15. März
Rating:4

"Weil alle Beziehungsgeschichten im Buch Variationen der einen Liebesgeschichte sind, nicht wahr?" Gleich im Prolog erfahren wir vom Tod von Camil. Mit ihm beginnt quasi alles. Abwechselnd lesen wir die Geschichte von Roxana, die jede Sommerferien in dem kleinen Ort Bușteni in Rumänien verbringt und dem Bericht einer Autorin die eine Konzert-Lese-Tour durch Deutschland macht und von einem Pianisten begleitet wird. Ich bin nicht ganz leicht in die Geschichte reingekommen, las sich der Schreibstil für mich etwas sperrig. In einzelnen Kapiteln erzählt uns die Autorin die Beziehungsgeschichten der Anwohner:innen in dem kleinen Ort. Diese sind zum Teil äußerst skurril aber auch so zärtlich und sind verwoben mit der immer enger werdenden Freundschaft von Camil und Roxana. Immer sind es auch besondere Umstände, die plötzlich in Liebe enden. Menschen die nicht zueinander zu passen scheinen, verlieben sich. Und ich? Ich merke verwundert, wie sehr mich das Buch inzwischen in seinen Bann gezogen hat. Feine Charakterstudien, die in jedem Menschen das Gute finden und davon erzählen. Eine Dorfgemeinschaft, die jeden Sommer von den Touristen des nicht allzeit zu weit entfernten Bukarest bereichert werden, lassen Mitmenschen auf einmal mit anderen Augen sehen und deren Geschichten werden erzählt. "Mögen wir auch nur eine vergleichsweise kurze Zeit im Jahr hier verbracht haben, wir unterhielten uns mit den Einheimischen trotzdem mehr, als sie sich das ganze Jahr über miteinander unterhielten." Über allem liegt der staubige Duft des Sommers. Dazwischen die Konzertlesungen, die einem in Ungewissheit lassen, was noch passiert sein könnte. Das Ende hat mich dann auch noch überraschen können. Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung für das neue Buch der Autorin, die in 2021 für ihren Roman "Die nicht sterben" für den deutschen Buchpreis nominiert war.

Tanzende Frau, blauer Hahn
Tanzende Frau, blauer Hahnby Dana GrigorceaPenguin