21. Dez.
Rating:5

Bereits während der Lektüre meines ersten Maigrets war mir klar, dass mir dieser Kommissar gefällt. Doch wie sehr, wurde mir erst bewusst, als ich "Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes" las. Eigentlich wollte ich ja den zweiten Teil der Reihe in Angriff nehmen, aber den hat die Bibliothek leider nicht im Sortiment. Also griff ich einfach zum nächsten Titel der chronologischen Reihenfolge, der dort erhältlich ist. Da mir dieser jedoch so gefallen hat, mache ich mir nun Sorgen, dass alle weiteren Maigret-Romane in seinem Schatten stehen werden. War ich bereits bei meinem ersten Maigret etwas verwirrt, so war dieser Band in jeder Hinsicht noch viel kurioser. Er beginnt nämlich mit einem Ausbruch aus dem Gefängnis - organisiert von keinem Geringeren als Maigret selbst! Da musste ich gleich auf den ersten Seiten leer schlucken (nein, ich hatte den Rückentext extra nicht gelesen!). Dann erfahren wir Schritt für Schritt, was Maigret zu diesem Schritt bewogen hat. Bewegend fand ich dabei, dass wir feststellen, dass auch der Held dieser Reihe nicht unfehlbar ist. Aber er steht dafür gerade, wenn es sein muss, auch mit seiner Karriere. Dies machte mir diesen sanften Hünen von Kommissar nur noch sympathischer und viel zu schnell neigte sich das Buch dem Ende zu. Auch hier war ich am Ende wieder total überrascht, weil ich aus den Geschehnissen selber gar nicht wirklich klug geworden bin. Ob Simenon seine Romane extra so schreibt? Vielleicht habe ich noch nicht genug seiner Bücher gelesen, um aus diesen Fragmenten wirklich etwas herauspicken zu können. Da ich aber sicherlich noch mehr Simenon lesen werde, hoffe ich, mir diese Fähigkeit irgendwann aneignen zu können. Ein eindrücklicher Krimi, wundervoll erzählt von einem talentierten Wortakrobaten und ausgestattet mit einem Kommissar, der sich auf seine ganz eigene Art und Weise durch das herbstliche Paris schlägt.

Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes
Maigret kämpft um den Kopf eines Mannesby Georges SimenonKampa Verlag
7. Jan.
Rating:4.5

Einer der besten Maigrets. Spannend von Anfang bis Ende. Besonders interessant: Maigret exponiert sich, riskiert sein Amt. Wenn er nicht innert zehn Tagen den wahren Mörder einer Witwe und einer Haushälterin findet, verliert er seinen Job. Kurze, hektische Sprache zu Beginn. Herrlich monologisierend, analysierend gegen Ende. Ein echter Antipode, ein zynisch-intellektueller Kaffeetrinker aus dem Osten, bringt Maigret beinahe zur Verzweiflung. Das ist hervorragend geschrieben, vor allem die Charakterstudie des Mörders mit der genialen Abschlussszene mit dem Ausrutscher vor dem Schafott. Band Nr. 5 von 75, hier hat sich Simenon noch eine echte Story überlegt.

Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes
Maigret kämpft um den Kopf eines Mannesby Georges SimenonKampa Verlag