17. Nov.
Rating:5

Ein Buch, das sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lässt – und das ist auch gut so.

Es ist weniger eine klassische Autobiografie als eine Sammlung von Erinnerungen, Reflexionen und kulturellen Beobachtungen. Man merkt schnell, dass hier ein Intellektueller am Werk ist, der tief in die 50er- und 60er-Jahre eintaucht, ohne dabei in Nostalgie zu versinken. Bohrer nimmt uns mit auf eine Reise durch seine Jugend und Studienzeit – und das alles mit einem besonderen Blick auf die Freiheit. Dabei geht es nicht nur um politische oder gesellschaftliche Freiheiten, sondern auch um diese ganz persönliche, rebellische Freiheit, die sich gegen Konventionen richtet. Der Titel mit den Kirschen ist übrigens kein Zufall: Es gibt eine Szene, in der Kirschen symbolisch für die Süße und Vergänglichkeit eines Moments stehen – ein wunderbares Bild. Was das Buch besonders macht, sind die intellektuellen Einschübe. Bohrer reflektiert viel über Literatur, Kunst und Philosophie, aber immer auf eine persönliche Art. Es fühlt sich an, als ob man einem brillanten Freund zuhört, der ein bisschen zu gerne redet – manchmal spannend, manchmal anstrengend. Trotzdem: Die Mischung aus Selbstironie, klugen Gedanken und emotionalen Momenten macht das Buch lesenswert. Wenn du Lust auf eine persönliche, aber doch tiefgründige Reise durch eine vergangene Zeit hast, wirst du hier fündig.

Die Kirschen der Freiheit
Die Kirschen der Freiheitby Alfred AnderschDiogenes