Ein Literarisches Meisterwerk
Dieses Buch erzählt die Geschichte von einem Griechschlehrer der langsam sein Augenlicht verliert und von einer seiner Schülerinnen die ihre Sprachfähigkeit verloren hat. Sie kommen sich immer näher und man erfährt durch wechselnde Sichtweisen im Verlauf des Buches immer mehr über deren Schicksal. Als erstes fällt direkt auf, dass dieses Buch literarisch wahnsinnig toll geschrieben ist. Beispielsweise als Han Kang die Narbe im Gesicht des Protagonisten beschreibt: „Als sie diese Linie in der ersten Unterrichtsstunde entdeckte, sah sie darin einen Weg auf einer alten Landkarte, der die Spur einer vor langer Zeit geflossenen Träne markierte.“ Sie arbeitet viel mit dieser metaphorischen Sprache und gibt ihrem Text somit eine starke poetische Wirkung. Andererseits habe ich in dem Buch zweimal den schon viel zu oft gehörten Vergleich „sie zitterte wie Espenlaub“ gelesen. Zunächst dachte ich, dass die Übersetzerin vielleicht nicht wusste, dass dieses Bild im deutschen eher langweilig wirkt. Aber inzwischen bin ich mir fast sicher, dass diese Vergleiche bewusst als Kontrast gewählt wurden. So wirken Bilder, wie das von der Narbe, noch stärker. Und ich denke im original wird hier ebenfalls ein eher allgemein bekannter Vergleich stehen. Während des Lesens fiel es mir schwer das Buch sofort zu verstehen. Es ist sehr verwirrend aufgebaut, denn in den einzelnen Kapiteln wechselt die Sichtweise der Protagonisten regelmäßig hin und her. Mal denkt der eine Lehrer über die Schülerin nach und im nächsten Absatz denkt er an seine Schwester zurück. Aber trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass ich etwas nicht verstehe, weil es schlecht erklärt ist. Sondern vielmehr, weil ich als Leser nicht smart genug war um es zu begreifen. Denn man versteht dann schon immer um wen es gerade geht. Vielleicht hat es bei mir immer einen Moment länger gedauert. Aber ich denke auch, dass ich wenn ich das Buch ein zweites Mal Lese, deutlich mehr checken werde als beim ersten Mal. Das Thema an sich hat mich nicht wirklich brennend interessiert, die Geschichte ist auch nicht vom Plot getrieben und zusätzlich ist es verwirrend geschrieben. Aber trotzdem hatte dieses Buch Etwas was mich gefesselt hat und mich das Buch kaum mehr aus der Hand legen ließ. Han Kang schreibt hier sehr atmosphärisch und sie lässt Dinge eher indirekt oder symbolisch wirken, als sie nüchtern auszuformulieren. Dieser Stil hatte eine besondere Wirkung auf mich. Ich bin sehr froh, dass ich dieses Buch von Han Kang gelesen habe. Und ich würde diese Geschichte auch jedem ans Herz legen, der gerne mal literarisch etwas außergewöhnliches lesen möchte, was schon fast an Poesie heranreicht. Für jemanden, der gerne Bücher wegen der spannenden Geschichte selbst liest, der wird hier wahrscheinlich nicht auf seine Kosten kommen.


























































