Sammlung von Erzählungen/Kurzgeschichten, die sich mit dem Muttersein/Kinder haben und bekommen beschäftigen. Zusätzlich spielt die COVID-19 Pandemie eine große Rolle, Einsamkeit, Sexualität und viele, viele Empfindungen.
Die Titelgebende Geschichte verwirrt mich sehr.
Starker Start, dann empfinde ich es als sehr langatmig, okayer Abschluss.
2.5 Sterne aufgerundet
Dino Moms von Naomi Wood ist eine Geschichtensammlung über (zukünftige) Mutter und Frauen der anderen Art.
Ich war mir lange unsicher, ob ich überhaupt etwas zu diesem Buch schreiben wollte, aber nun ein paar Monate später denke ich immer noch an vereinzelte Geschichten und realisiere, dass Naomi Woods Worte etwas in mir ausgelöst haben.
Es sind diese schrägen und gleichzeitig todernsten Themen, die mit einer Leichtigkeit aus den Seiten kommen, ohne den Anspruch zu haben, vollends verstanden zu werden. Das Buch hat mich fragend, irritiert und denkend zurückgelassen und gerade das hat mir gefallen.
„Ich war ein Leben lang eine wohlerzogene Frau gewesen, die Ihre Bedürfnisse im Zaum hielt. Aber in letzter Zeit entdeckte ich meine schlechte Energie, und ich begann, ihr zu folgen..“
Naomi Woods „Dino Moms“ bietet eine Sammlung unvergesslicher Kurzgeschichten, die das Leben und die Kämpfe moderner Frauen beleuchten, welche in erster Linie als Mütter wahrgenommen werden, jedoch auch als unabhängige Individuen mit eigenen Träumen, Wünschen und Widersprüchen im Spannungsfeld zwischen familiären Erwartungen und persönlicher Selbstverwirklichung bestehen. Mit einem scharfen Blick und subversivem Humor erforscht Wood das oftmals unsichtbare Innenleben ihrer Protagonistinnen, die sich gegen die festgefahrenen Rollenbilder in einer patriarchalen Gesellschaft auflehnen.
Das zentrale Thema in „Dino Moms“ ist der Kampf um Selbstbehauptung und das Ringen mit inneren und äußeren Zwängen. Jede der neun Geschichten bietet einen eigenen Einblick in die Abgründe und Ambivalenzen, die die Mutterschaft mit sich bringen kann. Die Leser*innen begleiten Lesley, die in einer Gruppentherapie plötzlich ihren Wutgefühlen freien Lauf lässt, sowie eine Mutter, die sich während des Lockdowns isoliert und sich zwischen Sehnsucht und Wahnsinn wiederfindet. Diese Geschichten sind schnappschussartig und kraftvoll, mit kurzen, bissigen, aber auch berührenden Szenen, die die Leser*innen herausfordern, innezuhalten und sich mit den Figuren zu identifizieren – unabhängig davon, ob sie selbst Mütter sind oder nicht.
Woods Erzählstil ist sowohl präzise als auch poetisch, und sie bringt ihre Figuren immer wieder an moralische und emotionale Grenzen. Die Geschichten sind von starken Emotionen geprägt – Rache, Sehnsucht und subtiler Rebellion – und dennoch sind sie mit einer Prise Humor gewürzt. Besonders faszinierend ist, wie Wood es schafft, ernste Themen in skurrile, oft absurde Situationen einzubetten, ohne ihre Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben. Die Frauen in ihren Geschichten sind facettenreich und glaubwürdig – sie machen Fehler, gehen manchmal unkonventionelle Wege, brechen aus und nehmen sich Freiräume, die ihnen oft verwehrt bleiben.
„Dino Moms“ ist jedoch weit mehr als eine Sammlung wütender Geschichten. Es ist eine Einladung, die Realität hinter der kontrollierten Fassade moderner Elternschaft zu betrachten und darüber nachzudenken, welche Freiräume Mütter benötigen, um ihre eigenen Impulse und Frustrationen auszuleben. Woods Geschichten appellieren an den Mut zur Authentizität und zeigen, dass Mütter keine moralischen Superheldinnen sind, sondern auch Menschen mit Bedürfnissen und Schwächen. Die oft widersprüchlichen Emotionen, die mit der Mutterschaft einhergehen, werden hier in all ihrer Komplexität dargestellt.
