
Hello Baby von Kim Eui-kyung Dieses Buch wirft einen ungeschönten Blick hinter die Kulissen einer Fruchtbarkeitsklinik in Seoul und hat mich allein durch diese intensive Thematik direkt gepackt. Wir begleiten Munjeong und ihre Schicksalsgenossinnen, die im Gruppenchat „Hello Baby“ versuchen, die Gratwanderung zwischen Hoffnung, medizinischem Marathon und dem gesellschaftlichen Erwartungsdruck in Südkorea zu meistern. Dass die Geschichte eine mysteriöse Wendung nimmt, als eine der Frauen nach ihrem Verschwinden plötzlich mit einem Kind auftaucht, gibt dem Ganzen eine spannende Dynamik. Was mich wirklich beeindruckt hat, ist die Ehrlichkeit der Erzählung. Der Kinderwunsch wird als das porträtiert, was er für viele ist: Eine Zerreißprobe, die an die Substanz geht: finanziell, körperlich und vor allem psychisch. Besonders die Dynamik innerhalb der Frauengruppe ist meisterhaft eingefangen. Dieses fragile Geflecht aus echtem Beistand, einer Prise Neid und der tiefsitzenden Scham wirkt absolut authentisch. Es verdeutlicht schmerzhaft, wie isoliert man sich trotz einer Gemeinschaft fühlen kann, wenn der größte Lebenstraum auf der Kippe steht. Allerdings gab es für mich auch Momente, in denen die Verbindung etwas abriss. Bei sechs verschiedenen Protagonistinnen ist es eine Herausforderung, jeder Figur die nötige Tiefe zu verleihen, weshalb einige Profile für mich leider etwas schemenhaft blieben. Während mich manche Passagen tief bewegt haben, fühlten sich andere Kapitel eher wie eine nüchterne Bestandsaufnahme oder gar als Lückenfüller an. Insgesamt ist es eine kluge und gesellschaftskritische Lektüre, die wichtige Fragen stellt und zum Reflektieren anregt. Ein Werk mit enormer Relevanz, dem für mich lediglich die durchgehende emotionale Intensität fehlte, um mich restlos zu begeistern. ★★★☆☆ (3 von 5 Sternen)




































