
Eine stille Erzählung über Alter, Nähe und das Weiterleben im Kleinen.
Tove Jansson (1914–2001) war eine finnische Schriftstellerin und Künstlerin. Berühmt wurde sie vor allem durch die Mumin-Geschichten, in denen sie mit feinem Humor, Empathie und genauer Beobachtungsgabe menschliche Beziehungen und Stimmungen einfing. Diese Qualitäten prägen auch ihre späteren, eher stillen Prosawerke, so wie dieses Buch. In „Stadt der Sonne“ beschreibt Jansson schonungslos und gleichzeitig sensibel das Zusammenleben im Altersheim. Auch wenn die Umgebung in Florida warm, gepflegt und fast idyllisch erscheint, zeigt die Erzählung deutlich: Wärme entsteht nicht durch Sonne oder Komfort, sondern durch Nähe, Erinnerungen und Beziehungen zwischen Menschen. Mir hat das Buch gut gefallen. Die Charaktere sind fein und sorgfältig gezeichnet, ebenso ihre kleinen Gesten, Macken und gegenseitigen Abhängigkeiten. Allerdings hat die Geschichte keinen klaren roten Faden, sie fliesst sanft dahin. Vielleicht bewusst als Sinnbild für die Zeit und das Leben im hohen Alter. Besonders schön fand ich auch die schlichte und liebevolle Buchgestaltung, die gut zur ruhigen Atmosphäre der Geschichte passt.