„Dino Moms“ ist ein kraftvolles Buch, das die verborgenen Seiten weiblicher und mütterlicher Emotionen offenlegt. Naomi Wood zeigt uns, dass Mutterschaft nicht nur eine Rolle ist, sondern ein komplexes Geflecht aus Identität, Freiheit und Selbstfindung. Ein inspirierendes, provozierendes und humorvolles Buch, das zum Nachdenken und Mitfühlen anregt.
Ausgezeichnet mit dem BBC Short Story Award 2023.
Aus dem Englischen von Gesine Schröder.
Seien wir doch mal ehrlich: Wir Mütter stehen am Ende der gesellschaftlichen Nahrungskette. Was ziemlich paradox ist, denn Mütter sind die Basis der Gesellschaft, wenn sie ausfallen, gerät auch alles andere ins Wanken. Selbiges gilt leider auch für “arbeitende Mütter”, also solche, die neben dem (unbezahlten) Beruf des Erziehens und Betreuens der eigenen Kinder noch einem “richtigen” Beruf nachgehen, also einem, der Geld einbringt. Sie leisten schier Übermenschliches und werden doch oft in ihren beiden Lebensumfeldern als unzureichend wahrgenommen. Von der Arbeit müssen sie oft verschwinden, weil das Kind krank ist, sind nicht Teil der wichtigen Absprachen, wenn sie fehlen und zu Hause in den Krabbelgruppen sagen ihnen die “Besserwissermütter” wie wichtig es ist, rund um die Uhr für sein Kind da zu sein. Und der Haushalt will auch noch gemacht werden, Zeit mit dem Partner/der Partnerin? Oft nicht vorhanden und laut Instamoms und Frauenzeitschriften doch soooo essenziell für eine gesunde Beziehung.
Vor allem aber zerbrechen Mütter oft an den hohen Erwartungen, die sie an sich selbst richten.
In “Dino Moms” geht es, wie der Titel schon nahelegt, um Mütter und zwar die Mütter unserer Zeit. Die neun Geschichten, die hier in einem Buch zusammengefasst sind, handeln von verschiedenen jungen Müttern im Großraum London in unterschiedlichen Stadien ihres Mutterseins: Erstschwangere, Mütter mit einem oder mehreren Kindern und Schwangere, die schon mehrere Schwangerschaften und Fehlgeburten (Triggerwarnung!) hinter sich haben. Alle Geschichten spielen ungefähr zur Zeit der Corona-Pandemie, in einer Geschichte (“Flatten the curve”) geht es explizit um die Zeit des Lockdowns im Jahr 2020. Mit dieser Geschichte konnte ich mich am meisten identifizieren, einfach weil wir alle im selben Boot saßen und die gleichen Probleme hatten. Es war eine surreale, besondere Zeit und ich freue mich, dass ich sie in den letzten Jahren öfter literarisch verarbeitet finde.
Die Geschichten ähneln sich alle, aber nicht nur aufgrund des übergeordneten Themas Mutterschaft und “female rage”. Die meisten hier beschriebenen Frauen stehen an einem Wendepunkt ihres Lebens oder sind mit außergewöhnlichen Ereignissen konfrontiert. Wie die Horrorfilmregisseurin, der aufgrund ihrer eigenen Schwangerschaft ihre Muse abhanden kommt (sie wechselt zu einem männlichen Regisseur). Oder die Frau, deren Exfreund und Vater ihres Kindes - er hat sie verlassen als die Tochter 4 Monate alt war - nun eine andere heiratet und die “Neue” möchte nun die Tochter des Paares als Brautjungfer haben.
