Eine intensive Reise zwischen Verlust und moralischen Grenzen
Ich habe Settlers Creek von Carl Nixon eher zufällig aus einem Bücherschrank mitgenommen. Ohne große Erwartungen und außerhalb meines üblichen Genres.
Die Geschichte ist ruhig, eindringlich und beklemmend zugleich. Themen wie Liebe, Verlust und die Frage, wie weit man nach dem Verlust eines Kindes gehen würde, stehen im Mittelpunkt. Besonders die dichte Atmosphäre und die sensibel gezeichneten inneren Konflikte machen das Buch emotional sehr intensiv.
Das Ende lässt zwar einige Fragen offen und war für mich nicht ganz schlüssig, beeinflusst den Gesamteindruck aber nicht negativ.
Viele Leserinnen und Leser waren begeistert von Carl Nixons „Kerbholz“ ein Erfolg, der wohl auch dazu beigetragen hat, dass „Settlers Creek“ nun im Unionsverlag auch erschienen ist. Dabei handelt es sich keineswegs um ein neues Werk. Mich persönlich konnte „Kerbholz“ nicht völlig überzeugen, doch „Settlers Creek“ klang vielversprechend und ich wurde nicht enttäuscht.
Im Zentrum steht Box Saxton, ein Mann mit einem Unternehmen und einem geregelten Leben. Doch ein einziger Anruf seiner Frau verändert alles. Sein Stiefsohn Mark ist tot. Er hat sich im Wald erhängt. Box lässt alles stehen und liegen, um sofort nach Christchurch zurückzukehren. Er hat Mark wie seinen eigenen Sohn großgezogen, eine tiefe Bindung verband die beiden. Nun stehen er und seine Frau vor der schwierigen Aufgabe, die Beerdigung zu organisieren, während Box selbst kaum weiß, wohin mit seiner Trauer.
Dann taucht plötzlich Tipene auf, Marks leiblicher Vater, ein Maori, begleitet von Mitgliedern seines Stammes. Sie wollen Marks Leichnam mitnehmen und ihn nach ihren Traditionen bestatten. Was folgt, ist ein mitreißender, konfliktreicher, teils erschütternder Verlauf. Die Situation eskaliert, und Tipene entführt den Leichnam kurz vor der geplanten Beerdigung. Für Box beginnt eine Reise, bei der es nicht nur um das Zurückholen seines Sohnes geht, sondern auch um Identität und Trauer.
„Settlers Creek“ hat mich nicht nur gefesselt und tief berührt, es hat mich auch zum Nachdenken gebracht und schließlich sprachlos zurückgelassen. Carl Nixon gelingt es, eine bewegende Geschichte über Liebe, Verlust, kulturelle Unterschiede und familiäre Bindungen zu erzählen. Eine eindringliche, intensive Lektüre und eine absolute Empfehlung.