
Dieses Buch will groß, tief und verstörend sein. Für mich war es vor allem bemüht. Die Dialoge der (männlichen) Teenager wirken konstruiert und völlig realitätsfern. So sprechen Jugendliche schlichtweg nicht. Es liest sich, als hätte jemand versucht, jugendliche Sprache nachzuahmen, ohne je einer echten Unterhaltung zugehört zu haben. Auch Turtles Handlungen erscheinen nicht durchgehend nachvollziehbar oder glaubhaft. Besonders der Showdown zwischen ihr und ihrem Vater driftet ins Absurde ab – das hatte stellenweise was von einem Western-Duell. Am anstrengendsten waren für mich jedoch die endlosen philosophischen Monologe des Vaters. Dieses selbstgefällige, pseudointellektuelle Gefasel wirkte weniger wie Charakterzeichnung, sondern eher wie der Versuch des Autors, seine eigene Sprachgewandtheit zur Schau zu stellen. Das Ergebnis: aufgebläht, ermüdend und alles andere als subtil. Und dann die Missbrauchsszenen. Die hinterließen bei mir einen unangenehmen Beigeschmack – als würde hier jemand sehr detailliert persönliche Fantasien ausbreiten. Zwei Sterne vergebe ich ausschließlich für die Naturbeschreibungen. Die Landschaft ist atmosphärisch dicht, roh und greifbar. Ironischerweise ist die Natur die glaubwürdigste Figur in diesem Buch.