In der ersten Geschichte “Leseley in Therapie”, die ich für eine der stärksten halte, geht es um die eingangs beschriebene Zerrissenheit der Mütter angesichts des gesellschaftlichen Diktats, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen. Lesley kehrt nach der Elternzeit als Game-Designerin zurück in den Job und muss feststellen, dass sie dort nicht mehr gebraucht wird, während ihr Baby jedes Mal weint, wenn es in die Betreuungseinrichtung gebracht wird. Lesley trifft beim Wiedereinstiegsprogramm der Firma auf ihre ehemals befreundete Arbeitskollegin Irina, die sowohl im Job als auch als Mutter brilliert. Das zieht Selbstzweifel nach sich, wie sie jede “Working Mom" bestens kennen dürfte.
Da ist das Paar, das in einer anderen Story nach den beiden Geburten sein Sexleben mit einem “Homevideo” wieder aufpeppen will (obwohl sie ohnehin einmal die Woche Sex haben…), vergleichsweise uninteressant. Bei einigen Stories hat mir die Pointe gefehlt bzw. ich habe sie nicht verstanden. Während ich mich mit manchen Geschichten und den darin geschilderten Problemfeldern identifizieren konnte, wirkten andere fast schon surreal und grotesk auf mich. Vor allem mit der letzten, titelgebenden Geschichte “Dino Moms” konnte ich überhaupt nichts anfangen. Mütter und ihre Töchter auf einer Dino Farm in einer “Scripted-Reality-Fernsehshow” aber die Dinos sind echt - häh?
Es gab in manchen Stories Passagen, die fand ich richtig gut, aber meist sind die Geschichten an mir vorbeigezogen, ohne einen Aha-Moment in meinem Kopf zu hinterlassen. Natürlich kann bei neun Kurzgeschichten nicht jede gleich gut sein. Dafür sind sie dann in ihrer Zusammensetzung zu heterogen. Ich fand es schade, dass es keine zusammenhängenden Geschichten waren, also dass zum Beispiel am Ende alle Mütter, die in den einzelnen Geschichten vorkommen, aufeinandertreffen.
Fazit: Alles in allem eine gute Short-Story-Collection, der ein roter Faden abseits des übergeordneten Themas gut zu Gesicht gestanden hätte. Warum das Buch als “Roman” bezeichnet wird, erschließt sich mir nicht. Aus dem Englischen übersetzt von Gesine Schröder.
Naomi Woods „Dino Moms“ ist eine Sammlung kraftvoller Kurzgeschichten, die das Leben moderner Frauen mit Biss und Ironie beleuchten. Die Geschichten sind scharfsinnig und aufrührerisch und fokussieren sich auf Themen, die im Zusammenhang mit Mutterschaft stehen, wie widersprüchlichen Moralvorstellungen der Elternschaft und die komplizierte Seite moderner Liebe.
Die ersten beiden Geschichten haben mich besonders gepackt. Gleich die erste Erzählung – in der Lesley bei einer betrieblichen Therapiestunde die Fassade fallen lässt – war ein fulminanter Einstieg. Hier wird der Druck, den berufstätige Mütter erleben, auf eine Weise entlarvt, die gleichzeitig zum Schmunzeln und Nachdenken anregt. Auch die zweite Geschichte, in der ein Paar im hektischen Familienalltag versucht, die Intimität in der Beziehung wiederzufinden, hat mich gefesselt. Naomi Wood findet in diesen Szenen eine moderne, authentische Sprache, die genau den Ton trifft.
Nach diesen ersten starken Geschichten hat sich mein Lesegenuss allerdings leicht abgeschwächt. Einige der späteren Texte konnten mich weniger begeistern, und die letzte Erzählung ließ mich eher kalt. Trotzdem bewundere ich Woods Schreibstil: Er ist lebendig, manchmal bissig und stets erfrischend modern. Ein paar Geschichten bleiben im Gedächtnis, auch wenn nicht alle gleichermaßen überzeugen.
„Dino Moms“ richtet sich an Leser*innen, die eine neue Perspektive auf das Leben von Müttern und Frauen erwarten, ohne dass diese sich rein um Mutterschaft drehen. Wood schafft es, das Muttersein als Teil eines größeren Ganzen darzustellen und nicht als einzige Facette im Leben ihrer Figuren. Das Buch vermittelt auf leicht provokative Weise, wie komplex die weibliche Identität im Spannungsfeld von Karriere, Familie und Selbstverwirklichung sein kann.
