucht. Denn Nina weiß nicht, wer ihr Vater ist und wohin ihre Mutter verschwand. Doch auf der Suche nach Antworten, stößt sie bei den „Grauköpfen“ in ihrem Heimatort Kall auf beharrliches Schweigen und Schuld. Norbert Scheuers Text ist von einer beeindruckenden Dichte und stilistischer Vielfalt geprägt. Wir wechseln nicht nur zwischen den Erzählperspektiven, sondern auch zwischen mythischen Episoden und erleuchtenden Rückblicken, Wahrheit und Verdrängung. Alles ist wichtig und gleichzeitig so verschnörkelt und rätselhaft, dass man eigentlich Notizen machen muss, um den Durchblick zu behalten. Protagonistin Nina gibt einem dabei Einblicke in eine traumatische Kindheit und schemenhafte Erinnerungen, die sie selbst nicht deuten kann, und schlägt einem dann wieder die emotionale Tür vor der Nase zu. Mich haben die mehrschichtigen Bilder, deren Norbert Scheuer sich bedient, um das Innenleben seiner Protagonistin zu veranschaulichen, wirklich begeistert, denn so etwas habe ich noch nie gelesen. Diese Lektüre eignet sich super zum gemeinsamen Lesen, rätselraten und mutmaßen. Dass der Roman in eine Erzählwelt eingebettet ist, in der auch die meisten anderen Romane von Norbert Scheuer spielen, macht das Leseerlebnis noch interessanter.