Gerade für frische Mamas, wie ich selbst, war das Buch besonders ansprechend. Es behandelt Themen, die in der aktuellen Zeit, in der so viele Frauen versuchen, ihre Rollen immer neu zu definieren, literarisch aufgearbeitet werden sollten
Insgesamt ist „Dino Moms“ eine interessante Sammlung moderner Kurzgeschichten, die viele verschiedene Facetten des Lebens und der Beziehungen von Frauen betrachtet, die ich teilweise empfehlen kann.
Im Mittelpunkt der einzelnen Erzählungen von Naomi Wood stehen Mütter oder Schwangere, die versuchen ihre zwischenmenschlichen Beziehungen oder Job zu navigieren. Dabei dürfen sie alles sein was Mütter normalerweise nicht sein dürfen: sie sind kleinlich, egoistisch, unempathisch, manipulativ und rachsüchtig.
5 Sterne Highlights waren für mich:
-Lesley in Therapie: eine Frau muss bei ihrem Arbeitgeber an einer Gruppentherapie für wiederkehrende Eltern teilnehmen
-Dracula im Filmtheater: eine schwangere möchte vor der Geburt noch einen Film zu Ende drehen
-Hochzeitstag: Der Expartner von Esther will heiraten
- Dino moms: im Rahmen eines Reality TV Formats leben in einer Art Jurassic Park Wissenschaftlerinnen mit ihren Töchtern
Die anderen Geschichten sind leider eher belanglos bzw mir nicht wirklich in Erinnerung geblieben, daher auch die Gesamtbewertung von 3,5 Sternen.
"Dino Moms" ist eine gelungene Sammlung von messerscharfen Erzählungen. Naomi Wood schreibt in ihren Geschichten über Frauen, die sich den Erwartungen der Gesellschaft an ihr Dasein als Mutter entziehen wollen. Dabei ist das Muttersein zwar eine verbindende Eigenschaft der Protagonistinnen, doch diese steht nicht immer im Fokus der einzelnen Geschichten. Die Sammlung in "Dino Moms" ist für mich eine sehr stimmige Komposition, denn keine Geschichte gleicht der anderen und dennoch haben sie einen verbindenden Kern. Und ich kann sagen, dass mir außnahmslos alle gefallen haben. Hut ab, das kommt nicht oft vor! Natürlich liebe ich skurrile, geradezu absurde Geschichten und die sind hier auf jeden Fall vorhanden.
Die einzelnen Texte handeln von Sehnsüchten und Rachegelüsten, von Frauen die sich in die Enge haben treiben lassen, während die Männer ihren Kopf aus der Schlinge der Verantwortung ziehen. Dabei trifft es Naomi Wood stets subtil auf den Punkt: This is why we can't have nice Things. Der englische Titel des Buches zieht sich sinngemäß durch alle Geschichten: Wir könnten es so schön haben, so leicht haben, wenn da nicht dieser eine Umstand wäre.
Für mich eine gelungene Sammlung, die ich allen Liebhaber*innen von Erzählungen & Kurzgeschichten sehr ans Herz legen kann. Außerdem: Wollt ihr nicht auch wissen, was es mit den Dinos auf sich hat? 🦖
Meine drei liebsten Geschichten:
🖤"Dracula im Filmtheater": Eine Regisseurin, die geradezu Bessesen von dem tragischen Leben ihrer Muse ist.
🖤"Peek-a-booh": Zwei Schwestern versuchen ihren sturen, alternden Vater aus einer Ferienwohnung zu locken.
🖤"Flatten the curve": Eine Mutter verlässt während der Covid-Pandemie ihr Haus nicht und findet sich in einem Zustand wischen Sehnsucht und Wahn wieder.
Hände hoch, wo sind die Fans des Skurrilen & Makabren? 👋🏼
Herzlichsten Dank an @nagel_und_kimche für das Rezensionsexemplar. Aus dem Englischen von Gesine Schröder.